Boris Wolny (links, Szene von 2008), der für den SV Herrenzimmern als Torjäger immer wieder aufhorchen ließ.Foto: Rohde Foto: Rohde

Boris Wolny lebt und feiert Fußball in besonderem Maße. Der 40-Jährige aus Herrenzimmern ist zwei Vereinen immer treu geblieben: Seinem Heimat- sowie Herzensverein SV Herrenzimmern als Spieler und Spielertrainer. Zudem als Fan und Mitglied seinem Bundesliga-Lieblingsclub FC Bayern München.

34 Jahre hat er bisher aktiv Fußball gespielt, seit 28 Jahren schaut er sich Spiele des FC Bayern an, inzwischen ebenso die Nationalmannschaft oder sogar neutrale Partien. Man darf ihn in die Kategorie "Groundhopper" einordnen. Wolny selber sieht sich jedoch nicht ganz so, "weil ich nicht Fußballspiele und Stadion sammle, sondern Auswärtsfahrten mit dem FC Bayern genieße." 30 Länder hat er bereits besucht in Europa, Afrika, Asien und Südamerika. Bundesliga, DFB-Pokal, Champions-League-Endspiele, Europameisterschaft – es gibt fast nichts, was er nicht schon live miterlebt hat.

Start im Bösinger Teilort

"Mit sechs Jahren habe ich beim SV Herrenzimmern in der Jugend mit dem Fußballspielen begonnen", blieb er in der Folge immer bei diesem Club. Die ganze Jugendzeit, seine komplette Aktivenzeit und nun seit 2017 vier Jahren als Spielertrainer der 2. Mannschaft, "wo ich in der Saison 2021/22 weitermachen werde. Ganz ohne Fußball geht es nun wirklich nicht. Ich gehe gerne auf den Sportplatz weil ich dort viele Menschen treffe und mit ihnen Zeit verbringe, die ich schon seit Kindertagen kenne."  

Leidenschaftlich auch als Fan

Zugleich erlebte Wolny die Leidenschaft Fußball ebenso als Fan. Seit 1993, als ihn sein Onkel als Zwölfjährigen mit zum FC Bayern nahm, "ja war ich von der Atmosphäre begeistert und seither habe ich viele Reisen unternommen", wurde diese Leidenschaft zu einem richtigen Hobby, "was einiges an Geld und Zeit verschlingt", so der bei einem Oberndorfer Kabeltechnik-Unternehmen beschäftigte Herrenzimmerner, der fast selbstredend inzwischen eine große Sammlung an Fan-Devotionalien besitzt wie Trikots und Schals.

Ein Blick zurück

An den 26. September 2010 zwischen 15 und 16.45 Uhr erinnert sich Boris Wolny ewig. "Es war der Tag, an dem ich in der Bezirksliga sieben Treffer in einem Spiel erzielte, mir dabei in der zweiten Halbzeit ein doppelter Hattrick gelungen ist." Mit den "sieben auf einen Streich" verewigte er sich beim 8:1-Sieg des SV Herrenzimmern gegen Fatihspor Spaichingen nach der Pause in die Geschichtsbücher des Bezirk Schwarzwald.

Trainer war damals Peter Seifried, im achten Spiel war dies der erste Saisonsieg, was bei Wolny doppelt haften blieb. Mit einer kleinen Anekdote: "Normal habe ich in den Nächten vor den Spielen immer geschaut, dass ich nicht groß etwas Trinke. Doch einen Tag davor hatte ein Freund den 30. Geburtstag und ich habe es tatsächlich krachen lassen", schadete es für den Rekord offensichtlich nicht. Im  Kleinen muss der Vollblut-Amateur sich also vor den Bayern-Granden Miroslav Klose (WM-Rekordschütze) und Robert Lewandowski nicht verstecken. Zum Jahrzehnte 40-Tore-Rekord von Gerd Müller sagte Wolny jedoch offen und ehrlich: Dass Lewandowski den praktisch in letzter Minute noch geknackt hat, hat er es als Weltfußballer verdient. Ich würde es mir aber wünschen, dass Gerd Müller ewig dieser "Bomber der Nation" bleibt.

Wie viele Tore und Spiele er in seiner Karriere selbst insgesamt erzielte und absolvierte weiß er gar nicht, "weil bei uns im Verein so was über die Jahrzehnte nicht mitgeschrieben wurde." Da er über Jahre in den Torjägerlisten der Bezirksliga und Kreisliga A stets vorne zu finden war weiß er nur, "dass es sicher über 300 bis an die 400 Tore und 600 Spiele sein dürften."

Aktuell mit der Covid19-Pandemie und den Lockdown-Monaten ist Boris Wolny doppelt "gestraft": "Selber können wir ja seit 15 Monaten kaum spielen und dann darf man als Fan nicht mehr ins Stadion zu den Spielen. Dies ist sehr bitter und hoffe, dass sich jetzt mit dem Impfen die Lage schnell verbessert und wir bald wieder auf die Sportplätze können. Da fehlt einem doch etwas ganz entscheidendes im Leben."

Seine Erlebnisse

Boris Wolny blickt mit einer gewissen Vorfreude auf die Zukunft und weiß, dass er auf viele unvergessliche Erlebnisse im internationalen Fußball zurückschauen kann. Von denen hat er so viele erlebt, dass er vermutlich 24 Stunden am Stück Anekdoten und Emotionen in den Notizblock erzählen könnte. Es sprudelt geradezu die Freude und Begeisterung aus ihm heraus. "Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Früher war das Olympiastadion Klasse in München. 1995 war ich zum ersten Mal auf dem Bökelberg in Gladbach. In Deutschland finde ich die Stimmung in Frankfurt, Dortmund und Hamburg akustisch am besten."

Bei den internationalen Reisen stehen drei Champions-League-Endspiele im Fotoalbum: "1999 dass 1:2 in Barcelona gegen Manchester United war ein Tiefschlag. 2001 in Mailand gegen Valencia konnte ich nicht mit – ich machte gerade meine Ausbildung fertig und hatte kein Geld. 2010 in Madrid das 0:2 gegen Inter Mailand war ebenso schade und umso mehr erinnere ich mich an die Nacht von London zurück, als wir 2013 durch Arjen Robben in der 89. Minute gegen Dortmund 2:1 gewonnen haben. Unvergesslich der Jubel und die Feier danach. Umso trauriger, nicht dabei sein zu können, war es 2020 mit sechs Titeln für den FC Bayern, erneut der Champions-League und der Clubweltmeisterschaft."

Für die Zeit nach Corona, wenn Normalität in die Fan-Kultur zurückkehrt, möchte Wolny neben vielen Meisterschaften, Pokalsiegen und Finalspielen des FC Bayern auch noch etwas von der Welt sehen: "50 Länder sollen es schon noch werden. Vor allem Südamerika. Der Klassiker schlecht hin in Argentinien, den möchte ich einmal erleben: Bocca Juniors gegen River Plate in Buenos Aires. Ich bin aber erst einmal schon froh, wenn ich wieder in Herrenzimmern regelmäßig auf den Sportplatz gehen kann oder ein Bayern-Spiel miterlebe."

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