„Miteinander für Todtnau“ war der Slogan auf dem Wahlplakat von Andreas Wießner 1999. Seither hat er als Bürgermeister viele Projekte für die Stadt mitrealisiert. Am Montag, 25. September, ist nach 24 Jahren sein letzter Arbeitstag im Rathaus.
„Ich spreche die Sprache der Todtnauer und kenne die Belange und Sorgen der Bürger“, schreibt der damals 33-jährige Andreas Wießner 1999 in einer Pressemitteilung zur Ankündigung seiner Kandidatur. Damals konnte er sich knapp gegen drei weitere Kandidaten durchsetzen. Heute, 24 Jahre später, blickt Wießner auf drei Amtsperioden zurück und hat seither vieles bewegt. Am Montag wird er zum letzten Mal auf dem Stuhl im Bürgermeisterbüro sitzen. Doch ganz zur Ruhe setzen wird sich der 57-Jährige nicht.
Höhepunkte
Im Gespräch mit unserer Zeitung betont Wießner immer wieder, wie wichtig es ihm war, „die Wertschöpfung in der Bergwelt Todtnau und in der Region Oberes Wiesental zu halten“. Und: „Es war mein Ziel, dass Einzelhändler, Familien und Betriebe hier leben können und, dass sich alle hier wohl fühlen.“ Auf die Frage nach seinen größten Projekten und Erfolgen, kommt keine deutliche Antwort. Denn: „Ob groß oder klein – jedes Projekt war ein Höhepunkt.“ Und dafür spiele auch die Investitionssumme keine Rolle: „Kleinere Investitionen können manchmal wichtiger sein als eine ganz Große“, erläutert er.
Und damit kommt man gleich auf das liebe Geld zu sprechen. „Finanziell war es zum Start schwierig“, blickt Wießner zurück – die hohe Verschuldung von Todtnau ist aber auch heute noch hochaktuell. „Allerdings haben wir die Verschuldung im städtischen Haushalt in meiner Amtszeit halbieren können und gleichzeitig mehr als 120 Millionen Euro in der Stadt investiert.“ Dadurch weiß er: „Es wird immer ein Spagat bleiben.“ Gleichzeitig betont er, wie wertvoll diesbezüglich das große Vertrauen von Landratsamt und Regierungspräsidium war, dass „wir die Region weiterentwickeln wollen“. Denn: Die Förderung bei allen Investitionen habe immer bei über 50 Prozent gelegen.
Mit Gegnern umgehen
Neben dem Spagat um die Finanzen habe er als Bürgermeister auch so manch anderen „Kampf“ austragen müssen. So erinnert Wießner etwa an die „massiven Widerstände“ bei der Planung des Hasenhorn-Coasters. Bei jedem Projekt habe es Befürworter und Gegner gegeben, doch später hätten ihn meistens nur positive Rückmeldungen erreicht. Ihm sei es wichtig gewesen, die Projekte vorausschauend zu planen und dabei für die Stadt eine Symbiose zwischen Attraktionen und Ruhe für Gäste sowie Einheimische zu schaffen. „Das ist uns ganz gut gelungen“, so Wießner.
Und noch so ein Aufreger-Thema: Das Hotel-Projekt auf dem Todtnauberg. Es hat während seiner Planung weite Gräben in die Bevölkerung gerissen, stieß bei ihm aber auf große Zustimmung. Und heute noch sagt er: „In Verbindung mit dem Wasserfallportal, der Hängebrücke und der Brückenheimat wäre das Hotel hervorragend gewesen.“ Todtnau müsse eben als einer der Tourismusstandorte im Südschwarzwald Schwerpunkte setzen, mit denen die Einheimischen und Gäste profitieren. „Nur mit einer Vielfalt haben wir eine Chance.“
Rückblickend lobt Wießner den „fairen Umgang in den Gremien – auch nach schwierigen Diskussionen. Wir haben immer gemeinsam nach vorne gedacht und darauf bin ich stolz.“
Große Projekte stehen an
Die Entwicklung der Stadt in den 24 Jahren finde er toll. Doch: „Es wird weiter anstrengend.“ Für seinen Nachfolger Oliver Fiedel, für den er seine Wertschätzung immer wieder ausdrückt, wünscht er sich, „dass er mit ganzer Kraft die Stadt weiterhin in die Zukunft führt mit allen kleinen und großen Schwierigkeiten“. Große Projekte stehen für Fiedel an, die Wießner mit auf den Weg gebracht hat, etwa die Umgestaltung des Areals um den Busbahnhof als auch die Erweiterung des Alten- und Pflegeheims. Wießner hätte gerne selbst noch einige Projekte auf seiner Liste verwirklicht, wie er sagt. So hätte er gerne den Spatenstich für das Besucherzentrum des Biosphärengebiets noch als Bürgermeister miterlebt.
Er gibt alle Ämter ab
Neben seinem Amt als Bürgermeister hatte Wießner über 20 ehrenamtliche Nebentätigkeiten, die überwiegend nicht Kraft Amtes waren. So war er etwa Vorsitzender des Vereins Notschreiloipe oder im Vorstand der Hochschwarzwald Tourismus. Alle Ämter wird er bis zum 25. September um 0 Uhr abgeben, denn er möchte sich künftig „raushalten“, wie er vehement betont.
Und danach? Erst nach der Amtsübergabe wird Wießner überlegen, wie es für ihn beruflich weitergehen wird. Doch so viel ist klar: Der Diplom-Betriebswirt möchte weiter arbeiten und sich noch nicht zur Ruhe setzen.
Zufrieden und gespannt
Sein Fazit: „Ich habe immer versucht, alles zu geben und bin zufrieden mit dem, was wir erreicht haben und hoffe, dass es positiv für Todtnau weitergeht. Ich bin gespannt, was kommt.“
Abschied und Neuanfang
Ein Rückblick auf die Bürgermeisterwahlen, bei denen Wießner kandidierte
Abschied
: Andreas Wießner wird am Samstag, 7. Oktober, um 19 Uhr in der Silberberghalle verabschiedet. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Landrätin Marion Dammann und Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn werden Ansprachen halten. Auch die Stadt Todtnau ehrt Wießner.
Vereidigung:
Anschließend wird Oliver Fiedel als Bürgermeister vereidigt und mit Reden begrüßt.
Herzschlagfinale 1999:
Wießner kandidierte parteilos, aber mit Unterstützung durch die CDU. Dabei trat er gegen drei Kandidaten an: Oliver Bruzek, Sophia Bauer und Karl-Heinz Zimmermann. „Das Herzschlagfinale eines spannungsreichen Wahlkampfs“ hieß es einen Tag nach der Wahl in unserer Zeitung. Wießner gewann mit 50,18 Prozent, also mit „nur“ fünf Stimmen mehr als nötig gewesen wären.
2007:
erhielt Wießner dann als einziger Kandidat 99,08 Prozent der Stimmen.
2015:
setze er sicht mit 84,25 Prozent der Stimmen gegen einen weiteren Kandidaten durch.
2023:
kandidierte Andreas Wießner nicht mehr: „Ich habe ein Jahr überlegt und für mich gedacht, es wäre für die Bevölkerung gut, wenn sie nach 24 Jahren ein neues Gesicht mit neuen Zielen und Gedanken bekommt“, so seine Begründung. Oliver Fiedel wurde am 9. Juli mit 93,3 Prozent der Stimmen zum neuen Todtnauer Bürgermeister gewählt.