Prozess vor dem Landgericht – am 10. Juli wird das Urteil erwartet. Foto:  

Im Prozess um den Tod einer Frau aus Bad-Teinach sagt der Ermittlungsführer der „Soko Hirsch“ aus. Er sieht im Angeklagten den Täter. Doch dessen Verteidiger hat Zweifel.

Im September 2024 findet die Polizei im Wald bei Emberg eine Frauenleiche. Schnell ist klar: Es handelt sich um eine vermisste 25-Jährige aus Bad Teinach-Zavelstein. Ihr Ex-Partner, mit dem sie noch zusammenlebte, gerät in den Verdacht, sie umgebracht zu haben. Er kommt in Untersuchungshaft, ist mittlerweile aber wieder auf freiem Fuß. Trotzdem muss er sich nun vor dem Tübinger Landgericht wegen Totschlags verantworten.

 

Der 46-Jährige schweigt zu den Vorwürfen. An den bisherigen Verhandlungstagen sprachen nur die Zeugen, vor allem Ermittler aus der damals eingerichteten „Soko Hirsch“. Deren Ermittlungsführer Martin Roller sagte nun am dritten Verhandlungstag aus. Er erzählte, dass die Polizei nach dem Verschwinden der Frau erst von einem Vermisstenfall ausgegangen war. Am 3. September meldete sich ihr Arbeitgeber, eine Security-Firma, bei der Polizei. Die Frau war nicht zur Arbeit erschienen.

Spuren führen ins Leere Von der Frau habe jede Spur gefehlt, erinnert sich Roller. Die Polizei sei dann von einem Gewaltverbrechen ausgegangen und habe zunächst gegen Unbekannt ermittelt. Den Mann habe man mehrfach als Zeuge vernommen. Er habe gesagt, dass die Frau nach einem Streit abgehauen sei. Doch den Ermittlern kam verdächtig vor, dass der Mann das Bett aus der Wohnung entsorgt hatte. Andere Spuren ergaben keine Anhaltspunkte für ihr Verschwinden. Eine Zeugin wollte sie in Pforzheim am Bahnhof gesehen haben. Andere wiederum sprachen von Verstrickungen der Frau ins Stuttgarter Drogenmilieu. Die Polizei hat nichts Entsprechendes herausgefunden.

Die Polizei fand die Leiche der 25-Jährigen am 23. September. Die genaue Todesursache konnte nicht ermittelt werden. Dafür lag die Frau zu lange im Wald. Den möglichen Todeszeitpunkt taxierte Rechtsmediziner Tobias Marx auf den 2. bis 5. September. Und damit war wieder der Mann im Fokus. Denn er hatte die Frau zuletzt lebend gesehen. Außerdem lag sie ohne Schuhe und im Schlafanzug im Wald, hatte kein Gepäck dabei.

Verdächtiges Verhalten Roller erklärte nun, welche Spuren – neben einer Fichtennadel vom Ablageort der Leiche im Auto des Mannes – auf den Angeklagten als Täter deuten.

Die Polizei hatte sein Handy ausgewertet. Dessen Geodaten zeigten, dass er sich wohl mehrmals am Ablageort der Leiche aufgehalten hat – und zwar erst nach Verschwinden der Frau. Verdächtig ist auch, dass der Mann in der potenziellen Tatnacht nach den Öffnungszeiten mehrerer Recyclinghhöfe googelte. In den Folgetagen besuchte er unter anderem den in Langenbrand und den in Simmozheim. Von dem Bett, in dem das Opfer in der Wohnung schlief, fehlt weiterhin jede Spur.

„Gut gereinigt“

Und der Mann suchte mehrmals Waschanlagen in der näheren Umgebung auf. Roller berichtete, dass den Ermittlern gerade der Kofferraum des Autos „gut gereinigt“ vorkam. Außerdem habe der Mann versucht Geld abzuheben – auch vom Konto der damals noch vermissten Frau. An 1000 Euro kam er. Er meldete sich laut Roller auch auf einem Dating-Portal an, um thailändische Frauen kennenzulernen. Roller erklärte auch, dass der Mann mehrere Zehntausend Euro Schulden habe.

Verteidiger kritisiert Polizei Verteidiger Andreas Baier hatte aber Zweifel an der Version der Polizei. Es sei doch auch möglich, dass die Frau nach dem Streit gegangen sei und woanders geschlafen habe – und deshalb beim Auffinden den Schlafanzug trug. Roller entgegnete, dass die Frau im Umfeld der Wohnung niemand kannte und auch kein Auto gehabt habe.

Keine persönlichen Angaben

Baier störte sich auch daran, dass sein Mandant oft als Zeuge vernommen worden sei, obwohl er bereits verdächtigt wurde. Als Verdächtiger könnte er die Aussage gegenüber den Ermittlern verweigern. Roller erklärte, dass zum Zeitpunkt der Befragungen noch den anderen Spuren – zum Beispiel in Stuttgart – nachgegangen wurde.

Der 46-Jährige macht vor Gericht keine persönlichen Angaben. Richter Armin Ernst erklärte aber, dass er bereits mehrfach verurteilt wurde.

Der Mann hatte öfter ohne zu bezahlen getankt oder Pfand geklaut. Auch habe er aus erster Ehe einen erwachsenen Sohn. Die kleine Tochter des Opfers, um die sich der Mann vor der Festnahme kümmerte, ist hingegen nicht sein leibliches Kind. Das Umfeld wusste davon nichts. Dass er nicht der Vater ist, kam erst durch die Ermittlungen ans Licht.

Das Urteil wird kommenden Donnerstag erwartet.