In Dobel ereignete sich im Juli vorigen Jahres eine schreckliche Tat. (Archivbild) Foto: Kugel

Endlich kommt Licht ins Dunkel. Und es sind erschreckende Details. Die Staatsanwaltschaft Tübingen erhebt nach der Tötung einer 68-jährigen Unternehmerin in Dobel im Sommer vorigen Jahres Anklage gegen eine 38-Jährige und ihren 30-jährigen Partner wegen gemeinschaftlichen Mordes – sowie weiterer Delikte.

Dobel - Aus ermittlungstaktischen Gründen gab es bislang keine weiteren Informationen. Mehrfache Nachfragen unserer Redaktion liefen ins Leere. Somit konnte bislang nicht die Frage beantwortet werden, warum in den frühen Abendstunden des Mittwochs, 20. Juli, die Unternehmerin sterben musste. Jetzt gibt die Staatsanwaltschaft Details bekannt.

Am 5. August hieß es lediglich: Dem Auffinden von tatrelevanten Spuren in Tatortnähe, dem akribischen Auswerten der Spuren sowie der durch die Presse veröffentlichten Zeugenaufrufe und der dadurch eingegangenen Hinweise sei der "zügige Ermittlungserfolg unter anderem zu verdanken". Wurde doch mitgeteilt, dass auch gegen eine 38-Jährige der beantragte Haftantrag durch einen Haftrichter in Vollzug gesetzt worden sei. Die Tatverdächtige, die in einer Lebensgemeinschaft zu dem bereits seit 4. August in Haft sitzenden 29-jährigen Tatverdächtigen stehe, sei am selben Tag an der gemeinsamen Wohnanschrift im Kreis Rastatt vorläufig festgenommen worden.

Heimtückisch

Die Staatsanwaltschaft hat nun laut Pressemitteilung gegen die 38-jährige Deutsche und ihren aus den USA stammenden Lebenspartner Anklage vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Tübingen erhoben. Ihnen wird vorgeworfen, die 68-Jährige in deren Wohnhaus in Dobel heimtückisch und aus Habgier getötet zu haben.

Ziel sei es unter anderem gewesen, sieben Taten der gewerbsmäßigen Untreue durch die Angeschuldigte beziehungsweise der Beihilfe des Angeschuldigten hierzu zu verdecken. Auch diese Taten werden den beiden in der Anklage zur Last gelegt.

In der nach Abschluss der Ermittlungen erhobenen Anklage legt die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen Folgendes zur Last: Die 68-Jährige war Gesellschafterin und Geschäftsführerin einer in Dobel ansässigen Gesellschaft, in welcher auch die Angeschuldigte in leitender Funktion tätig war. Aufgrund eines gemeinsamen Tatplanes soll der 30-Jährige seit Juli 2021 in sieben Fällen gefälschte Rechnungen nichtexistenter Firmen an die Gesellschaft in Dobel gestellt haben, die die 38-Jährige in der Folge auf den Paypal-Account des Angeschuldigten angewiesen haben soll. Insgesamt soll der Gesellschaft hierdurch ein Schaden in Höhe von 40 881,47 Euro entstanden sein.

Erhebliche Gewaltanwendung

Aufgrund betriebsinterner Zerwürfnisse soll die Frau die Aufdeckung dieser Taten befürchtet haben und im weiteren Verlauf gemeinsam mit ihrem Partner den Plan entwickelt haben, die 68-jährige zu töten, um so auch deren hoch dotierte Stelle als Geschäftsführerin der Gesellschaft übernehmen zu können. Während die Frau gewichtige organisatorische Tatbeiträge übernommen habe, soll der Mann die eigentliche Tat ausgeführt haben. Hierzu soll er sich in den Abendstunden des 20. Juli 2022 mit einem von der Angeschuldigten beschafften Haustürschlüssel und eines Alarmanlagentransponders Zutritt zum Wohnhaus verschafft haben und die arg- und wehrlose 68-jährige Frau mit erheblicher Gewaltanwendung letztlich mittels eines Messers getötet haben.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat hinsichtlich der 38-jährigen Frau und des 30-jährigen Mannes als gemeinschaftlichen Mord unter Verwirklichung der Mordmerkmale der Heimtücke, der Habgier und der Verdeckungsabsicht. "Hinsichtlich der Angeschuldigten steht laut Staatsanwaltschaft diese Tat in Tatmehrheit zu sieben Fällen der Untreue, hinsichtlich des Angeschuldigten in Tatmehrheit zur Beihilfe zur Untreue in sieben Fällen", so die Staatsanwaltschaft weiter.

Beiden, die sich weiterhin in Untersuchungshaft befinden, droht somit im Falle der Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Lediglich der 30-Jährige hat sich während des Ermittlungsverfahrens zu den Tatvorwürfen eingelassen, während die Frau keine Angaben gemacht hat.

Die Staatsanwaltschaft weist in ihrer Mitteilung ausdrücklich darauf hin, dass das Urteil über die Strafbarkeit nur den Gerichten zusteht und dass die Angeschuldigten als unschuldig zu gelten haben, sofern ihnen nicht durch rechtskräftiges gerichtliches Urteil ihre Schuld nachgewiesen ist.

Da es sich um eine Haftsache handelt, wird es wohl nicht lange dauern, bis das Hauptverfahren am Landgericht Tübingen eröffnet wird.

Unter Schock

Blick zurück: Die ganze Gemeinde stand unter Schock, als bekannt wurde, dass in einem Haus an der Neuenbürger Straße eine tote Frau entdeckt wurde. Und ersten Ermittlungen zufolge die 68-Jährige Opfer einer Gewalttat geworden sei. Beamte des Polizeireviers Calw hatten – nach dem Hinweis einer Zeugin – die Unternehmerin am Donnerstagabend, 21. Juli, tot in ihrem Wohnanwesen gefunden. Die Kriminalpolizei Calw hatte sodann eine 34-köpfige Sonderkommission unter dem Namen "Loipe" eingerichtet. Auf der Sonneninsel wurden Leute befragt, ein Hubschrauber kreiste. Etliche Beamte suchten die Gegend ab. Bürgermeister Christoph Schaack war an jenem Donnerstagabend auf dem Heimweg von einem Termin in Bad Wildbad, als er gegen 18.30 Uhr am betreffendem Haus vorbeifuhr. Er habe freilich nicht gewusst, was passiert sei, und habe angehalten, um bei der Polizei zu fragen, ob er irgendwie helfen könne. Allerdings sei er um Geduld gebeten worden, vor Ort habe man ihm nichts gesagt. Er habe das Opfer gut gekannt. Der Unternehmerin sei an der Gemeinde Dobel sehr gelegen gewesen und sie habe starkes soziales Engagement gezeigt.