Jannik Hilbertz wird von seinem Trainer Franz Ratz für seine Spielfreude gelobt. Foto: Holger Rohde

Jannik Hilbertz ist mit zwölf Treffern der beste Torjäger der Kreisliga A1. Sein Team – der SV Obereschach – ist die Überraschung der Saison. Hilbertz wird aber auch außerhalb des Fußballs nicht langweilig.

Wenn Jannik Hilbertz zum Elfmeterpunkt schreitet, dann ist er in der Regel ganz ruhig. Etwa die Hälfte seiner zwölf Saisontore hat er vom Elfmeterpunkt erzielt, wie uns Hilbertz erzählt. „Ich bin mir da relativ sicher und übernehme das gerne“, sagt der 23-Jährige. Dabei ist Ruhe auf dem Fußballplatz nicht unbedingt sein Spezialgebiet.

 

„Man muss ihn immer ein bisschen bei Laune halten“, meint sein Trainer Franz Ratz. „Er resigniert schon mal, oder legt sich mit dem Schiedsrichter an.“ Dies sei von Anfang an etwas gewesen, dass er ihm gegenüber thematisiert habe.

Verteidigung und Angriff

Hilbertz verteidigt sich: „Ich bekomme schon sehr viele Gelbe Karten, aber ich habe in meiner Laufbahn erst eine Gelb-Rote Karte gekriegt. Aber es stimmt schon, dass ich immer an die Grenze gehe“, schmunzelt der Oberschacher.

Sportlich macht Hilbertz seinem Trainer weitaus weniger Sorgen: „Er hat eine unglaubliche Dynamik und Spielfreude für diese Spielklasse sowie auch ein sehr gutes Auge“, sagt Franz Ratz über seinen Rechtsverteidiger, der oftmals auch offensiv auf den Flügeln auftaucht.

Verletzungen und Arbeit

Diese Qualitäten überraschen vor dem Hintergrund, dass Hilbertz eher semi-oft im Training auftaucht, weil er sehr verletzungs- und krankheitsanfällig ist. Meniskusriss, angerissenes Kreuzband, anhaltende Rückenprobleme – da war schon einiges dabei.

Aber das Leben besteht ja nicht „nur“ aus Fußball. Hilbertz arbeitet für die Aubenmühle in Obereschach, ein Drei-Mann-Unternehmen, das Getreide, Dünger und Spritzmittel handelt, Landwirte berät und beliefert.

Außerdem ist er nebenbei als Barkeeper tätig, in der Bar „Down Under“ in der Villinger Innenstadt. Seine Verletzungshistorie habe aber nichts mit Alkoholkonsum zu tun, beteuert er. Seine Knieverletzungen seien durch „zwei Zweikämpfe, die blöd gelaufen sind“ entstanden.

Ist es das Team?

Das Gute aus SVO-Sicht: Die beste Offensive der Liga (49 Tore) ist nicht auf einen Spieler fixiert. Noah Nocht (neun Treffer), Dennis Böger (acht), Niklas Schütz (vier) und Co. hätten Ratz zufolge sogar noch öfters treffen können, wenn sie im Abschluss eigennütziger gewesen wären.

Hinzu kommt, dass Marvin Zimmermann (vom FC Brigachtal), Tobias Gleiche (SG Marbach/Rietheim) und Jan Sakschweski (SG Dauchingen/Weilersbach) in der Winterpause zum SVO zurückgekehrt sind.

Oder der Trainer?

Trotzdem ist es schwer zu erklären, warum der Neunte der Vorsaison plötzlich so stark ist. An wem liegt´s? „An mir natürlich“, sagt und lacht Ratz. In Wahrheit wisse keiner, woran es liegt, beteuert er. Jannik Hilbertz hat da eine Idee: „Ein großer Grund ist der Trainer. Er erreicht uns einfach. Es lief dann irgendwann von alleine. Es waren aber oftmals nicht deutliche Ergebnisse, da waren auch glückliche Siege dabei.“

Wer macht das Rennen?

Kein Sieg dieser Sorte war der 5:0-Erfolg der Obereschacher am vergangenen Wochenende gegen NK Hajduk VS. Hilbertz traf per Strafstoß zum zwischenzeitlich 3:0. „Wir haben nicht schlecht gespielt, hätten manche Situationen sogar noch zwingender ausspielen können“, verweist Hilbertz aber auch auf die Personalsituation beim Gegner. So oder so scheint die Form zu stimmen.

Sechs Punkte aus den ersten beiden Rückrundenspielen gegen Hajduk und Bad Dürrheim sind fünf Zähler mehr als in der Hinrunde gegen diese Gegner.

Elf „Endspiele“ sieht Franz Ratz nun noch vor seinem Team. Die Obereschacher sind aktuell Zweiter, was die Relegation bedeuten würde. Das große Ziel des SVO ist es, vor den vier Topspielen in Richtung Saisonende immer noch im Aufstiegsrennen dabei zu sein.

Während Hilbertz beim Rennen um die vorderen Tabellenplätze von einem Dreikampf mit der SG Eintracht Gütenbach-Neukirch und der SG Schwarzwald-Union Schönwald-Schonach ausgeht, rechnet Ratz auch der SG Fischbach/Weiler noch Chancen aus. Fest steht eins: Wenn Hilbertz im entscheidenden Moment zum Elfmeterpunkt schreitet, dann wird er die Ruhe bewahren. Oder etwa nicht?