Ein starkes Team: Tom Bierer und sein türkischer Hirtenhund (Kangal) namens „Baby“ Foto: Stefanie Salzer-Deckert

Tom Bierer betreibt in Riegel eine Hundeschule und ein -hotel. Er ist zudem Vorsitzender des Freiburger Tierschutzvereins.

Tom Bierer betreibt in Riegel „Toms’ Hundewelt“, eine Kombination aus Hundehotel, Hundeschule und Auffangstation. Er ist zudem Vorsitzender des Tierschutzvereins in Freiburg. Und einer von sechs Preisträgern des baden-württembergischen Landestierschutzpreises 2025. Im Gespräch mit unserer Redaktion gibt er Einblicke in die Sanierung des Freiburger Tierheims nach dem Silvesterbrand vor einem Jahr sowie seine Arbeit mit Problemhunden.

 

Herr Bierer, vor knapp einem Jahr hat es im Tierheim Freiburg einen schweren Brand gegeben. Wie ist der Stand bei der Sanierung?

Aktuell müssen noch Teile des Dachs entfernt und entsorgt werden. Wir haben zur Zeit ein Notdach. Insgesamt liegt der Schaden bei über einer Million Euro. Es war utopisch, dass wir anfangs dachten, bis zum Winter alles saniert zu bekommen. Wir hoffen nun, dass die Arbeiten bis zum Frühsommer abgeschlossen sind. Das derzeitige Provisorium funktioniert allerdings erstaunlich gut. Wir haben sehr viel Unterstützung bekommen. Vor allem in der Anfangszeit nach dem Feuer war die Spendenbereitschaft hoch. Und auch die Solidarität von anderen Tierschutzvereinen und der Stadt Freiburg. Aber klar ist auch, das Tierheim muss wachsen. Die Stadt wächst, und somit steigt auch die Zahl der Tiere. Das ist nicht nur in Freiburg so. Hunde, Katzen, aber auch Kleintiere müssen versorgt werden.

Demnächst kommt Dieter Bohlen für ein Konzert nach Freiburg. Da werden auch Spenden aus dem Kartenverkauf ans Tierheim fließen. Wie kam es dazu?

Das hat der Veranstalter so eingerichtet. Bohlen unterstützt bei jedem Konzert eine Charity. Wir freuen uns natürlich, dass in Freiburg das Tierheim davon profitieren wird.

Bierer hat den Tierschutzpreis des Landes erhalten

Sie haben im September für ihr Engagement den baden-württembergischen Tierschutzpreis erhalten. Wofür wurden Sie ausgezeichnet?

Für so einen Tierschutzpreis wird man nominiert. Und meine Nominierung haben der Kreis Emmendingen als Aufsichtsbehörde und der Landestierschutzverband zeitgleich eingereicht. Einmal für mein aktuelles Projekt „Toms’ & Kids“, bei dem wir Begegnungen zwischen Hunden und Kindern aus einer Wohngruppe ermöglichen. Ein anderes Projekt, das derzeit leider pausiert, ist meine Arbeit mit Sicherungsverwahrten in der JVA Freiburg. Da waren wir mit acht Hunden einmal in der Woche aktiv. Derzeit fehlt es in der JVA aber an Personal, daher die Zwangspause. Diese Begegnungen haben den Männern in der Sicherungsverwahrung viel bedeutet. Das war immer einer der wenigen Termine, den keiner dort verpassen wollte.

Wie hat die Leidenschaft für Hunde eigentlich bei Ihnen angefangen?

Mit einem Rauhaardackel in der Nachbarschaft, als ich fünf Jahre alt war. Der lebte eigentlich in einem Restaurant, kam mit der Zeit aber immer mehr zu mir, bis er ganz bei uns einzog. Als wir wegziehen mussten, wollte mein Vater den Hund seinem Besitzer abkaufen. Das hat der aber nicht zugelassen. Ich war vollkommen traumatisiert, obwohl ich zum Trost einen Hund aus dem Tierheim bekommen habe. Ab meinem zwölften Lebensjahr habe ich dann in der ersten Hundeschule in Freiburg mitgeholfen. Das war dann auch ein Trauma: Es wurde viel mit Strafe gearbeitet, mit Strom und Stachelhalsbändern. Das wurde damals nicht groß hinterfragt.

Sie sind in der Hundeszene bekannt, weil sie mit sogenannten „Problemhunden“ arbeiten. Wie arbeiten sie mit diesen Tieren?

Wir arbeiten hier viel mit positiver Verstärkung. Zunächst habe ich das mit einer Art selbstgebastelter Philosophie gemacht. Dann bin ich auf Clarissa von Reinhardt und ihre „Animal-Learn-Methode“ und ihre Hundeschule gestoßen und habe mich für meine Ausbildung zum Hundetrainer an sie gewandt.

Kann man jeden Hund mit Verhaltensproblemen verändern?

Man kann viel verändern, aber man weiß nie, wie weit man kommen wird. Man weiß anfangs nicht: Wie stark sind die Traumata? Was bringt ein Hund genetisch mit? Was man nicht verändern kann, muss man lernen zu managen. Man muss die Körpersprache lesen können. Das kann man lernen und üben. Auch mit Hunden, die ein Defizit haben, kann man prima zusammenleben, wenn man weiß, wie man es managt. Hinter jeder Emotion steckt ein Bedürfnis. Das ist ja beim Menschen kaum anders. Wir haben zu 95 Prozent die gleichen Strukturen im Gehirn.

Zur Person

Tom Bierer
 wurde in Freiburg geboren. Ab 2006 wurde er zum Hundetrainer ausgebildet. Seine Hundeschule in Riegel betreibt er zusammen mit seiner Frau Petra seit 2008. 2018 kam ein Hundehotel dazu. Er ist Vorsitzender des Tierschutzvereins in Freiburg. Mit dem Verein „Toms Hundehilfe“ kümmert er sich um Hunde, die schwer vermittelbar und verhaltensauffällig sind.