Torsten Wurth und sein Hofladen in der Altenheimer Kirchstraße sind ein Beispiel für die vielfältigen Angebote an Einzelhandelsgeschäften in Neuried. Foto: Köhler

Den Einzelhandel in ihrer Gemeinde haben die Neurieder im Orts-Check besonders gut bewertet. Das liegt wohl vor allen an den Hofläden, vermutet Bürgermeister Tobias Uhrich. Neben den Supermärkten gebe es in Neuried „viele kleine süße Geschäfte“.

Eine ältere Dame stellt ihr Fahrrad vor dem kleinen Laden von Torsten Wurth in Altenheim ab. Sie zückt ihre Tasche, betritt das Geschäft und schaut sich gemütlich um. Dabei bleibt auch Zeit für ein Schwätzchen mit anderen Kunden oder den Betreibern. Was sich für manche nach einer Geschichte aus dem vergangenen Jahrhundert anhört, erleben viele Neurieder regelmäßig – dank der Hofläden.

 

„Einen Hofladen zu führen macht Spaß, weil man sieht, dass er angenommen wird“, sagt der Altenheimer Obst- und Gemüsebauer Torsten Wurth im Gespräch mit unserer Redaktion. Läden wie seinen gibt es in Altenheim, Dundenheim und Ichenheim einige. Bei der beliebten Hofladentour stellen sie sich einmal im Jahr vor. Die Betriebe, erläutert Wurth, helfen sich gegenseitig und erhalten auch Unterstützung von Seiten der Gemeinde.

25 verschiedene Produkte werden frisch geerntet

So sehr sich Wurth darüber freut, einen Hofladen zu führen, weiß er auch dass „viel Arbeit“ dahinter steckt. So gehe es darum, bis zu 25 verschiedene Produkte stets frisch zu ernten. Darunter sind Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Paprika, Salate, Erdbeeren, Äpfel, Wirsing und noch mehr. „Maximale Frische“ sei das Credo des Gemüsebauers – egal ob die Produkte in seinem Laden landen, auf Märkten wie in Müllen oder Hofweier, oder in den Regalen von Supermärkten, die er beliefert. Darüber hinaus soll das Gemüse „von der Optik her so gut wie möglich produziert sein“, schildert Wurth seine Ansprüche an sich selbst. Sein Laden, der dreimal wöchentlich geöffnet ist, sei „regional, saisonal und kundennah“.

Das Sortiment beschränkt sich allerdings nicht nur auf das selbst angebaute Gemüse. So gibt es auch Weine, Milchprodukte, Eier oder Mehl. „Das kaufen wir zu vom Großhändler“, erläutert der Gemüsebauer. Alle 14 Tage komme zudem ein Wagen mit Biokäse. „Alles ist regional“, sagt der Landwirt. Er sei stolz darauf, Produkte „mit gutem Gewissen“ an die Kunden verkaufen zu können. Durch das zusätzliche Angebot wird der Hofladen zum „Vollsortimenter“. Nur Drogerieprodukte habe man nicht, wenngleich andere Hofläden auch diese anbieten würden, schildert der Gemüsebauer.

Seine Kunden stammen nicht nur aus den Neurieder Ortsteilen, berichtet Wurth weiter. Auch aus Schwanau, Schutterwald oder Goldscheuer kommen sie in die Altenheimer Kirchstraße, um Bio-Produkte zu erwerben. Der Landwirt freut sich, dass Bio bei den Kunden so gut ankommt und sie auch bereit sind, mehr Geld auszugeben. Dabei betont Wurth jedoch: „So viel teurer als im Edeka-Markt ist es hier auch nicht“. Während der Pandemie seien die Hofläden sehr beliebt gewesen. Nun sei dieser Trend wieder rückläufig. Wurth vermutet, dass die Inflation eine Rolle spielt und doch eher wieder auf günstige Produkte setzen. Nichtsdestotrotz laufe der Hofladen weiterhin gut.

Die „Augenweide“ in Altenheim bietet unter anderem Mode, Accessoires und Dekorationen an. Foto: Köhler

Neben Geschäften wie denen von Torsten Wurth, sieht Bürgermeister Tobias Uhrich noch weitere Gründe dafür, dass seine Gemeinde beim Thema Einzelhandel im Vergleich mit den anderen Kommunen den zweiten Platz belegt. „Man bekommt hier alles“, sagt der Rathauschef. „Fleisch, Forellen, Spargel oder Eier an jeder Ecke“. Dazu gibt es zusätzlich zu den Supermärkten noch mehrere Metzgereien und Bäckereien. Warum der Einzelhandel auch in den kleineren Geschäften so gut läuft? Uhrich denkt, dass das auch an der Einstellung der Neurieder liegt. „Sie wissen, dass das Brot vom Landwirt aus dem Ort anders schmeckt“, sagt der Bürgermeister.

In der Gemeinde gibt es viele kleinere Geschäfte

Uhrich schätzt sich zudem glücklich, dass es in der Gemeinde noch „viele kleine süße Geschäfte“ gibt. Eins davon sei die „Augenweide“, ebenfalls in Altenheim. Dort gibt es Mode, Accessoires, Dekoration, Haushaltsartikel und mehr. „Da ist immer viel los. Die Leute kommen auch von weiter her“, sagt der Bürgermeister. „Der Laden wird mit Liebe und Herzblut geführt“, lobt er Inhaberin Petra Wochnig.

Die Palette an Einzelhändlern soll sich erweitern. Bislang gibt es an großen Märkten einen Penny in Ichenheim einen Edeka in Altenheim und daneben das Bekleidungsgeschäft Kik. Dort soll noch ein DM-Drogeriemarkt hinzukommen. Eine entsprechende Änderung des Bebauungsplans, um den Markt zu ermöglichen, wurde bereits vom Altenheimer Rat abgesegnet.

„Mir fällt nichts ein, was uns fehlt“, fasst Uhrich die Situation des Einzelhandels in seiner Gemeinde zusammen. Und wenn es doch einmal besondere Wünsche gibt: Kehl und Offenburg sind nicht weit entfernt. Das wissen die Umfrage-Teilnehmer zu schätzen.