Die Tischtennis-Frauen des SSV Schönmünzach sind nach dem Abstieg direkt wieder in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Vorstand Klaus Frey verrät, wie das gelungen ist.
Alles andere als ein Selbstläufer war der abermalige Titelgewinn der Tischtennisfrauen des SSV Schönmünzach in der Dritten Bundesliga, der am vergangenen Wochenende vor 100 Zuschauern in der Murgtalhalle unter Dach und Fach gebracht wurde. Nach 2024 steigt der SSV erneut in die Zweite Bundesliga auf. Die Erleichterung nach einer Saison mit vielen Aufs und Abs stand Schönmünzachs Vorstand Klaus Frey ins Gesicht geschrieben. Wir haben mit ihm gesprochen.
Herr Frey, wie lässt sich Ihre aktuelle Gefühlslage, wenige Tage nach dem Meisterstück gegen den TSV Korntal, am ehesten beschreiben?
Über allem steht natürlich die Freude, dass wir den Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse ein weiteres Mal realisieren konnten. Das war so im vergangenen Frühjahr wahrlich nicht abzusehen.
Wieso genau?
Wenige Tage vor dem offiziellen Wechselschluss konnten wir auf der Suche nach potenziellen Verstärkungen noch keinen Erfolg verzeichnen. Wir wollten ja den Weggang von Magdalena Hübgen in irgendeiner Weise kompensieren. Ich erinnere mich dann noch gut an den Tag im Mai, als ich auf der Bundesgartenschau in Baiersbronn ehrenamtlich tätig war und innerhalb von zehn Minuten plötzlich die Zusage von zwei Neuzugängen erhielt. Zwar wurde es mit der Chilenin Valentina Rios dann nichts, unter anderem, weil sie kurzfristig noch ein Angebot erhielt, in der ersten portugiesischen Liga zu spielen. Dafür erwies sich unsere neue Nummer eins, Kheith Rhynne Cruz, von den Philippinen als echter Volltreffer. Sie sorgte wieder für neuen Schwung im Team.
Kleines Loch
In der Vorrunde war der SSV in der Dritten Bundesliga dann auch nicht aufzuhalten.
Korrekt, wir haben in der ersten Saisonhälfte alle Partien gewonnen. Weil Kate, wie wir sie nennen, kein einziges Spiel verlor und weil unsere Spielerinnen wieder zu früherer Spielfreude zurückfanden. Es ist nachvollziehbar, dass das lange Jahre erfolgsverwöhnte Team nach einer schmerzhaften, aber auch lehrreichen Zweitligasaison mit nur einem Sieg aus 18 Spielen in ein kleines Loch fiel. Positiv war auch, dass unsere Julia Kaim, die eigentlich nur sporadisch aushelfen wollte, wieder durchstartete. Sie ist nicht nur unsere erfahrenste Spielerin, sondern auch gewissermaßen der Kopf der Mannschaft.
Dennoch wurde es in der Rückrunde dann noch einmal eng.
Ja, das Wechselbad der Gefühle setzte sich dann nach dem Jahreswechsel fort. Es war zwar klar, dass Kate lediglich das übliche 90-Tages-Visum bekommt und nicht alle Rückrundenspiele bestreiten kann, aber durch die politische Lage ließ sich der Flug aus Manila mit Zwischenlandung im arabischen Raum erst einmal nicht realisieren. So mussten wir zum Auftakt drei Auswärtsniederlagen einstecken und die Konkurrenz rückte bedrohlich näher. Das erste Highlight im neuen Jahr, immer noch ohne Kheith Rhynne Cruz, war dann das wichtige 5:5 in Fürstenfeldbruck. Danach lief es mit unserer sympathischen Philippinin wieder wie am Schnürchen. Ihre Spielweise ist einfach faszinierend.
Wieso?
Obwohl sie eine recht zierliche Erscheinung ist, hat sie ein enorm druckvolles Spiel. Gepaart mit ihrer positiven Ausstrahlung, beeindruckt sie die Zuschauer und zuweilen auch die Schiedsrichter, wie ich beim letzten Heimspiel feststellen konnte. Der Tischschiedsrichter konnte sich angesichts der sehenswerten Punktgewinne ein respektvolles Nicken nicht verkneifen. Ich möchte aber auch betonen, dass es zusätzlich das tolle Mannschaftsgefüge war, das uns in der nun zu Ende gehenden Saison den Erfolg brachte. Der Zusammenhalt bei allen war richtig stark.
Für Profilaufbahn entschieden
Es ist bekannt, dass andere Vereine, auch aus der ersten Liga, bereits ihr Augenmerk auf Kheith Rhynne Cruz gerichtet haben. Wird sie dem SSV weiter zur Verfügung stehen?
Ja, das ist sicher. Sie hat sich mittlerweile für eine Profilaufbahn entschieden, wird im Herbst ihr Land bei den Asien-Spielen repräsentieren. Momentan bin ich am Überprüfen, ob es auch Möglichkeiten gibt, dass sie eine längere Zeit am Stück in Deutschland verweilen kann. Jedenfalls wird sie auch in der Zweiten Liga für den SSV viele Spiele gewinnen.
Mit welchem Personal und welcher Erwartungshaltung geht es in die zweite Zweitligasaison in der Geschichte des SSV Schönmünzach?
Natürlich wollen wir die Liga halten. Aktuell ist es jedoch noch schwierig, die Situation bei der Konkurrenz einzuschätzen, da noch diverse Vereinswechsel im Raum stehen und das Wechselfenster noch nicht geschlossen ist. Für mich stellt sich das Frühjahr aber als recht entspannt dar, personell ist alles geklärt. Die Saarländerin Magdalena Hübgen kehrt nach einem für sie nicht ganz zufriedenstellenden Jahr bei Zweitligist TTK Anröchte wieder zu uns zurück. Gemeinsam mit Kheith Rhynne Cruz, Julia Kaim und Dauerbrennerin Antonia Bernhard steht unserem langjährigen Trainer Andrzej Kaim ein starkes Stammquartett zur Verfügung, gegen das man auch in der zweiten Liga erstmal gewinnen muss. Die Youngster Melissa Bill und Leonie Müller stehen ebenfalls Gewehr bei Fuß, kommen aber hauptsächlich in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Wir hoffen, dass diese am Wochenende in unserer kleinen Schönmünzacher Halle gegen Neckarsulm den Klassenerhalt in der Regionalliga festmacht.
Insofern steht dem SSV noch einmal ein attraktives Tischtennis-Wochenende bevor.
In der Tat. Erst bestreiten wir mit hoffentlich zahlreichen Fans in der Murgtalhalle das Saisonfinale in der Dritten Liga gegen Rastatt, dann geht es rüber nach Schönmünzach, wo wir gemeinsam die zweite Mannschaft anfeuern werden. Und danach gibt es hoffentlich doppelt Grund zu feiern.