Norbert Längle vermutet, dass er selbst zu seinen besten Kunden gehört. Foto: Terkowsky

Norbert Längle ist der Inhaber von Blumen Längle. Und obwohl die Gärtnerei sein täglich Brot ist, sind Tomaten seine Leidenschaft. Im Gespräch mit unserer Redaktion verrät er, was seine Tomaten besonders macht und gibt Hobbygärtnern Tipps.

Trilly, Izmir, Dasher, Baron, Arawak und Carmello: Was sich anhört, als würde in einer Vorabend-Fernsehserie zum Essen gerufen, ist in Wahrheit eine Auswahl der Tomatensorten, die in Norbert Längles Gewächshaus gedeihen. Sattgrün und vollbehangen mit Tomaten aller Reifegrade ranken sich die Pflanzen an Seilen zu den Stahlstreben in 3,50 Meter Höhe hinauf. Zweimal wöchentlich werden die knallrot-reifen geerntet und im eigenen Hofladen vertrieben.

 

2005 hat der heute 50-jährige Längle die Gärtnerei – damals noch auf dem Sulgen – übernommen. 2014 ist Blumen Längle in den Neubau nach Dunningen gezogen, 2018 sind dann die Gewächshäuser dazugekommen. Rund 40 Mitarbeiter sind in dem Betrieb beschäftigt.

Stolz erzählt er, dass die Tomaten anfangs nur ein Lückenfüller gewesen sind, um das Gewächshaus ganzjährig zu nutzen. „Im Frühjahr wachsen auf der Fläche Blumen und Setzlinge, ab Ende Mai dann Tomaten und im Winter Ackersalat “, erzählt er.

In seinem Hofladen bietet er neben regionalen Produkten auch Gurken und Salat aus eigenem Anbau an. Foto: Terkowsky

Viele Hobbygärtner würden den Fehler begehen und Tomaten viel zu früh einpflanzen. Dabei tue das den Pflanzen nicht gut, die Nächte seien häufig noch zu kalt. „Die Menschen erzählen mir dann sie hätten ein Gewächshaus, da sei es warm. Denen rate ich mal Anfang Mai morgens um vier nackt ins Gewächshaus zu gehen“, erzählt er schmunzelnd, zeigt auf eine prächtige Tomatenpflanze und ergänzt: „Die ist das perfekte Beispiel. Ende Mai bis jetzt.“

Die Tomaten-Ernte wurde anfangs in den eigenen Blumengeschäften angeboten. Die Nachfrage war groß. Später hat er sich entschlossen, im Hauptgeschäft einen Hofladen mit zusätzlichen regionalen Produkten zu eröffnen – inklusive der hauseigenen Tomatensoße.

Produktion durch Fachkräfte

„Bio“ seien seine Eigengewächse nicht, erklärt er. Das ließe sich schon alleine deshalb nicht realisieren, weil auf der selben Fläche zu einer anderen Jahreszeit ja Geranien und anderes gezogen werde. Zudem würde es den Preis der Tomaten „auf mindestens zehn Euro pro Kilo treiben“, schätzt er. Schließlich setze er bei der Produktion auch nicht auf Billiglohnarbeiter, sondern auf seine angestellten Fachkräfte.

Doch das bedeute nicht, dass er wahllos die chemische Keule einsetzt, sondern ganz im Gegenteil: „Ich liebe meine Tomaten und esse wahrscheinlich selber am meisten. Da passe ich schon auf“, erzählt er grinsend. So setze er gegen Pilze ein Fungizid ein. Aber um Schädlingsbefall zu bekämpfen werden gezielt Nützlinge (also Fressfeinde der Schädlinge) im Gewächshaus eingesetzt.

Hummeln befruchten die Pflanzen

Und bei der Befruchtung kommen Hummeln zum Einsatz. „Die Hummel-Völker haben keine Königin“, sagt Längle. Nach circa drei Monaten sterben sie, aber am wichtigsten seien sie ohnehin in der frühen Tomatensaison. Denn das Besondere an Tomaten ist, dass sie sich selbst befruchten können.

Aus seinen Tomaten lässt er auch eine hauseigene Tomatensoße herstellen. Foto: Terkowsky

Das geschehe beim Ernten mehr oder weniger automatisch, wenn an den Pflanzen gerüttelt wird, denn dann fällt der Pollen auf den Blütenstempel. Wenn eine Blüte nicht befruchtet wird, wächst dort trotzdem eine Tomate. Diese als Taube bezeichneten Tomaten sind kleiner, haben keine Kerne und schmecken wässrig. „Anfangs hatten wir im neuen Gewächshaus recht viele Tauben und wussten gar nicht warum“, erzählt Längle.

Schließlich sei man drauf gekommen, dass das alte Gewächshaus so klapprig gewesen ist, dass beim Schließen der Lüftungsklappen die Pflanzen mehr gerüttelt wurden und sich dadurch selbst befruchtet haben. „Im neuen Gewächshaus schütteln wir jetzt die Pflanzen beim Ernten etwas intensiver“, erzählt Längle.

Seine Tipps für die gelungene Tomatenzucht: Anfangs sparsam düngen. Erst wenn die Pflanze etwas kräftiger ist und das Wurzelgeflecht weiter reicht, regelmäßig düngen. Weiter sei ein häufiger Fehler, dass die Pflanzen nur nahe am Stamm gewässert werden. „Man muss sich vorstellen, die Tomate ist ein Kuchen. Da will man ja auch keinen saftigen Kern und drumherum ist es dann trocken.“

Kälte zerstört den Geschmack

Auch das Ausgeizen der Seitentriebe sei wichtig. Diese nehmen der Pflanze Kraft, die sie eigentlich für die Fruchtproduktion benötigt.

Zur Lagerung geernteter Tomaten erklärt er: „Wir haben hier ein extra Kühlhaus, das läuft bei 11 Grad. Kältere Temperaturen zerstören den Geschmack.“ Daheim solle man die Tomaten daher wenn möglich im Keller lagern – oder gleich essen.