Bis zu den B-Junioren des SC Freiburg lebt der Profi-Traum, dann schlägt Noah Nocht einen anderen Weg ein. Der 25-Jährige knipst in der Kreisliga und „zieht“ die Gegner an.
Klar – Teamausrüster Alexander Lees hat auch Sportclub-Utensilien in seinem Geschäft in der Villinger Rosengasse. Auf der Verkaufstheke liegt ein kleiner Ball mit dem Logo der Freiburger, auch bei den Trikots sind die Breisgauer vertreten.
Noah Nocht muss also nicht lange überlegen, welches Vereinsshirt er sich für unser Bild schnappt. Immerhin hat der Torjäger des SV Obereschach (Kreisliga A1) von 2014 bis 2017 für den Nachwuchs des Bundesligisten gespielt.
An seinen Profitraum denkt der vierfache Torschütze beim jüngsten 11:2 gegen Grüningen („Das war der höchste Sieg, bei dem ich bisher dabei war“) kaum mehr, hat er es doch dennoch geschafft, dass sein größtes Hobby zumindest indirekt zum Beruf wird.
Alexander Lees
„Noah ist für mich ein Glücksfall. Er ist total zuverlässig, total in der Materie drin, was ganz wichtig ist. Zudem ist er sehr beliebt. Dass er nun die Lehre macht und vielleicht sogar den Laden einmal übernimmt, freut mich sehr“, kennt Inhaber Alexander Lees („Bubi“) Noah Nocht seit dessen Zeit beim Sportclub.
„Wenn man das ganze Leben Sport gemacht hat, macht dieser Job einfach Riesenlaune“, denkt Noah Nocht dabei auch an Spieler von Kontrahenten, die in die Villinger Rosengasse kommen.
Harry Kane
Ob dann aber in dieser Woche die Grüninger nach dem 2:11 in Obereschach gute Laune haben, ist fraglich. Nocht schnürte dabei einen Viererpack. Es war sein erster bei den Aktiven. Musste er nach diesem Kunstwerk eine Runde zahlen? „Zum Glück nicht. Nur die Debütanten, die ein Tor schießen, sind mit einem Kasten (Bier) dran“, sagt und lacht der Obereschacher.
Im Gegensatz zu Bayern-Star Harry Kane nach einem Hattrick schnappte sich Nocht keinen Ball nach dieser besonderen Premiere. „Am Ende des Tages ist es eben doch nur Kreisliga, wobei ich hier im Laden ja an der Quelle sitze“, schaut der Angreifer in Richtung „Derbystar“ und Co.
DJK Villingen
Noah Nocht fühlt sich beim SVO pudelwohl, dies wird im Gespräch bei einer Tasse Kaffee schnell deutlich. Dabei hätte der Weg auch ein anderer sein können, als er sich im Alter von knapp 14 Jahren auf von der Jugend der DJK Villingen in die SC-Kaderschmiede machte.
„Ich habe bei der DJK viele Tore erzielt, dann wurde ich in die Schwarzwald- und später die Südbaden-Auswahl aufgenommen“, wurden so die Freiburger auf den Doppelstädter aufmerksam.
SC Freiburg
2014 war es so weit. „Ich wollte die Chance nutzen“, pendelte er mit dem SC-„Shuttle“, in dem auch der Nullachter Georgios Pintidis saß, nun viermal in der Woche ins Freiburger Trainingszentrum, dazu kamen die Spiele am Wochenende.
„Ein Höhepunkt waren die Spiele beim FC Bayern München mit Übernachtung davor“, wird er diese Momente nie vergessen. Doch nach fünf Spielen in der U17-Bundesliga war das Sport-Club-Abenteuer vorbei, der Profitraum geplatzt. „Ich habe dann auf einmal nicht mehr gespielt“, ärgert sich Nocht aber heute, dass er nicht mehr um seine große Möglichkeit gekämpft hatte. „Es hätte aber sehr viel Glück gebraucht“, verweist er auf das große Niveau im SC-Nachwuchsbereich.
SV Obereschach
Mit dem Kapitel Fußball-Profi hat Noah Nocht längst abgeschlossen. Über ein Intermezzo in der Jugend des FC 08 Villingen ging es 2017 zum SV Obereschach. „Dort durfte ich schnell in der Landesliga-Mannschaft spielen“, blieb er dem SVO, bis auf eine Spielzeit bei der DJK Donaueschingen, treu. „Ich kann mir eigentlich niemals vorstellen, dass ich noch einmal den Verein wechsle. Hier passt alles, hier herrscht ein Riesen-Zusammenhalt. So eine Gemeinschaft habe ich noch nie im Fußball erlebt.“
Das Ziel ist der Aufstieg: „Dann werden wir es mit den SVO-Buben, so nennen wir uns, im Villinger Rebstock so richtig krachen lassen.“
Die Ausbildung
Dass sich damals Noah Nocht für Obereschach entschied, lag auch an Alexander Lees. Im Sportausrüstergeschäft jobbte er noch als Schüler, nach drei Semestern (Sportmanagement) entschied er sich nun bei „Bubi“ für eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. „Das ist genau mein Ding“, lebt Noah Nocht nun eben einen anderen Traum. Dem Fußball und dem Sport bleibt er dabei treu.