Die Polizei hat zum tödlichen Unfall am 28. Februar auf der Strecke zwischen Schömberg und Igelsloch weitere Einzelheiten bekannt gegeben. Warum verlor der Fahrer die Kontrolle?
Der Unfall am frühen Morgen des 28. Februar auf der Landesstraße 346 zwischen Schömberg und Igelsloch mit zwei Toten bewegt noch immer die Menschen.
Bei dem Unglück kamen nach Angaben der Polizei der 38-jährige Fahrer und die 18-jährige Beifahrerin ums Leben. Die beiden 19 und 24 Jahre alten Mitfahrer auf der Rückbank wurden schwer verletzt. Der Fahrer hatte in einer langgezogenen Linkskurve die Kontrolle über den Wagen verloren. Das Auto schleuderte gegen eine Straßenlaterne, einen kleineren Baum und schließlich seitlich gegen einen größeren Baum. Wenigstens die beiden Mitfahrer auf der Rückbank des Autos sind nach Angaben der Polizei wieder wohlauf. Vor rund einem Monat teilte Christian Schulze von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Pforzheim auf Nachfrage unserer Redaktion mit, dass im Blut des Fahrers knapp über 1,4 Promille Alkohol nachgewiesen worden seien. Ob der Unglücksfahrer mit dem Auto gedriftet und das Antiblockiersystem des Fahrzeugs ausgeschaltet gewesen sei, konnte Schulze seinerzeit nicht sagen.
Blockierspuren auf Straße
Von Alexander Uhr, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim, gab es dazu am Mittwoch nun zusätzliche Details: „Bei den langgezogenen Spuren handelt es sich nicht um Bremsspuren, sondern um Blockierspuren.“
An einem Reifen des Unfallfahrzeugs sei eine korrespondierende Flachstelle, umgangssprachlich auch „Bremsplatte“ genannt, festgestellt worden, so Uhr. Korrespondierend heiße, dass diese „Bremsplatte“ zu dem Unfallgeschehen passen würde, sagte Uhr im Gespräch mit unserer Redaktion. „Durch das ABS kann ohne Defekt oder Manipulation eigentlich keine Bremsplatte mehr entstehen“, macht Uhr deutlich.
„Diese Spuren legen den Verdacht nahe, dass das ABS des Pkw außer Funktion war. Die Ermittlungen hierzu dauern an“, so der Pressesprecher der Polizei.
Das ABS (Antiblockiersystem) verhindere laut Techniklexikon des ADAC ein Blockieren der Räder beim starken Bremsen. Der Fahrer könne trotz voller Bremswirkung lenken und einem Hindernis ausweichen. Laut ADAC würden seit 2004 alle neuen Autos mit ABS ausgeliefert.
Keine Hinweise gebe es darauf, dass in der Nacht der Unglücksfahrt auf dem Beifahrersitz abwechselnd jemand anders gesessen sei. „Der Fahrer war auch der Besitzer/Halter des Fahrzeugs“, so Uhr auf eine entsprechende Nachfrage vonseiten unserer Redaktion.
Der Fahrer hatte „eine in Deutschland nicht anerkannte polnische Fahrerlaubnis“, teilte Uhr auf Nachfrage mit.
Die Schömberger Physiotherapeutin Juliane Heinecke startete kurz nach dem Unfall eine Petition, um auf die Gefahren bei der Strecke zwischen Schömberg und Igelsloch aufmerksam zu machen. Die Strecke wirke ungefährlicher als sie sei, sagte Heinecke gegenüber unserer Redaktion. Daher würden viele Autofahrer rasen.
Petition für einen Blitzer
In ihrer Petition setzt sich Heinecke dafür ein, dass auf der Strecke ein Blitzer aufgestellt wird. Zudem macht sie sich dafür stark, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 Kilometer pro Stunde auf der Strecke verlängert wird - mindestens bis über die erste Einfahrt nach Oberlengenhardt.
Am 27. April leitete Heinecke die Petition an das Landratsamt weiter. Bis dahin kamen 327 Unterschriften zusammen. Das Landratsamt zeigte sich im März gegenüber den Forderungen von Heinecke zurückhaltend. Immerhin: Mara Müssle, Pressesprecherin des Landratsamtes, teilte Ende April auf Nachfrage mit, dass es in gewissen Abständen mobile Messungen auf der Strecke geben wird.
Am Mittwoch sagte Heinecke gegenüber unserer Redaktion, dass inzwischen 407 Unterschriften für die Petition zusammenkamen.