Der Keeper spricht über „geile Auswärtsspiele“, „extreme Körperlichkeit“ sowie die Unterschiede zu den vorherigen Spielzeiten – und sagt, warum seine jüngsten Paraden gegen Energie Cottbus nicht ganz einfach waren.
Der Matchwinner? Auf den ersten Blick ist die Antwort klar, wenn man auf das 2:0 der U 21 des VfB Stuttgart gegen Drittliga-Spitzenreiter Energie Cottbus blickt: An Doppeltorschütze Wahid Faghir führt kein Weg vorbei. Aber: Womöglich wäre die Partie ganz anders gelaufen, hätte nicht Torhüter Dennis Seimen sein Team im ersten Durchgang im Spiel gehalten. Mehrfach, mit starken Paraden und Aktionen jenseits des Pflichtprogramms. In der 31. Minute etwa, als er bei einem Abschluss von Tolcay Cigerci seinen Arm explosiv in die Höhe riss.
Entsprechend zufrieden war er nach Spielende – mit dem Ergebnis und der Mannschaftsleistung, aber auch mit seinem eigenen Auftritt. „Ich glaube, ich halte die Mannschaft da gut im Spiel“, sagte der 19-Jährige unserer Redaktion. Besagte Paraden seien auch deshalb eine Herausforderung gewesen, weil er zuvor wenig gefordert war. „Es ist nicht ganz so leicht, wenn man aus dem Nichts nach einer halben Stunde Großchancen vereiteln muss“, so Seimen, „aber es ist ja mein Job und das muss ich Woche für Woche leisten.“
Mittelfristig soll Seimen die Nummer eins in der Bundesliga werden
Das tut der gebürtige Heilbronner seit dieser Saison im Herrenbereich. In der dritten Liga soll sich der Torhüter den Feinschliff für höhere Aufgaben holen, die klar definiert sind. Die Verantwortlichen des VfB lassen seit Längerem keinen Zweifel daran, dass das hochveranlagte Eigengewächs mittelfristig die Nummer eins der Bundesliga-Mannschaft werden und in dieser Rolle dem derzeitigen Stammkeeper Alexander Nübel nachfolgen soll.
Einzig der Zeitpunkt ist noch offen, wobei inzwischen vieles darauf hindeutet, dass Seimen noch ein Jahr zum Reifen bekommt: Durch die Vertragsverlängerung von Manuel Neuer beim FC Bayern ist es deutlich unwahrscheinlicher geworden, dass die Münchner den bis 2026 laufenden Leihvertrag mit dem VfB vorzeitig auflösen und Nübel schon in diesem Sommer zurückholen.
Dass Seimen aber noch eine weitere Saison in der U 21 des VfB spielt, ist deshalb nicht ausgemacht. Sollte die Mannschaft von Markus Fiedler in die viertklassige Regionalliga absteigen, ist in der kommenden Spielzeit auch eine Leihe des jungen Torhüters denkbar, um Spielpraxis auf höchstmöglichem Niveau zu gewährleisten. Durch den Sieg gegen die Cottbusser ist der VfB um einen Platz geklettert, aber noch einen Punkt von den Nicht-Abstiegsrängen entfernt. Alles offen also.
Seimen hat seinen Anteil daran, dass der Aufsteiger bei der Musik im Kampf um den Klassenverbleib dabei ist. Der Youngster ist angekommen im Haifischbecken Profifußball, zeigt meist starke Spiele und parierte schon mehrfach Strafstöße. Alleine in diesem Jahr gegen den FC Ingolstadt und Hansa Rostock. Schwächere Auftritte wie im vergangenen Dezember gegen Borussia Dortmund II (0:3) sind zwar auch dabei – bilden aber die Ausnahme und gehören ohnehin zum Reifeprozess. „Er nimmt eine tolle Entwicklung“, hatte VfB-Cheftrainer Sebastian Hoeneß zu Beginn dieses Jahres betont.
Wie aber nimmt der 19-Jährige selbst seine ersten Monate im Herrenbereich wahr? Ohne Frage intensiv und mit großen Unterschieden zum Juniorenbereich. Etwa in puncto Zuschauerzahl. „Die Kulisse ist auf jeden Fall anders, das haben wir in der Hinrunde gemerkt, als wir direkt geile Auswärtsspiele hatten“, sagt Seimen. In der dritten Liga ballt sich viel Tradition und Fanwucht, mit der auch der VfB schon Bekanntschaft machte: Bislang ging es unter anderem vor 15 000 Fans im ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße gegen 1860 München, vor 21 000 Fans auf dem Tivoli gegen Alemannia Aachen oder vor 27 000 Fans im Rudolf-Harbig-Stadion gegen Dynamo Dresden. Fraglos ein Kontrast zum Jugendbereich und eine andere Drucksituation.
Auch das Niveau ist ein anderes. „Das Spieltempo ist viel schneller und die Körperlichkeit extrem“, sagt Seimen, „wenn ich zu einer Flanke gehe, merke ich: Es ist eine andere Körperlichkeit, die da gegen mich aufkommt.“ Insgesamt sieht er die höheren Anforderungen aber positiv: „Ich glaube, dass ich mehr Aktionen habe, in denen ich mich auszeichnen kann. Deshalb trainiere ich da weiter und versuche, den nächsten Schritt zu machen.“
Eine erneut anspruchsvolle Aufgabe wartet bereits am Sonntag (19.30 Uhr): Es geht auf die Alm zum Tabellenvierten und Aufstiegsaspiranten Arminia Bielefeld, wo die erste Mannschaft des VfB vor knapp drei Jahren in der Bundesliga noch 1:1 gespielt hatte. Aber: Dass Seimen und die Stuttgarter U 21 gegen die Topteams der Liga mithalten können, haben sie nicht zuletzt am vergangenen Sonntag gegen Cottbus bewiesen.