In einem Waldstück bei Emberg, wo die Tote gefunden wurde, gab es kaum Spuren. Dafür aber andernorts. Foto: Klormann

Der Prozess um die mutmaßlich getötete Vermisste aus Bad Teinach-Zavelstein ist am Dienstag fortgesetzt worden. Dabei präsentierte die Polizei auch ungewöhnliche Ermittlungsergebnisse.

Der 46-jährige Mann auf der Anklagebank im Tübinger Landgericht äußert sich nicht – auch nicht am Dienstag, dem zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen ihn.

 

Die Staatsanwaltschaft sieht in ihm einen Totschläger. Er soll seine Ex-Partnerin am Abend des 2. Septembers 2024 in der gemeinsamen Wohnung in Bad Teinach umgebracht und anschließend in einem nahen Waldstück abgelegt haben. Als die Polizei nach ihr suchte, gab der Mann an, dass sie die Wohnung nach einem Streit verlassen und das Kind bei ihm zurückgelassen hatte.

Bett erst kaputt, dann plötzlich weg

Doch der Mann geriet in dem Vermisstenfall in den Verdacht der Ermittler. Denn einerseits erzählte er der Polizei unterschiedliche Versionen zum möglichen Verbleib der Frau, zum Beispiel, dass sie im Urlaub sei. Sie könnte in seiner Abwesenheit auch nochmals in die Wohnung zurückgekehrt sein, sagte er damals.

Auch schob er den Verdacht in Richtung ihres Arbeitgebers weiter. Die Frau arbeitete für eine Sicherheitsfirma in Stuttgart und habe dort mit dem Drogenmilieu zu tun gehabt.

Andererseits wurden die Ermittler skeptisch, als das Bett in dem die Frau gewöhnlich in der Wohnung schlief, erst kaputt war und dann ganz fehlte. Auch hierfür lieferte der Mann unterschiedliche Erklärungen. Mal war es schon länger kaputt, mal war es erst vor Kurzem kaputt gegangen – nachdem er darauf geschlafen hatte.

Wenige Spuren

Die Polizei fand die Leiche der 25-Jährigen am 23. September. Bei einer Suche im Wald bei Emberg sind den Beamten „Fliegen und Verwesungsgeruch“ aufgefallen, erzählte ein Polizist vor Gericht. Der Körper war mit Zweigen bedeckt.

Die Identifikation fiel nicht leicht. Vor allem der Oberkörper sei von einer „massiv fortgeschrittenen Fäulnis“ und einem „ausgedehnten Insektenbefall“ betroffen gewesen, sagte der zuständige Rechtsmediziner Tobias Marx. Teils waren wohl nur noch Knochen übrig. Der Abtransport der Leiche habe sich schwierig gestaltet.

Der untere Teil des Körpers sei noch in besserem Zustand gewesen. Eine dortige Tätowierung habe zur Vermissten gepasst, eine DNA-Überprüfung schließlich Klarheit über die Identität gebracht.

Die Polizei ermittelte nun gegen den Mann als mutmaßlichen Täter. Allerdings gestaltete sich das schwierig. Es gab keine direkten Zeugen für die Tat. Das Bett war nicht mehr auffindbar. Weder in der Wohnung noch im Auto fanden sich Blutspuren. Im Wald bei der Leiche fanden sich weder Fasern der Kleidung des Mannes noch seine DNA. Umgekehrt fanden sich keine Wald- oder Dreckspuren an der Kleidung des Mannes, die zum Waldstück in Emberg passten. All das haben Experten in Laboren überprüft.

DNA-Probe eines Baums

Die Ermittler hatten aber den Eindruck, dass der Mann Teile der Wohnung sowie den Kofferraum geputzt habe. Im Auto schauten sie genauer hin – und fanden schließlich zwei Hinweise.

Erstens waren das Speichelspuren der Frau. Das ergab eine DNA-Probe. Zur Abgrenzung wurde auch die DNA des Mannes und des Kindes überprüft. Dabei kam heraus, dass der Angeklagte gar nicht der biologische Vater des Kindes ist. Unklar blieb, ob er dies schon wusste – oder erst durch die Ermittlungen gegen ihn erfuhr. In Telefonaten, die die Polizei abhörte, machte er sich Sorgen um die Zukunft des Kindes, sollte er festgenommen werden.

Und zweites fand die Polizei im Auto eine Fichtennadel. Auch hier gab die Polizei eine DNA-Untersuchung beim bayerischen Amt für Waldgenetik in Auftrag. Das Ergebnis: Die Nadel stammte von einer Fichte im unmittelbaren Umfeld des Leichenfundorts.

Die Frau hat das Auto aber wohl nicht selbst gesteuert. Sie lag im Schlafanzug und ohne Schuhe im Wald. Also nahm die Polizei den Mann fest – und musste ihn doch wieder laufen lassen.

Keine Tatwaffe

Warum, wurde am Dienstag auch klar. Zwar geht die Staatsanwaltschaft von einer gewaltsamen Tötung aus. Rechtsmediziner Marx konnte aber wegen des schlechten Zustandes der Leiche keine Todesursache feststellen.

Ein Hamburger Kollege von ihm beschäftigte sich intensiver mit einem Knorpelstück des Kehlkopfes der Frau. Dieses war den Ermittlern wegen seines klaren Abbruchs aufgefallen. Der könne eigentlich nur eine logische Ursache haben: einen „Kehlenschnitt“, erklärte der Experte. Allerdings könne er wegen der fortgeschrittenen Verwesung keine wirklichen Nachweise dafür liefern.

Keine Tatwaffe

Es bleibt also weiterhin unklar, ob der Mann seine Ex-Partnerin umgebracht hat. Neben einer genauen Todesursache fehlt logischerweise auch eine Tatwaffe. Verdächtig sind aber das fehlende Bett sowie die Spuren des Ablageortes im Auto. Es bleibt abzuwarten, ob der Verhandlungstag am kommenden Dienstag weitere Hinweise bringt, die auf den Mann als Täter deuten – oder ihn entlasten.