Die Extrempreise an der Zapfsäule belasten viele Autofahrer. Fahrlehrer Boris Kusic aus Schömberg gibt Tipps, wie die Tankfüllung länger hält.
Ein kurzer Dreh am Zündschlüssel gehört für ihn zum Alltag – doch für Fahrlehrer Boris Kusic aus Schömberg ist jede Fahrstunde inzwischen auch eine Kostenrechnung. Seit Ende Februar ist Tanken um rund 25 Prozent teurer geworden. Die Extrempreise an der Zapfsäule treffen Fahrschulen mit voller Wucht. „Meine Fahrschule ist ein Ein-Mann-Betrieb, ich habe ein paar Aushilfen und drei Fahrzeuge. Momentan zahle ich monatlich mehr als 500 Euro zusätzlich fürs Tanken.“
Damit sich das Geschäft weiter rentiere, müsste er eigentlich mindestens fünf Euro mehr pro Fahrstunde verlangen, sagt Kusic. Er betreibt seit 2015 die Fahrschule „Oster“.
Gleichzeitig könne er den Preisanstieg nicht an seine Schüler weitergeben: „Die Verträge sind meistens auf ein Jahr befristet. Das wäre auch rechtlich nicht möglich.“ Kusic und Berufspendlern bleibt nur ein Hebel: weniger verbrauchen. Schon kleine Veränderungen im Fahrverhalten können den Verbrauch senken, so der Fahrlehrer.
Kurzstrecken vermeiden
Sein erster Tipp an Autofahrer fällt deshalb überraschend deutlich aus: Wer kann, sollte das Auto derzeit häufiger stehen lassen. Stattdessen rät Kusic dazu, auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umzusteigen und unnötige Fahrten möglichst zu vermeiden.
Denjenigen, für die das keine Option ist, empfiehlt er: „In niedrigen Motordrehzahlen fahren und so früh wie möglich hochschalten.“ Und, schiebt der Fahrlehrer hinterher: „So spät wie möglich runterschalten.“
Vorausschauend fahren sollten Autofahrer jederzeit, betont er. Es gelte, möglichst lange die Motorbremswirkung zu nutzen und frühzeitig vom Gas zu gehen. Beim Heranrollen an eine rote Ampel oder an den Ortseingang sollte der Gang eingelegt bleiben – viele Fahrzeuge unterbrechen in dieser Phase automatisch die Kraftstoffzufuhr. So lasse sich auch auf den letzten Metern noch Sprit sparen.
Streckenwahl spielt eine Rolle
Auch die Streckenwahl spielt eine entscheidende Rolle, sagt Kusic. „Kurze Fahrten sind besonders spritintensiv.“ Gerade ein kalter Motor verbraucht am meisten. Auch das Warmlaufenlassen des Motors im Stand sei keine Lösung – es schade dem Motor und koste zusätzlich Sprit.
„Kurzstrecken unbedingt vermeiden und Fahrgemeinschaften bilden“, rät auch der Fahrschulinhaber von „Roth – Crazy-Drive“ aus Rottweil, Robert Freundt. „Der beste Tipp ist aber: E-Auto fahren.“ Seit drei Jahren gibt es in seiner Fahrschule ausschließlich Elektrofahrzeuge. Nicht nur das Fahrverhalten entscheide über den Spritverbrauch – auch der Zustand des Autos selbst mache einen Unterschied, so Kusic.
Reifenluftdruck erhöhen
Wichtig fürs spritsparende Fahren sei es, den Reifenluftdruck zu kontrollieren und gegebenenfalls zu erhöhen. Zu niedrige Reifen erhöhen den Rollwiderstand und damit den Verbrauch, erklärt der Schömberger.
Und zum Schluss noch ein kleiner, humorvoller Tipp von Kusic: Sparen fängt nicht nur beim Benzin an, sondern auch bei der Zuladung. „Extra Gewicht raus aus dem Auto, so wenig Ballast wie möglich“, sagt er augenzwinkernd. Wer ohnehin ein paar Kilos loswerden möchte, kann dies gleich doppelt nutzen: mehr Wasser statt zuckerhaltige Getränke, mehr Gemüse statt Nudeln – leichterer Fahrer bedeutet weniger Verbrauch, so der Schömberger.
Wer Sprit sparen möchte, sollte nicht nur auf das Fahrverhalten achten, sondern auch den Zustand des Fahrzeugs regelmäßig kontrollieren und unnötiges Gewicht vermeiden.
So lassen sich Kosten senken und der Kraftstoffverbrauch nachhaltig reduzieren, fasst Kusic zusammen. Während des Telefonats rauscht es im Hintergrund. Der Fahrlehrer ist auf dem Rückweg aus München. „Da lasse ich mich gleich mal überraschen, wie hoch heute die Preise an der Tankstelle sind.“