An der Universität Mannheim ist am Dienstag ein Mann mit einer Machete von der Polizei angeschossen worden und in der Klinik verstorben. Der Rektor der Uni berichtet von einer Strafanzeige im Vorfeld – als Reaktion auf eine Ohrfeige.
An der Universität Mannheim ist am Mittwoch kaum mehr etwas von dem tödlichen Polizeieinsatz am Tag zuvor zu spüren: Lediglich das Absperrband der Polizei vor einem Hörsaal im ersten Obergeschoss sowie vereinzelte Security-Mitarbeiter lassen darauf schließen, dass an diesem Mittwoch kein normaler Uni-Alltag herrscht.
Für den Uni-Rektor ist der Mann mit der Machete kein Unbekannter
Ansonsten läuft der Betrieb scheinbar wie gewohnt: Studierende gehen ein und aus, der Hörsaal direkt gegenüber des Tatorts ist bei einer Vorlesung gut gefüllt. Kaum jemand kann oder will etwas sagen zu dem Vorfall, infolgedessen ein 31-Jähriger in der Klinik verstarb. Der Rektor der Uni, Thomas Puhl, aber berichtet dafür umso ausführlicher.
Für ihn ist der Mann mit der Machete, der am Dienstag den Polizeieinsatz im Uni-Gebäude ausgelöst hat, kein Unbekannter. Puhl hat ihn einmal sogar höchstpersönlich vom Gelände verwiesen, weil der 31-Jährige eine öffentliche Diskussionsrunde mit Zwischenrufen störte, indem er der Uni vorwarf, sich politisch einseitig zu verhalten. „Ich habe ihn da nicht als gefährlich empfunden, er ist friedlich gegangen“, sagt Puhl. Dennoch sei daraufhin als Maßnahme die Aufstockung der Securitys bei größeren, öffentlichen Veranstaltungen beschlossen worden.
Bibliotheksmitarbeiterin von Ohrfeige traumatisiert
Es war nicht das einzige Mal, dass der Mann, der laut Puhl kein Student der Uni Mannheim ist, auffällig geworden sei. Immer wieder habe er Sticker im Uni-Gebäude mit seinem Namen, seiner Adresse und dem Appell, ihm im Netz zu folgen, angebracht – immer wieder hätten ihn Uni-Mitarbeiter aufgefordert, dies zu unterlassen. „Er war der Auffassung, dass wir Verfassungsfeinde seien“, berichtet der Rektor. Vor zwei Wochen dann die erste Eskalation: Der 31-Jährige ohrfeigte eine Mitarbeiterin der Unibibliothek.
Darauf reagierte die Uni Mannheim mit einem Hausverbot für den Unruhestifter – sowie einer Strafanzeige bei der Polizei, wie Puhl berichtet. Die Mitarbeiterin sei heute noch traumatisiert von dem körperlichen Angriff. Wie konnte der Mann trotz Hausverbot am Dienstag mit einer Machete erneut in die Uni gelangen? „Das Hausverbot ist kaum zu kontrollieren. Wir haben hier keine amerikanischen Verhältnisse mit einem abgesperrten Campus“, sagt Puhl. Man könne nicht jeden Eingang überwachen.
„Niemand konnte vorhersehen, dass so eine Eskalation eintritt“
Doch der 31-Jährige sei den Securitys bereits bekannt gewesen, immer wieder hätten sie ihn des Geländes verwiesen, wenn er gegen das Hausverbot verstieß. „Das hat auch immer geklappt, aber mit der Machete war das eine neue Dimension“, sagt Puhl. So sei der 31-Jährige dieses Mal nach Aufforderung nicht einfach davon gezogen, sondern habe sich in einen der Hörsäle begeben.
Dort hätten erst die Securitys versucht, den Mann zu überwinden – erfolglos. Die inzwischen eingetroffenen Polizisten hätten den mit der Machete Bewaffneten aufgefordert, die Hände auf den Tisch zu legen. Darauf habe der 31-Jährige aggressiv reagiert, dann sei der Schuss gefallen, berichtet Puhl. „Niemand konnte vorhersehen, dass so eine Eskalation eintritt“, sagt Puhl. „Ein tragisches Geschehen.“