Wichtig ist es für Menschen mit Handicap, einer Tagesstruktur nachzugehen, dies ist in Löffingen wieder möglich. Foto: Bächle

Nach Brandkatastrophe in Werkstatt stehen Betriebe und Einrichtungen zur Seite. Geregelte Tagesstruktur.

Titisee-Neustadt - Um das Trauma der Brandkatastrophe in der Behindertenwerkstatt in Neustadt verarbeiten zu können, bedarf es neben psychologischer Hilfe, Gesprächen und Freizeitaktivitäten wieder einer geregelten Tagesstruktur.

 

Die Caritas bezog nun vier Werkstätten. In Löffingen ist mit 80 Arbeitsplätzen die größte Kapazität vorhanden."Wir bekamen unwahrscheinlich viel Unterstützung und Hilfe nach dieser Katastrophe", erklären Gerhard Wienandts, stellvertretender Leiter der Abteilung Arbeit und Berufliche Kompetenzen, und Roland Gantert, Einrichtungsleitung beim Caritasverband Freiburg, im Gespräch mit unserer Zeitung. So wurde es möglich, vier Arbeitsbereiche einzurichten, um für die Behinderten eine gewohnte Tagesstruktur zu schaffen.

In Löffingen hat das Unternehmen IMS Connector Systems im früheren Studer-Revox-Gebäude Platz zur Verfügung gestellt. Derzeit arbeiten 75 Menschen an diesem Standort. Allerdings sind die Räume im Obergeschoss nur für Menschen ohne größere körperliche Behinderung geeignet, aber nicht für keine Rollstuhlfahrer. In Titisee-Neustadt in der evangelischen Gemeinde arbeiten 15 Behinderte, nach einigen baulichen Änderungen sollen die Räume auch für Menschen im Rollstuhl zugänglich sein. Im Altenheim St. Raphael sind 15 mehrfach Schwerstbehinderte beschäftigt, und im ehemaligen Hotel Adler Post haben vier Rollstuhlfahrer die Möglichkeit zu arbeiten.

In Löffingen werden vor allem Baugruppen montiert sowie Verpackungen und Kartonagen fertig gestellt, da derzeit keine Maschinen vorhanden sind. Ziel ist es, in den nächsten Tagen Montageschrauber zu besorgen. Erfreulich sei, so Wienandts und Gantert, dass die bisherigen Kunden nicht abgesprungen sind und die Caritaswerkstatt auf diese sofort wieder zurückgreifen kann. "Die Kunden haben keine Arbeit weiter vergeben, sondern es im Notfall einfach selbst gemacht", freut sich Gantert.

Die Tagesstruktur sei für die Menschen mit Handicap von größter Bedeutung, so hätten sie es kaum erwarten können, bis es wieder losging. Behutsam gehen die Betreuer, in Löffingen fünf Hauptamtliche und drei junge Leute im freiwilligen sozialen Jahr, vor. Morgens um 8 Uhr werden die Behinderten mit dem Bus gebracht. Nach einem freundlichen Begrüßen geht es zum Arbeitsplatz. Zwischen 10 und 10.30 Uhr gibt es ein Pause. Eine wichtige Rolle spielt auch das Mittagessen aus der Freiburger Zentralküche, in der auch Menschen mit Handicap arbeiten. Spätestens um 16 Uhr steht die Rückfahrt an.

Freizeitaktivitäten wichtig

Auch das Feiern gehört dazu. So werden Geburtstage gemeinsam in der Werkstatt gefeiert, dazu stiftet die Werkstätte Kuchen und Kaffee. "Es ist wunderbar wenn man sieht, wie glücklich die Behinderten dann sind", erklärt Gantert. Freizeitaktivitäten sind für die Behinderten wichtig, auch zur Verarbeitung der Katastrophe. So freut es die Verantwortlichen umso mehr, wenn Angebote wie etwa von Framo in Eisenbach zur Betriebsbesichtigung kommen, ein großer Freizeitpark die Behinderten einlädt oder Spenden wie jüngst das King Fiz Benefizkonzert solche Aktivitäten ermöglichen.

Langfristig zieht die Caritas wieder an den alten Standort nach Neustadt ins Bildstöckle um. Entscheidend für den Zeitpunkt sei, wie die Behinderten die Katastrophe verarbeiten. Die Verarbeitung des Geschehens sei ganz unterschiedlich, die Grundstimmung gut, stellen Wienandts und Gantert fest.