Überschwemmungen auf Straßen waren dieser Tage keine Seltenheit. (Symbolfoto) Foto: Joe Giddens/PA Wire/dpa

Überflutete Straßen, umgestürzte Bäume und starker Hagel standen die vergangenen Tage im Südwesten auf der Tagesordnung. Doch wie verhält man sich eigentlich, wenn ein Unwetter wütet? Wie sollte man im Haus, im Auto oder als Fußgänger auf der Straße reagieren? 

Oberndorf - Überschwemmte Wege sind bei Unwettern mit Starkregen keine Seltenheit. Doch wie sollte man sich verhalten, wenn man auf eine überflutete Straße stößt oder sogar schon mittendrin ist? "Es kommt immer auf die Menge des Wassers an", erklärt Sven Haberer, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Rottweil. "Wenn das Wasser bis zum Unterboden steht, ist es noch recht unkritisch für das Auto." Es könne also weitergefahren werden. Sobald das Wasser jedoch höher stehe und in den Luftfilter gelange, könne das Auto kaputtgehen und stehenbleiben.

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Es komme noch ein Problem hinzu: Durch die Wassermassen auf der Straße drücke das Wasser die Schachtdeckel nach oben. Autos drohten dann in den Schächten hängen zu bleiben. "Wenn möglich also die überfluteten Straßen meiden, stehen bleiben, umdrehen und eine andere Strecke wählen", so Haberer.

Udo Zink, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Calw, ergänzt: "Wenn man aussteigen oder sich sicher unterstellen kann - also nicht gerade unter einen Baum - dann wenn möglich anhalten." Denn wenn das Auto beim Weiterfahren in eine Senke gerate, könne es passieren, dass das Fahrzeug bis zu 80 Zentimeter im Wasser stehe. Eine Weiterfahrt sei dann unmöglich. 

Verhalten bei Gewitter

Wer sich bei Gewittern nicht in einem Gebäude oder im Auto befindet, muss besonders vorsichtig sein. Dann heißt es: Füße eng zusammenstellen und auf den Fußballen, möglichst in einer Mulde, in die Hocke gehen, so der Tipp des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auf seiner Website. Generell empfiehlt das Bundesamt bei Gewittern: offenes Gelände, Berggipfel, Türme, Masten und Antennen meiden. Auch an Zäunen sollte man sich nicht anlehnen. Zudem sei zu Überlandleitungen genügend Abstand von mindestens 50 Metern einzuhalten. Ferner sollten keine Gegenstände mit Metallteilen - wie zum Beispiel Regenschirme oder Fahrräder - berührt werden. Befindet man sich bei einem Gewitter im Auto, ist die Sicherheit gewährleistet, solange keine blanken Metallteile berührt werden. 

Wenn es hagelt, gilt die Devise: sich so schnell wie möglich unterstellen. Wer dazu keine Möglichkeit hat, für den gilt laut dem BBK: Mit dem Gesicht auf den Boden liegen sowie Kopf und Nacken mit den Händen schützen.

Feuerwehr-Pressesprecher Haberer warnt ausdrücklich davor, sich bei Unwettern mit einem Auto unter einen Baum zu stellen. Äste oder gar der ganze Baum könnten auf das Fahrzeug fallen. "Lieber den Hagelschaden in Kauf nehmen, denn der Blechschaden lässt sich regeln - ein Personenschaden ist deutlich schlimmer." Für Fußgänger sei es unter Bäumen außerdem ebenfalls besonders gefährlich, da ein Blitz immer in den höchsten Punkt einschlage. Am besten sei es, Schutz in einem Gebäude zu suchen, so Haberer. Dafür eigneten sich beispielsweise auch Kirchen oder Bankgebäude. Außerdem sei es ratsam, vor einem Ausflug immer die Unwetterwarnungen zu checken.

Vorbereitung vor dem Unwetter 

Wird ein Gewitter vorhergesagt, ist es sinnvoll, bewegliche Gegenstände im Freien - etwa Abdeckungen, Gartenmöbel oder Fahrräder - zu befestigen. Auch die regelmäßige Wartung der Rückstauklappe im Keller könne nassen Räume vorbeugen, erklärt der Experte aus Rottweil. Das regelmäßige Entfernen von Laub und Ästen aus den Abflussschächten sei hierfür ebenfalls nutzbringend. 

Fenster und Rollläden sollten bei Regen, Hagel und Wirbelstürmen geschlossen werden.

Wenn das Unwetter dann da ist, sollten sich Bewohner vor ungeschützten Öffnungen fernhalten. Das BBK rät dazu, sich in einem innenliegenden Raum im Erdgeschoss des Gebäudes
aufzuhalten. Allerdings nicht im Keller, denn dieser kann schnell von Wasser geflutet und zu einer lebensbedrohlichen Falle werden. Auch Hallen mit großen Deckenspannweiten sollten vermieden werden.

Der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Rottweil empfiehlt zusätzlich, elektrische Geräte bei Gewittern vom Strom zu trennen, um sie bei einem Blitzeinschlag vor Schäden zu bewahren.

Verhalten nach dem Unwetter

Wenn sich das Unwetter gelegt hat und Aufräumarbeiten nötig sind, ist es wichtig, die entstandenen Schäden zu kontrollieren und zu dokumentieren. Bei verletzten Personen ist erste Hilfe zu leisten und gegebenenfalls muss der Rettungsdienst gerufen werden. 

Es ist höchste Vorsicht geboten, wenn zum Beispiel im Keller gefährliche Substanzen wie Heizöl ausgelaufen sind. Dann sollte dringend die Feuerwehr alarmiert werden. Bei überfluteten Kellern besteht die Gefahr eines Stromschlags, sofern dort der Hausanschlusskasten untergebracht ist. Pressesprecher Zink aus Calw hat dazu eine deutliche Handlungsempfehlung: "Alle Personen sofort raus und warten, bis der Strom vom Energieversorger abgestellt ist." Das gehe sonst selten gut aus. 

Nur elektrische Geräte, die nicht feucht geworden sind, dürfen nach dem Unwetter wieder benutzt werden. Hat das Unwetter das Haus oder Dach beschädigt? Dann heißt es: Gebäude nicht betreten, Abstand halten und die Feuerwehr rufen.