Die zwölf toten Huskys von Dobel werden die Justiz weiter beschäftigen. Foto: Mirgeler/dpa

Es könnte vor Gericht gehen: Die Halterin der zwölf toten Huskys von Dobel will den gegen sie ausgesprochenen Strafbefehl nicht akzeptieren. Sie hat sich nun einen Anwalt genommen – und erhebt Einspruch.

Dobel - Die zwölf toten Huskys von Dobel (Kreis Calw) werden die Justiz weiter beschäftigen: Ihre Halterin hat angekündigt, den gegen sie ausgesprochenen Strafbefehl mit einer Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen nicht zu akzeptieren und mit ihrem Anwalt Einspruch zu erheben. "Ich will selbst nicht spekulieren. Ich kenne den Sachstand und bin relativ entspannt", zeigte sich die 47-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion optimistisch.

Halterin spricht von Giftködern

Die Staatsanwaltschaft Tübingen wirft der Frau vor, den Tod ihrer Hunde billigend in Kauf genommen zu haben. Im Juli 2021 war sie mit ihren 26 Huskys nach Dobel gekommen und ließ sie über Nacht in den 18 Transportboxen ihres Kleinlasters. Am nächsten Morgen waren zwölf Hunde tot. Zwei weitere mussten in eine Tierklinik gebracht werden. Die Halterin behauptet, ausgelegte Giftköder seien für den Tod verantwortlich.

Die Staatsanwaltschaft hingegen geht von Erstickung und Überhitzung als Todesursache aus. Nicht unter 17 Grad sei das Thermometer in jener Juli-Nacht gefallen. Den Hunden habe es in dem Kleinlaster an Wasser und Frischluft gefehlt. Allerdings räumte die Staatsanwaltschaft auch ein, dass nach den insgesamt drei toxikologischen Untersuchungen der Tierleichen die Todesursache nicht eindeutig geklärt werden konnte.

Schlussfolgerung dürftig?

Die Halterin sagt daher im Gespräch mit unserer Redaktion: "Es ist alles noch offen. Ich finde die Schlussfolgerung dürftig, dass der Tod der Hunde durch Ersticken infolge mangelnden Sauerstoffs eingetreten sein soll, nur weil Gift nicht nachgewiesen werden konnte."

Sie selbst hatte ihre toten Hunde nach der Todesnacht heimlich auf einem Grundstück bei Dobel vergraben. Nach einem Hinweis erfuhr die Tierschutzorganisation Peta von dem Fall und erstattete Anzeige, woraufhin die Polizei die zwölf Tierleichen wieder ausgraben und toxikologisch untersuchen ließ.

Aus Sicht der Halterin, die von Beruf Tierärztin ist, könne es sein, dass durch die Zeit unter der Erde kein Gift mehr in den Leichen nachgewiesen werden könne. Zudem widerspricht sie der Darstellung der Staatsanwaltschaft, in jener Nacht seien die Temperaturen nicht unter 17 Grad gefallen. Sie spricht von "moderaten Temperaturen um 14 Grad".

Andere Meinung als Staatsanwaltschaft

Laut Staatsanwaltschaft hätte die Frau als erfahrene Hundehalterin wissen müssen, dass die Huskys nur während einer Fahrt in ihren Transportboxen bleiben dürfen. Alles andere sei nicht zulässig. Auch hier hat die 47-Jährige jedoch eine andere Meinung als die Staatsanwaltschaft und zeigt auf: "Dass die Tiere in solchen Boxen übernachten, ist unter Schlittenhundehaltern gängige Praxis. Zwar ist die Temperatur in Rennzeiten deutlich niedriger, aber das ändert am Sauerstoffgehalt nichts."

Hätte die Frau den Strafbefehl mit der Geldstrafe über 150 Tagessätze akzeptiert, würde sie als vorbestraft gelten. Durch den Einspruch geht der Fall nun vor das Amtsgericht Calw. In wie weit sie noch als Tierärztin tätig sein darf, ist nicht klar. Das Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Behörde erteilte aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft.

Peta übte bereits wiederholt Kritik an Schlittenhunderennen, unter anderem auch am Iditarod in Alaska, dem größten Hundeschlittenrennen der Welt. Mehr zu den Hintergünden im Video:

Iditarod: Die Wahrheit über das brutale Schlittenhunderennen in Alaska from PETA Deutschland e.V. on Vimeo.