Urh Kastelic hält auch beim 31:24 von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen gegen die TSV Hannover-Burgdorf überragend. Woher kommt diese Leistungsexplosion?
Göppingen - Der Jubel war nicht so spontan und ausgelassen wie nach den beiden 32:31-Last-Second-Siegen in den Spielen zuvor. Doch Urh Kastelic ballte auch nach dem 31:24 (16:13) von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen gegen die TSV Hannover-Burgdorf die Faust, und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Auch beim sechsten Sieg in Serie war der Torwart der Schlüssel zum Erfolg. 17 Paraden hatte der Slowene am Ende auf seinem Konto, und Trainer Hartmut Mayerhoffer sagte das, was er seit dem Start nach der WM-Pause schon so oft gesagt hat: „Urh hat überragend gehalten.“
Vertrag bis 2022
Die Leistungsexplosion des 25-Jährigen ist eine dieser Geschichten, wie sie oft nur der Sport erzählt. Im Sommer 2019 war er als eine der größten europäischen Torwart-Hoffnungen vom damaligen kroatischen Champions-League-Teilnehmer RK Zagreb nach Göppingen gekommen. Sogar eine Ablösesumme im mittleren fünfstelligen Bereich hatte Frisch Auf für den Königstransfer berappt. Und was passiert? Bis zum Jahresende 2020 bekommt Kastelic nur selten eine Hand an den Ball. Daniel Rebmann läuft ihm den Rang ab und hat weitaus mehr Spielanteile. Kastelic (Vertrag bis 2022) ist unzufrieden, will weg. Der Verein bleibt hart, lässt ihn nicht gehen, glaubt daran, dass er seine Klasse noch zeigen wird. Doch zunächst bremst ihn Corona aus. Im Dezember und Januar befindet er sich 34 Tage in Quarantäne. Mit der slowenischen Nationalmannschaft reist der Keeper im Januar zur WM nach Ägypten. Nach einem positiven Test kurz nach der Einreise kommt er nicht zum Einsatz, nach zehn Tagen in der Klinik und im Hotelzimmer in Kairo geht’s frustriert, aber hungrig zurück.
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„Ich war unglaublich heiß auf Handball und verspürte riesige Lust zu spielen. Letztendlich hat mir Corona geholfen“, sagt Kastelic. Als es dann am 7. Februar mit Frisch Auf gegen die Eulen Ludwigshafen wieder losging, saß der 2,01-m-Riese aber zunächst auf seinem Stammplatz auf der Ersatzbank. In der Halbzeit kam er rein und hielt den 24:22-Arbeitssieg fest. Danach stach er beim 34:32 gegen die Rhein-Neckar Löwen noch einmal mit grandiosen Paraden als Joker, seitdem darf er von Beginn an zwischen die Pfosten. „Dieses Vertrauen ist sehr wichtig. Bei einem Torwart sind 50 Prozent Kopfsache“, ist sich Kastelic sicher. Er ist ein eher sensibler Typ, der gemeinsam mit seiner Freundin Evelina lange gebraucht hat, um bei seiner ersten echten Auslandsstation in Göppingen anzukommen, von seiner slowenischen Heimat Krško nach Zagreb waren es nur 50 Autominuten.
GWD Minden kommt am Donnerstag
Inzwischen strotzt er vor Selbstvertrauen, seine enorme körperliche Präsenz sowie sein außergewöhnlich gutes Stellungsspiel kommen zum Tragen. Und er fühlt sowohl sich als auch den Verein noch lange nicht am Limit. „Ich möchte mit Frisch Auf europäisch spielen, wir können das schaffen“, zeigt er sich optimistisch. Vor dem Heimspiel an diesem Donnerstag (19 Uhr/EWS-Arena) gegen GWD Minden ist der Göppinger Traditionsclub auf den fünften Platz geklettert, der wahrscheinlich zur Teilnahme an der Euroleague reichen wird. Kastelics Wandel vom Auslaufmodell zum Erfolgsgaranten haben es möglich gemacht.