Der Donaueschinger Top-Läufer denkt noch nicht ans Aufhören. Allerdings werden für ihn der Beruf und der Leistungssport immer schwerer vereinbar.
Weltklasse-Mittelstreckler Christoph Kessler hat zwar seine Saison bereits als beendet erklärt – aber nicht seine Karriere. Der 28-Jährige sagt klar: „Ein abruptes Ende meiner Laufbahn wird es nicht geben. Dazu hänge ich zu sehr an meinem Sport. Es wird sicherlich eher ein fließender Übergang.“ Wir sprachen mit dem Donaueschinger über das Jetzt und auch über das Morgen.
Herr Kessler, wir haben erst Anfang August, aber Sie befinden sich bereits in der Pause. Warum?
Mein letztes großes Ziel wäre in diesem Jahr noch die Weltmeisterschaft in Budapest in zwei Wochen gewesen. Aber ich konnte mich nicht qualifizieren. Nach meinem fünften Platz über die 1500 Meter bei der DM haben mein Trainer und ich entschieden, dass wir aus dieser Saison aussteigen, eine Pause einlegen und uns dann ab Ende August auf die neue Saison 2024 vorbereiten.
Etwas haben Sie aber dennoch im September noch auf dem Plan?
(lacht). Ja, dies könnten die deutschen Meisterschaften über zehn Kilometer auf der Straße sein. Ein Start wäre dort reizvoll.. Ich laufe sie aber nur, wenn sie gut in meine Trainingsplanung hineinpassen.
Sein neuer Alltag
Ihr Alltag hat sich verändert. Sie arbeiten nach Ihrem Studium und zunächst einer Teilzeitbeschäftigung nun in Vollzeit als Ingenieur bei einer Zulieferfirma für BMW in München. War dies der Hauptgrund dafür, dass es für Sie in dieser Saison nicht ganz rundlief.
Natürlich gibt es einen großen Unterschied zu der Zeit, als ich während meines Studiums Leistungssport betrieb und heute in einer Vollbeschäftigung. Das Thema ist nicht so sehr der Trainingsumfang. Diesen kann ich weiterhin bei einem guten Zeitmanagement täglich erfüllen. Aber wenn man arbeitet, dann fehlt einem im Leistungssport natürlich die wichtige Zeit für die Regeneration, die der Körper einfach nach Wettkämpfen braucht.
Hätten Sie nicht einfach für sich sagen können, ich konzentriere mich noch zwei, drei Jahre nach dem Studium auf meinen Sport, versuche alles und steige erst dann in den Beruf ein?
Nein, so war nie mein Plan. Erstens war mir mein berufliches Fortkommen immer wichtig – zweitens brauche ich einen Ausgleich zum Sport. Deshalb ist diese Konstellation eigentlich schon für mich optimal. Als ich damals mit dem Leistungssport begann, habe ich mir nie gesagt, ich muss zu den Olympischen Spielen oder zu einer Weltmeisterschaft. Ich habe es Schritt für Schritt so angenommen, wie es kam und bin heute über den Verlauf meiner Karriere sehr zufrieden.
Ein Blick auf 2024
Im nächsten Jahr gibt es Olympische Spiele in Paris und es läuft eine Europameisterschaft in Rom. Nehmen wir an, Sie kommen im nächsten Frühjahr wieder in Topform, haben Startchancen bei diesen großen Events. Würden Sie dann vorübergehend noch einmal aus dem Beruf aussteigen?
Das ist jetzt sehr hypothetisch. Ich lasse es auf mich zukommen, freue mich jetzt schon wieder auf die nächste Vorbereitungsphase.
Noch haben Sie aber Pause. Was macht ein Vollblut-Läufer wie Sie in so einer Zeit?
(lacht). Auf jeden Fall weniger laufen, sondern lieber in diesen Wochen Fußball oder Beachvolleyball mit meinen Freunden in München spielen. Bei der Weltmeisterschaft in Budapest werde ich vor Ort sein – meine Lebensgefährtin geht ja dort an den Start.