Einem 31-Jährigen wird vorgeworfen, seine damalige Freundin Ende April 2019 in einem gemeinsam genutzten Wohnwagen auf einem Platz des Europa-Parks in Rust bei Freiburg umgebracht zu haben. (Archivfoto) Foto: Seeger

31-Jähriger laut Anwalt wegen Corona-Pandemie nicht angereist. Leiche in Kunststoffsack gesteckt?

Freiburg - Der Tod einer 33-jährigen Artistin aus der Ukraine wird vielleicht für immer ein Rätsel bleiben. Im April 2019 war die junge Frau, die als Künstlerin im Europa Park in Rust ein Engagement hatte, spurlos verschwunden. Einen Monat später fanden Angler ihre bereits stark verweste Leiche im Altrhein bei Rust. Dort hatte jemand sie in einem mit Hantelgewichten beschwerten Plastiksack versucht verschwinden zu lassen. Der Verdacht fiel schnell auf den ehemaligen Freund und Bühnenpartner der Toten, den mittlerweile 31 Jahre alten Kubaner, der ebenfalls im Europa Park auftrat und mit der 33-Jährigen in der Vergangenheit eine Beziehung hatte.

Fünf Monate U-Haft folgten damals für den jungen Mann, dann aber kam er auf Beschluss des Landgerichts in Freiburg auf freien Fuß, da die Verdachtsmomente gegen den Mann nicht für eine Hauptverhandlung ausreichend seien. Es fehle an einer entsprechenden Motiv- und Spurenlage. Mit einer Verurteilung sei nicht zu rechnen. Die Anklage sei daher unzulässig. Dagegen legten die Hinterbliebenenvertreter der jungen Frau und die Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) in Karlsruhe ein. Mit der Folge, dass das OLG sich für einen ungewöhnlichen Kompromiss entschied: Zwar bestehe der "hinreichende Verdacht", dass der junge Mann seine Freundin im Streit getötet habe und vor Gericht gestellt werden müsse. "Dringend" sei der Verdacht aber nicht, so dass es auch keinen Haftbefehl gegen ihn geben werde.

Neuerliche U-Haft drohte dem Mann nicht

Nun sollte am Freitag der Prozess gegen den Mann, der die Tat stets abgestritten hat und mittlerweile wieder auf Kuba bei seiner Familie lebt, in Freiburg vor dem Landgericht beginnen. Der Vorwurf: Er soll seine Bühnenpartnerin im Zusammenhang mit einem Streit im gemeinsam genutzten Wohnwagen des Paares erwürgt haben. Der Kubaner hatte im Vorfeld zugesagt, dass er grundsätzlich für die mehrwöchige Verhandlung freiwillig nach Deutschland kommen werde. Im Gegenzug wurde ihm von den Behörden freies Geleit zugesichert, eine neuerliche U-Haft drohte dem Mann also nicht. Vor Gericht erschienen ist er wie erwartet aber dennoch nicht: Die Corona-Krise mache sowohl die Reise als auch eine zügige Verhandlung nicht möglich, so Verteidiger Florian Rappaport am Freitag. Außerdem habe Kuba seinem Mandanten keine Ausreisegenehmigung erteilt. Er sei aber überzeugt, dass das Verfahren im Fall einer Verhandlung auf jeden Fall mit einem Freispruch für seinen Mandanten enden werde, so der Anwalt, der zudem eine Haftentschädigung für die fünfmonatige U-Haft für seinen Mandanten erstreiten möchte.

Vorführhaftbefehl beantragt

Ganz so überzeugt ist man bei der Freiburger Staatsanwaltschaft von dem Freispruch indes nicht, weshalb am Freitag ein sogenannter Vorführhaftbefehl gegen den Angeklagten beantragt wurde. Dieser hat freilich nur eine symbolische Bedeutung: Mit Kuba hat Deutschland kein Auslieferungsabkommen, der Haftbefehl hätte im Fall des Falles keine Wirkung. Anwalt Rappaport trat dem Antrag dennoch entgegen und betonte, dass sein Mandant auch künftig freiwillig zu einem Prozess anreisen würde.

Das Landgericht muss nun über den Antrag entscheiden. Einem Sprecher zufolge könne dies im Lauf der kommenden zwei Wochen und in schriftlicher Form geschehen. Das auf fünf Verhandlungstage angesetzte Verfahren gegen den Angeklagten, dem auch vorgeworfen wird, mit der der EC-Karte seiner toten Freundin rund 1300 Euro unerlaubt in seinen Besitz gebracht zu haben, ist derweil ausgesetzt. Wann und unter welchen Bedingungen es weitergeht, ist offen, zumal auch die Zeugen in dem Prozess teilweise von weit her aus dem Ausland anreisen müssten, was derzeit ebenfalls nicht zu erwarten wäre, so Anwalt Rappaport.

Die Umstände des Todes der Artistin, die vor zehn Jahren bundesweit durch die Fernsehshow "Das Supertalent" bekannt geworden war, liegen weiter im Dunkeln.

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