Türe zu: Zeitweise findet die Verhandlung am Hechinger Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein Geislinger ist angeklagt, weil er seine Tochter missbraucht haben soll. Foto: Reich

Weil er mindestens eine seiner zwei kleinen Töchter mehrfach sexuell missbraucht haben soll, steht seit Dienstag ein 40-jähriger Geislinger vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass er sich zwischen September 2019 und Mai 2020 viermal an dem damals neun beziehungsweise zehn Jahre alten Mädchen auf dem heimischen Sofa vergangen hat. Die Mutter schlief dabei im Nebenzimmer.

Hechingen/Geislingen - Viele Fragezeichen stehen bei der Verhandlung vor dem Hechinger Landgericht in der Luft. Der Angeklagte, ein 40-jähriger Mann aus Geislingen räumt ein, seine Tochter vier Mal sexuell missbraucht zu haben, so wie es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft steht. Mehr nicht. Obwohl das Mädchen von mehr Taten spricht, die sie jedoch weder zahlen- noch zeitmäßig einordnen kann, und obwohl eine gynäkologische Untersuchung ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Hinweise auf eine "äußerst wahrscheinliche" Penetration hinweist, streitet der Mann dies ab.

Mutter unter Weinkrämpfen

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, er habe seine Tochter, die nachts des Öfteren mit ihm auf dem Sofa geschlafen habe, missbraucht, räumt er ein. Aufgeflogen war das Ganze, als die Mutter im Handyverlauf ihrer Tochter entdeckt hatte, dass diese im Internet bestimmte Begriffe mit sexuellem Bezug gesucht hatte. Darauf angesprochen, erzählte das Mädchen ihrer Mutter schließlich von den nächtlichen Vorfällen. Die fiel aus allen Wolken, konnte einfach nicht glauben, was ihr Mann der Tochter angetan haben soll.

Aussage per Video

"Ich hätte das niemals gedacht. Ich habe ihn doch so sehr geliebt", sagt die Frau am Dienstag unter Weinkrämpfen im Zeugenstand aus. "Das Mädle hat so Angst gehabt."

Die Mutter sieht ihre Welt und die ihrer Kinder in Trümmern liegen. "Er hat alles kaputt gemacht", sagt sie und fügt hinzu: "Ein Alptraum ist ein Witz dagegen."

Der Angeklagte verfolgt die Verhandlung ohne ein Zeichen der Regung, auch sein Anwalt hält sich zurück, fragt nur einmal eine Gutachterin, ob die Veränderungen an der Vagina der jüngeren Tochter denn nicht auch andere Ursachen als die einer Penetration haben könnten, was die Medizinerin weder bejaht noch ausschließt.

Für den 40-jährigen steht viel auf dem Spiel: Ihm droht Sicherungsverwahrung. Schon einmal, vor sieben Jahren, war er wegen Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden.

"Sie ducken sich weg"

Der Angeklagte leidet seit Jahren unter Angstzuständen und Depressionen. Er war mehrfach in der Psychiatrie, nimmt regelmäßig Medikamente ein. Die würden sich auf seine Potenz auswirken, sagt er, weshalb er seit Jahren keinen sexuellen Kontakt mehr mit seiner Frau habe.

"Der ärztliche Befund spricht für uns keine gute Sprache", meint der Richter. Er versucht den Mann zu einem Geständnis auch wegen des Missbrauchs der jüngeren Tochter zu bewegen, um dieser eine Aussage vor Gericht zu ersparen. "Sie haben es in der Hand", so der Richter. Doch der Angeklagte lässt sich nicht bewegen. So wird das Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen – aus einem Nebenraum per Videoschaltung. Auch die Aussage ihrer älteren Schwester wurde zuvor auf dieselbe Weise übertragen, um den Kindern den Gang in den Zeugenstand zu ersparen

"Sie ducken sich weg", wirft der Richter dem Angeklagten vor. Doch der reagiert wieder nicht.

n  Die Verhandlung wird am Dienstag, 27. April, um 9 Uhr vor dem Hechinger Landgericht fortgesetzt.

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