Hauptamtsleiter Oliver Freiberg (von links), Bürgermeister Manfred Haug und Ingenieur Markus Heberle waren vor Ort. Foto: Kapitel-Stietzel

Bei der Vorstellung des Starkregenmanagements der Gemeinde Rangendingen herrschte am Dienstagabend großer Andrang. Die vielen Interessierten bekamen dabei nicht nur Infos zu den Gefahrenkarten, sondern auch Tipps zum Selbstschutz.

Während es draußen leicht stürmte und ein kräftiger Schauer vom Himmel fiel, zeigte sich im Untergeschoss des Gemeindehauses, wie wichtig den Menschen das Thema Starkregen ist: Knapp 40 Anwohner aus Rangendingen, Höfendorf und Bietenhausen waren gekommen, um sich zum Stand des Starkregenmanagements in der Gemeinde zu informieren. Zur Freude von Bürgermeister Manfred Haug: Er gab zu, dass er mit deutlich weniger Teilnehmern gerechnet hatte. Denn zwar sei Starkregen ein wichtiges Thema, das viele Gemeinden beschäftigt, aber andernorts würden solche Infoveranstaltungen auf eher wenig Interesse stoßen.

 

Dann übergab er das Wort an Markus Heberle vom Ingenieurbüro Heberle aus Rottenburg, das maßgeblich an der Erstellung der Risiko-Studien und der Starkregenmanagement-Strategie der Gemeinde beteiligt ist.

Das wurde für das Starkregen-Konzept getan:Heberle hatte nicht nur Stellwände mit Plänen und Risikokarten mitgebracht, sondern auch in Form eines Vortrags jede Menge Infos im Gepäck. Er erklärte, dass man die gesamte Gemarkung der Gemeinde untersucht und nicht nur durch Laserscans und hydraulische Modelle Starkregengefahrenkarten erstellt, sondern sich auch vor Ort ein Bild von Risikostellen gemacht habe. Heberle verriet schon vorab einmal, dass es in Rangendingen beim Thema Starkregen so schlecht nicht aussehe – auch dank der zwei Rückhaltebecken. Dennoch, so Heberle, könne Starkregen ohne Vorwarnzeiten überall auftreten, nicht verhindert werden und habe ein hohes Schadenspotenzial. Das liege auch daran, dass etwa die Kanalisation immer mit betroffen sei.

Das verraten die Gefahrenkarten zu Rangendingen: Anhand der Starkregengefahrenkarten (siehe Info), stellte der Ingenieur auch die potenziell gefährdeten Bereiche in der Gemeinde vor: In Rangendingen selbst seien das etwa der Sendelgraben Südwest, die Heimgartenstraße und die Haigerlocher Straße. „Sie sehen was ihre Becken leisten“, fügte der Ingenieur hinzu: Denn der Stausee und das Rückhaltebecken am Wolfentalbach – beide auf den Karten als tiefblaue Flecken erkennbar – würden funktionieren und den größten Teil der Gemeinde vor Überflutungen bewahren.

Viele Interessierte waren beim Info-Abend dabei. Foto: Kapitel-Stietzel

So sieht es in den Rangendinger Teilorten aus: In Höfendorf erwähnte Heberle die Hauptstraße und die Trillfinger Straße als potenziell gefährdete Bereiche. Zudem könne es einen Aufstau an der K 7155 geben: Eine große, tiefblaue Fläche auf der Gefahrenkarte zeigte, dass es im Areal zwischen der Landesstraße, der Rangendinger Straße, der Kesslerstraße und der Straße Im Bühl maximale Überflutungstiefen über einem Meter geben könnte. In Bietenhausen sind die Falken- und die Talstraße gefährdet und besonders auch die Kläranlage: Heberle verwies darauf, dass man hier bei der Überflutung im Jahr 2018 massiv Probleme gehabt habe.

So soll es mit den Schutzmaßnahmen weitergehen: Als Fazit erklärte Heberle, dass das Handlungskonzept auf eine Verbesserung des Schutzes vor Starkregen abziele, es aber einen hundertprozentigen Schutz nicht geben könne. Im Weiteren seien nun Maßnahmen zu priorisieren, zu planen und umzusetzen. Außerdem sei Starkrisikomanagement eine Daueraufgabe und ende nicht mit dem Konzept. Entsprechend sei die Gemeinde derzeit an der Alarm- und Einsatzplanung dran. Welche baulichen Maßnahmen bereits angedacht sind, möchte man aber noch nicht publik machen, so Heberle. Am Ende werde der Gemeinderat entscheiden müssen, welche Starkregen-Maßnahmen vom Kosten-Nutzen-Faktor her umsetzbar und wirtschaftlich möglich seien: Denn der höchste Zuschuss vom Land sei bei einer Maßnahme zwar 70 Prozent, aber es könnten eventuell auch nur 30 bis 40 Prozent sein.

So kann man sein Gebäude selbst schützen:Laut Heberle könnten oft schon kleinere Maßnahmen sehr helfen, um sein Eigentum vor Schäden zu bewahren: Etwa das Einbauen beziehungsweise Einsetzen von Abwasserhebeanlagen und Ruckstauverschlüsse für Kellerräume, um zu verhindern, dass das zurückgestaute Wasser einer überfluteten Kanalisation plötzlich aus der eigenen Toilette geschossen kommt. Zusätzlich könne man sein Haus vor Oberflächenflutung schützen, indem man etwa Keller-Lichtschächte mit überhöhten Kantungen und Tiefgaragen-Zufahrten mit höheren Schwellen ausstatte: Oft könnten wenige Zentimeter reichen, um das Wasser woanders hinzuleiten. Zudem, so Heberle, sei Starkregen als eine Naturkatastrophe kategorisiert und entsprechend eine Elementarschadenversicherung ein wichtiger Zusatzbaustein. Insgesamt könnten die Starkregengefahrenkarten helfen, das eigene Überflutungsrisiko einzuschätzen.

Das fügte Bürgermeister Manfred Haug hinzu:

„Wir sind froh über jeden Keller, den wir in Rangendingen nicht haben“, fügte Haug hinzu: So müsse die Feuerwehr im Krisenfall nicht nur weniger auspumpen, sondern die Bewohner hätten dadurch auch weniger Schaden. Man habe in der Vergangenheit viel gemacht – so hätten sich etwa die Rückhaltebecken mehr als bewährt – aber man könne als Gemeinde nicht jede Eventualität abdecken. Deshalb sei „jeder erst einmal für sich selbst verantwortlich“. Mehrere Zuhörer hatten von Problemstellen berichtet – etwa nahe der Württembergstraße. Die werde man sich anschauen, so der Bürgermeister.

Wo gibt es die Karten?

Die Starkregen-Gefahrenkarten
werden laut Ingenieur Markus Heberle frei zugänglich auf der Webseite der Gemeinde verfügbar sein. Dort gibt es bereits Tipps zu Hochwasser-Situationen. Karten zur Überflutungsgefahr an der Starzel sind laut Heberle online auf der Seite udo.lubw.baden-wuerttemberg.de zu finden.