Auf Anhieb ein Hit ist der Töpfermarkt in Weil am Rhein. Flammkuchen und Bratwürste schmecken schon vor dem Mittagsläuten. Bis Sonntag öffnen die Aussteller ihre Stände.
Es ist wie eine Art Familientreffen: Die Schweizer, die sich schon eine halbe Stunde vor der Eröffnung bei strahlendem Sonnenschein am Dreiländergarten eingefunden haben, haben ganz bestimmte Aussteller im Blick, die sie seit Jahren kennen und denen sie die Treue halten. Zwei Schwestern, die eine aus Lenzburg im Aargau, die andere vom Genfer See, haben sich hier verabredet. Ehemann und Freundinnen sind mit dabei.
Schon jetzt vermissen sie das „besondere“ Ambiente auf Schloss Beuggen, wo der Töpfer- und Handwerkermarkt bisher immer stattgefunden hat. Das historische Gebäude fehlt. Ob der Weiler Dreiländergarten als neues Gelände da mithalten kann, steht bei ihnen am Freitagmorgen noch nicht fest.
Großes Lob für den neuen Ort und die gute Infrastruktur, die sie hier vorgefunden haben, gibt es unterdessen von den Standinhabern. Viele von ihnen übernachten während des Markts, der noch bis Sonntag geht, auf dem LGS-Parkplatz vor der Feuerwehr.
Schweren Herzens habe man den alten Standort aufgeben müssen, sagt Ines Segger, die mit ihrer Töpferwerkstatt „Tonhaus“ seit Jahren mit dabei ist.
Etwas Neues zu finden, sei immer ein „Vabanque-Spiel“. Mit dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände zeigt sie sich vollauf zufrieden.
Aussteller loben Organisation und Ambiente
Es sei alles da – Sanitärräume, Strom und Wasser – das Parken sei unkompliziert. Auf Beuggen sei das zuletzt immer mehr zum Problem geworden.
Das Festgelände gefalle ihr gut, sagt sie, und biete Potenzial zum Wachsen.
Hier packt jeder an. Jürgen Blank, der den Töpfermarkt zum dreißigsten Mal organisiert, sitzt selbst an der Kasse und verkauft Eintrittskarten – zu 7,50 Euro das Stück. Es sehe so aus, als ob viele langjährige Kunden von Schloss Beuggen den Weg zum neuen Standort gefunden haben, sagt er und lässt zufrieden seinen Blick über das weitläufige Festgelände streifen.
Crêpes-Bäcker aus Leidenschaft
Gaston Authier, seit 35 Jahren Crêpes-Bäcker aus Leidenschaft aus Baden-Baden, reicht eine Schinken-Käse-Crêpe nach dem anderen über die Theke, dazu gibts Cappuccino oder Filtercafé. Sein Verkaufswagen, ein original Nagetusch aus der DDR von 1971, den er in Eigenarbeit renoviert hat, ist ein Hingucker.
Für die Marktkollegen, die am Vormittag noch den Hauptanteil seiner Kunden ausmachen, gibt es bei ihm „Aussteller-Rabatt“. Eine von ihnen ist Nicole Simon, Goldschmiedin und Markthändlerin mit Leib und Seele. 23 Märkte machte sie früher im Jahr, heute seien es noch neun, sagt sie. Neben ihrem Beruf kümmert sie sich um ihre pflegebedürftige Mutter.
Mobiler Barista aus Weil erhält Zuspruch
Nicht weiter steht der Weiler Barista Basti Feifel mit seiner „Centrale del Café“. Es ist seine Premiere beim Töpfermarkt. Mit seinen Kaffeekreationen und frischen Croissants erfährt er regen Zuspruch.
Ein Gang durch die Marktstände auf einem Rundweg, der nur teilweise befestigt ist und zum größten Teil über eine sattgrüne Wiese führt, zeigt, wie groß die Bandbreite der Handwerker und Schausteller ist, die Organisator Jürgen Blank für seinen Markt hat gewinnen können.
Es gibt Korbwaren, Goldschmiedearbeiten, Lederwaren, Deko-Gegenstände für drinnen und draußen, aber auch Gebrauchskeramik in großer Menge und in vielen Farben. Die Preisspanne reicht von vier Euro für einen Eierbecher bis zu 60 Euro und mehr für wunderschöne, große Schalen für Gemüse, Obst oder Salat.
Kunden stocken ihr Geschirr immer wieder auf
Ines Verschl, Keramikerin aus Emmendingen, ist mit ihrem Geschirr aus hochgebranntem Steinzeug einer der „Geheimtipps“ der Schweizerinnen am Eingang. Gebrannt bei 1280 Grad, zeichnen sich ihre Waren durch besondere Dichte und Stoßfestigkeit aus und sind spülmaschinenfest.
Selbst auf unwegsamen Straßen in Norwegen im Wohnmobil stehe das Geschirr hinten auf dem Tisch und erleide keinerlei Schaden, versichert die Schweizer Kundin, die seit vielen Jahren Geschirr bei ihr kauft und ihren Bestand immer wieder aufstockt.
Töpfertradition geht in die nächste Generation
Verschl ist froh, dass sie mit ihrem Schwiegersohn Peter Wollmann einen engagierten Töpfer gewonnen hat, der ihren Betrieb weiterführen will. So könnten sich die Kunden sicher sein, auch künftig Geschirr im typischen Dekor – Weiß oder dunkelblau mit einem schwarzen Strich darin – nachkaufen zu können, freut sie sich.
Nur sehr sparsam führe sie neue Farben ein, in den vergangenen Jahren Türkis, erläutert sie. Nicht jede Farbe vertrage den Brand mit so hohen Temperaturen.