Ein Urteil wird bereits für Dienstag, 29. Juni, erwartet. Foto: Hartmann

Genaue Todesursache bleibt ungeklärt. Mutmaßlicher Täter soll die Tote beerben.

Offenburg - Im Prozess um die in ihrem Haus in Zunsweier tot aufgefundene Frau sind am dritten Verhandlungstag die Sachverständigen zu Wort gekommen. Das rechtsmedizinische Gutachten konnte nicht klären, woran die 71-Jährige gestorben ist. Die dafür notwendigen Befunde habe man aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustands nicht erheben können, sagte Annette Thierauf-Emberger, Leiterin des rechtsmedizinischen Instituts in Freiburg.

Denkbar sei, dass der Angeklagte seine Partnerin bis zur Ohnmacht gewürgt habe und diese dann zu Boden gefallen sei. Der 66-Jährige hatte während seiner Festnahme behauptet, Mitte August so heftig mit ihr gestritten zu haben, dass sie gestürzt und mit dem Kopf aufgeschlagen war. Anzeichen für eine Kopfverletzung seien jedoch nicht festzustellen, sagte die Gutachterin.

Ebenfalls nicht geklärt werden konnte, ob die Frau schon tot war, als sie in Folien und Decken eingewickelt wurde. So verpackt hatte sie zehn Wochen lang neben dem Bett gelegen. Der Tatverdächtige nahm die Spekulationen am Dienstag ohne Regung zur Kenntnis.

32 Einträge im Vorstrafenregister

Der leitende Ermittlungsbeamte erklärte im Zeugenstand, dass der Angeklagte seine Lebensgefährtin "von Anfang an belogen" habe. Seiner Ansicht nach hat das Auffliegen des Betrugs den heftigen Streit im August ausgelöst. Auf die Frage des Richters, ob er eine vorsätzliche Tötung vermute, war die Antwort ein klares "Ja".

Wie das 32 Einträge umfassende Vorstrafenregister zeigte, ziehen sich Betrugsfälle seit mehr als 40 Jahren durch das Leben des Angeklagten. Dirk Bischof sprach als Anwalt des Nebenklägers gar von einer "betrügerischen Erwerbstätigkeit". Im Zuge der Ermittlungen war auch ein den Angeklagten begünstigendes Testament aufgetaucht. Ob der Beschuldigte tatsächlich als Alleinerbe eingesetzt worden ist, soll in einem Zivilverfahren geklärt werden.

Das psychiatrische Gutachten bescheinigte dem Mann eine narzisstische Persönlichkeit mit manipulativen Tendenzen, die der Kompensierung seines Selbstwertdefizits dienen. Eine psychiatrische Erkrankung, die zu Schuldminderung führen könne, sei aber nicht gegeben, sagte Andrea Haarnagel vom Psychiatrischen Zentrum Nordbaden. Allerdings habe sie keine Möglichkeit zu einer Exploration gehabt. Der Prozess wird am Dienstag, 29. Juni, mit den Plädoyers der Anwälte fortgesetzt. Möglicherweise wird dann auch schon das Urteil gesprochen.

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