Das Unternehmen Porr ist der Hochbrücken-Bauer in Horb. Der tödliche Arbeitsunfall ist ein schmerzlicher Tiefpunkt in der Firmengeschichte. Foto: Jürgen Lück

Porr hat sich in der Bauindustrie mit großen Projekten etabliert. Aber das Unternehmen geriet auch schon in die Kritik. Der Tod von drei Arbeitern in Horb ist der größte Tiefpunkt.

Nach dem tragischen Unfall an der Hochbrücke Horb, bei dem drei Bauarbeiter ihr Leben verloren, zeigte sich das Bauunternehmen Porr Deutschland zutiefst bestürzt. In einer ersten Stellungnahme drückte das Unternehmen seine Anteilnahme aus und versicherte, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Ursachen des Unglücks aufzuklären.

 

Doch wer ist Porr eigentlich? Welche großen Projekte hat Porr Deutschland bislang verantwortet und welche Kritik gab es schon.

Österreichischer Mutterkonzern

Porr Deutschland ist ein Tochterunternehmen der österreichischen Porr AG, einem traditionsreichen Bauunternehmen, das 1869 als „Allgemeine österreichische Baugesellschaft“ in Wien gegründet wurde. Seit den 1980er-Jahren ist Porr auch in Deutschland aktiv und hat sich hier durch zahlreiche Projekte und Beteiligungen etabliert.

1990 übernahm Porr die Radmer Bau AG in München, die später in „Porr Aktiengesellschaft, München“ umbenannt wurde. 2006 firmierte das Unternehmen schließlich als „Porr Deutschland GmbH“. Mit einer Reihe strategischer Übernahmen stärkte Porr Deutschland seine Marktposition weiter. Finanziell scheint das Unternehmen gut dazustehen, wie vermeldete Wirtschaftszahlen zeigen.

Besondere Projekte von Porr Deutschland

Porr Deutschland ist an vielen bedeutenden Infrastrukturprojekten in Deutschland beteiligt. Eines der größten und technologisch anspruchsvollsten Projekte ist der „Facility for Antiproton and Ion Research“ (FAIR) in Darmstadt.

Dort baut Porr einen 1100 Meter langen Ringtunnel für eines der weltweit größten Forschungszentren in der Teilchenphysik. In Frankfurt verantwortet das Unternehmen den Tunnelbau der Stadtbahnverlängerung U5 ins Europaviertel.

Zalando-Hauptquartier und S-Bahn München

Weitere bedeutende Projekte sind der Neubau der Salzbachtalbrücke A66 in Wiesbaden sowie die Filstalbrücke in Mühlhausen im Täle, eine der höchsten Eisenbahnbrücken Deutschlands. In Berlin hat Porr sowohl das Zalando-Headquarter als auch das Elisabeth-Selbert-Haus gebaut. Vor Kurzem erhielt Porr auch den Zuschlag für ein S-Bahn-Projekt in München.

Probleme bei der Leverkusener Rheinbrücke

Neben diesen Erfolgen geriet Porr jedoch auch in die Kritik. Probleme gab es beim Bau der Leverkusener Rheinbrücke, als mangelhafte Stahlbauteile aus China verwendet wurden. Infolgedessen kündigte Straßen.NRW im April 2020 den Vertrag mit Porr. Porr-Chef Karl-Heinz Strauss hatte dem Auftraggeber, der landeseigenen „Straßen.NRW“, die Schuld gegeben. Diese habe sich ganz bewusst für den China-Stahl entschieden.

Bolzen-Gefahr in Horb

In Horb kam es zum Bolzen-Problem. Während der Betonagearbeiten an einem der Brückenpfeiler lösten sich mehrere Bolzen, die die Schalung des Querriegels stützten. In der Folge senkte sich das Traggerüst um etwa zehn Zentimeter, was eine sofortige Evakuierung der Baustelle und die Sperrung der benachbarten Bahnlinie sowie des Neckartalradwegs erforderlich machte. Es kam heraus: Das verwendete Bolzenmaterial hatte nicht alle Güteanforderungen erfüllt.

Wie heikel es damals am Rosenmontag 2024 war, schildere RP-Bauleiter Jörg Pfeiffle: „Am Rosenmontag um 11 Uhr waren rund sieben Bauarbeiter gerade dabei, den Rest der 150 Tonnen Beton für den Querträger in die Schalung einzubringen. Plötzlich bemerkt einer, dass der Bolzen abkracht und runterfliegt. Sofort haben die Bauarbeiter die Baustelle und den Bereich verlassen. Dazu wurde sofort abgesperrt. Wir sind froh und dankbar, dass so schnell und professionell gehandelt wurde. Es hätte durchaus sein können, dass die Bauarbeiter runterfallen und ihnen 160 Tonnen Beton und Konstruktion auf den Kopf fällt.“