Biber können nun einfacher abgeschossen werden – im Land drehe sich deshalb die Stimmung gegen die geschützte Tierart, monieren Nabu und BUND.
Es sind harte Worte, die BUND-Landesgeschäftsführer Martin Bachofer in Richtung Landesregierung formuliert: „Das ist Symbolpolitik von der schädlichsten Sorte: unnötig, unkonkret und sowohl naturschutzfachlich als auch rechtlich unhaltbar.“ Gemeint ist die neue Biberverordnung, die seit Jahresbeginn in Kraft ist. Die Hauptkritik lautet: Es werde nun allen Beteiligten zu leicht gemacht, Biber schnell abzuschießen.
Tatsächlich ermöglicht es die Verordnung, dass bei Eingriffen nicht mehr für jeden Einzelfall eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde eingeholt werden muss. In acht definierten Fällen, etwa wenn durch Biberbauten Hochwasserdämme oder Wasserkraftwerke bedroht sind, dürfen jetzt sofort „zur Abwendung ernster wirtschaftlicher Schäden“ Biberdämme und -baue zerstört oder die Tiere vergrämt werden.
Erst ein Landkreis hat eine Allgemeinverfügung erlassen
Die „letale Vergrämung“, wie es im Behördendeutsch heißt, also der Abschuss von Bibern, darf nur erfolgen, wenn die „nicht-letale Vergrämung“ innerhalb von vier Wochen erfolglos geblieben ist. Es sei denn, die Verscheuchung sei nicht geeignet oder zumutbar, dann könnte gleich abgeschossen werden. Alle Maßnahmen dürfen aber nur von Personen ergriffen werden, die von der Unteren Naturschutzbehörde – in der Regel also dem Landratsamt – bestellt worden sind.
Daneben können die Landratsämter nun auch Allgemeinverfügungen erlassen; dann sind diese Maßnahmen etwa auch „im Bereich von land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen“ möglich. Sprich, fast überall, wo sich Biber niederlassen. Der Neckar-Odenwald-Kreis hat bisher als einziger Landkreis bereits eine solche Allgemeinverfügung ausgestellt.
Die neue Verordnung sei deshalb fast ein Freifahrtschein, kritisieren die entsetzten Naturschützer. Die ehrenamtlich tätigen Biberberater, die eigentlich einen Ausgleich zwischen dem Biber und den betroffenen Landbesitzenden suchen sollen, würden dies nun vehement zu spüren bekommen, betont die Artenschutzreferentin des Nabu, Alexandra Ickes: „Die Beratung von einigen Landwirten wurde schwieriger, da diese nun den Abschuss der Tiere fordern, anstatt auf präventive Maßnahmen setzen zu wollen.“
Auch meldeten die Berater zurück, dass illegale Maßnahmen gegen Biberdämme und -burgen durchgeführt worden seien und dass Reviere unerwartet verwaist seien. Die Stimmung im Land habe sich gedreht, und viele Biberberater würden sich überlegen, aufzugeben, so Alexandra Ickes.
Bisher wurden im Südwesten erst vier Biber erschossen
Das Umweltministerium räumt ein, dass es auch allein durch das Ausstellen einer Allgemeinverfügung zur Tötung von Bibern kommen könne: „Eine vorgeschaltete behördliche Überprüfung einer beabsichtigten Entnahme ist nicht vorgesehen“, so Claudia Hailfinger, die Sprecherin des Umweltministeriums in Stuttgart. Die Maßnahmen müssten lediglich später gemeldet werden.
Pläne, die Biberverordnung aufzuheben oder nochmals zu ändern, gebe es aber nicht, teilt Claudia Hailfinger weiter mit. Seit Inkrafttreten der neuen Regeln seien keinerlei Tötungen gemeldet worden. Sie betont auch, dass es bisher nur in sehr wenigen Fällen notwendig geworden sei, Biber zu vergrämen: „Meist können Probleme mit präventiven oder konfliktlösenden Maßnahmen befriedet werden.“
Überhaupt, so das Umweltministerium weiter, seien in ganz Baden-Württemberg bisher erst vier Biber abgeschossen worden. Anfang 2024 hatte das Regierungspräsidium Tübingen dafür noch eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erlassen müssen. In Bayern werden jährlich mehr als 2000 Biber getötet, oft im Zuge von Allgemeinverfügungen.
Der Nabu dagegen hat mittlerweile den Biber zum „Mitarbeiter des Jahrhunderts“ gekürt, weil er als Landschaftsgestalter viel Zeit und Geld spare. Anhand eines Beispiels am Bach Bampfen im Landkreis Ravensburg zeigte der Nabu auf, dass der Biber dort ein Biotop geschaffen hat, das mehr als 100.000 Euro gekostet hätte, wenn Menschen es geplant und gebaut hätten.