Der aus Albstadt-Tailfingen stammende Arzt Wolfgang Conzelmann ist in seiner Berliner Praxis von einem oder mehreren Unbekannten getötet worden.
Wie die Staatsanwaltschaft in Berlin auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt hat, war der Arzt Wolfgang Conzelmann, der am 13. Juni tot in seiner Praxis im Berliner Bezirk Wedding aufgefunden wurde, ein gebürtiger Tailfinger.
Dem Augenschein nach war der 76-jährige Wolfgang Conzelmann am Nachmittag des 13. Juni in seiner Praxis in der Genter Straße im Wedding von einem oder mehreren Tätern überfallen und mit Klebeband gefesselt worden.
Eine Freundin, die sich ebenfalls in der Praxis befand, wurde laut eigener Aussage ebenfalls mit Klebeband gefesselt und in einem Nebenraum eingesperrt; sie habe von dort aus zwar Schreie hören können, aber nicht mitbekommen, was weiter mit Conzelmann geschah.
Ermittler halten einen Raubüberfall für denkbar
Der Frau gelang es trotz der Fesselung, aus der Praxis zu entkommen und sich in eine Bar zu flüchten. Kurz darauf kehrte sie in die Praxis zurück, fand Conzelmann leblos vor und versuchte, nachdem sie einen Notruf abgesetzt und die Polizei alarmiert hatte, ihn zu reanimieren.
Vergeblich – der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Todesursache: Ersticken.
Staatsanwaltschaft geht inzwischen von vorsätzlicher Tötung aus
Ob Conzelmann erwürgt worden war oder ob er wegen der Fesselung keine Luft mehr bekommen hatte, war nach der Tat noch unklar gewesen.
Wie die Staatsanwaltschaft Berlin auf Anfrage mitteilte, geht sie mittlerweile von vorsätzlicher Tötung aus, womit auch Mord in Betracht käme. Die Ermittlungsbehörden halten einen Raubüberfall für denkbar.
Das Opfer stand drei Tage zuvor selbst vor Gericht
Conzelmann hatte sich seit vielen Jahren um Drogenabhängige gekümmert und sie behandelt. Außerdem war er nur drei Tage vor seinem Tod schon einmal ins Visier der öffentlichen Wahrnehmung und in die Berliner Medienberichterstattung geraten, nämlich in einer Gerichtsverhandlung, in der er der Angeklagte war.
Ihm wurde vorgeworfen, im Herbst 2022 in einem Facebook-Forum den damaligen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit den Nazis verglichen zu haben: Unter dem Pseudonym „Joe Frieden“ soll er in seinem Post Bilder von Habeck in ein Plakat des Winterhilfswerks aus dem Jahr 1938 eingearbeitet, das Hakenkreuz durch ein Grünen-Logo und den Slogan „Ein Volk hilft sich selbst“ durch „Frieren für den Endsieg“ ersetzt haben. Das Verfahren wurde am 10. Juni wegen Geringfügigkeit eingestellt.