Foto: Antowiak

Wer ein verletztes Tier findet, sollte sich an Experten wenden. Die falsche Behandlung kann die Kreatur das Leben kosten – wie einen Storch, von dem der Tierschutzverein Lahr erzählt.

Es war eine schwer zu ertragende Szene, die Nadja Antkowiak, Pflegeleiterin des Tierheims Lahr, sehen musste. Radfahrer meldeten einen traurigen Fund am Zugang zum Anglersee an der B 3 nahe Friesenheim. Dort lag ein geschwächter Storch.

 

Das Grausame daran: Das Tier war augenscheinlich am Bein verletzt. Doch anstatt es angemessenen zu versorgen, wurde die Stelle am Gelenk des linken Beins mit einer Mullbinde umwickelt und mit Pflaster verklebt. Ein zurechtgebogenes Stück eines Plastikstocks sollte wohl als Schiene dienen und war im Verband befestigt.

Das Tierheim Lahr teilte die Geschichte auf ihrem Facebook-Kanal. „Das Bein war seltsam verdreht, der Fuß schon schwarz verfärbt und alles an dem Bein – wen wundert es, bei der Hitze – voll mit Fliegenmaden“, heißt es in dem Beitrag.

„Es war klar, dass nur eine Euthanasie dem Tier noch helfen kann“, berichtet eine Mitarbeiterin des Tierheims stellvertretend für die Kollegen, die zu dem Fund gerufen wurden, auf Anfrage unserer Redaktion. Der Storch wurde zu einer Tierärztin gebracht und dort von seinem Leid erlöst, wie auch dem Online-Betrag zu entnehmen ist. „Wir sind fassungslos und unglaublich traurig über das Leid, das dieses Tier ertragen musste“, schreiben die Mitarbeiter des Tierheims auf Facebook.

Immer wieder würden Tiere zu den Tierschützern gebracht, um die sich Menschen falsch gekümmert hatten. „Oft wissen sie nicht einmal, um was für ein Tier es sich genau handelt“, so die Mitarbeiterin im Gespräch mit unserer Redaktion. „Menschen finden ein junges oder krankes Tier und fangen einfach an, ihm alles zu füttern, was sie im Kühlschrank haben.“

Tierschutzvereine, Tierheime und Tierärzte sind Ansprechpartner

Sie berichtet beispielsweise von Amseln – bekanntlich Insektenfresser –, die mit Milch und Haferflocken gepäppelt werden. Die Vögel vertragen diese Ernährung nicht, es geht ihnen immer schlechter und schließlich werden sie zu den Experten gebracht – oft schon zu spät.

Dabei sei das richtige Verhalten in solch einem Fall gar nicht so schwierig, so die Tierheim-Mitarbeiterin. „Wenn ich nicht weiß, was das Tier hat, fasse ich es erstmal überhaupt nicht an“, erklärt sie und ergänzt: „Am besten rufe ich bei einem Tierschutzverein, Tierheim oder Tierarzt an. Auch die Polizei kann erster Ansprechpartner sein und dann vermitteln.“

Der Storch konnte nur noch von seinem Leiden erlöst werden

Mit der Hilfe von Fachkundigen könne dann der richtige Weg besprochen und dem Tier geholfen werden. Falsch sei es jedenfalls, im Internet nach einer schnellen Lösung zu suchen. Dem Anglersee gefundenen Storch wurde mit der unfachmännischen „Versorgung“ zum Beispiel nicht geholfen. „Dieses Tier wurde gequält“, so der Beitrag.

Der Vogel „hätte sofort einem Tierarzt, am besten einem Fachtierarzt vorgestellt werden müssen. Dieser hätte dann entschieden, ob dem Tier zu helfen ist beziehungsweise wie“, wird in dem Beitrag erklärt. Die Tierschützer betonen: Auch die Euthanasie ist eine Hilfe. Damit werde das Tier von seinem Leiden erlöst. „Das arme Wesen hat jetzt endlich seinen Frieden“, beenden sie den Facebook-Beitrag.

Der Verein

Der Tierschutzverein Lahr und Umgebung betreibt das Tierheim in der Nähe des Lahrer Flugplatzes. Weitere Informationen zur Arbeit der Tierschützer gibt es online auf der Website unter tierheim-lahr.de. Dort finden sich außerdem Informationen zum richtigen Umgang mit gefundenen Tieren und die Möglichkeit für Geld- oder Sachspenden.