Ein Platzsturm, der im Gedächtnis bleibt: Im letzten Spiel der vergangenen Saison konnte sich der VfB in aller letzter Sekunde vor dem Abstieg retten. Auch nach der Hinrunde in dieser Spielzeit droht wieder eine Zitter-Rückrunde. Foto: Lopez

Mit dem Spitzenspiel zwischen RB Leipzig und Bayern München startete die Bundesliga gleich einmal fulminant ins neue Jahr. Unsere sportbegeisterten Volontäre und Redakteure geben ihre Prognosen zu den spannendsten Fragen ab.

Es ist definitiv eine besondere Saison. Gerade einmal vier Wochen ist das dramatische WM-Finale zwischen Argentinien und Frankreich her - schon rollt auch der Ball in der höchsten deutschen Spieklasse wieder. Für Feierlichkeiten oder großen WM-Frust bleibt den Teilnehmern also nicht viel Zeit, schließlich stehen wichtige Aufgaben im Liga-Alltag an. Hier sind unsere Einschätzungen im Hinblick auf die noch folgenden 19 Spiele.

Wer wird Meister?

Hendrik Erb: Der FC Schalke 04. Spaß beiseite. Bevor der Tabellenletzte aus Gelsenkirchen die Meisterschaft holt, schaffen die Unaufsteigbaren aus Hamburg eher noch die Rückkehr in die Bundesliga. Ich denke der Meisterschaftskampf wird sich in den ersten Spielen nach der Winterpause entscheiden. Gewinnen die Münchner die beiden Spiele gegen Leipzig und Frankfurt, ist der Käse gegessen.

Pascal Kopf: Gerne würde ich hier eine andere Antwort als Bayern München geben, aber auch in diesem Jahr wird der Titel nach München gehen.

Lorenzo Ligresti: Mein Herz schreit: „Nicht die Bayern!“ Doch mein Kopf weiß: „Die Bayern.“ Der Rekordmeister kam in den Wochen vor der Weltmeisterschaft so richtig in Fahrt, gewann sechs Spiele in Folge. Auch ohne Manuel Neuer wird mal wieder kein Weg an den Bayern vorbeiführen.

Hält der VfB Stuttgart die Klasse?

Hendrik Erb: Schwieriges Thema. Ich bin zwar nicht der größte Fan der Labbadia-Verpflichtung, aber er hat schon öfters gezeigt, dass er eine Mannschaft kurzfristig wieder in die Erfolgsspur führen kann. Der VfB landet am Ende zwischen Platz 13 bis 11. Doch: Bleibt Labbadia, steigen die Stuttgarter im nächsten Jahr ab.

Pascal Kopf: Ja, ich glaube, dass der VfB Stuttgart auch kommende Saison in der Bundesliga spielt. Ich würde aber nicht ausschließen, dass wieder bis zum letzten Spieltag gezittert wird oder man gar in die Relegation muss. Bruno Labbadia ist dies bisher bei seinen Stationen immer gelungen, Probleme sehe ich eher in der langfristigen Entwicklung der Mannschaft. Der Klassenerhalt und ein erneuter Trainerwechsel im Herbst würden mich nicht überraschen.

Lorenzo Ligresti: Ja! 14 Punkte aus 15 Spielen sind nicht gerade rosig, aber ein Blick auf die Expected-Goals-Statistiken verrät, dass die Tabelle nicht unbedingt die tatsächlichen Kräfteverhältnisse widerspiegelt. Der VfB erzielte 18 Tore aus 19.9 xG und kassierte 27 Gegentreffer aus 19.7 „erwarteten“ Toren. Die xG-Differenz von +0.2 ist deutlich besser als beispielsweise die Werte von Hertha (-5.9) und Augsburg (-10.7) und fast auf einem Level mit Leverkusen (+0.3). Die Schwaben sind besser, als es die Tabelle vermuten lässt – und werden deshalb den Klassenerhalt schaffen.

Wo landet der SC Freiburg?

Hendrik Erb: Der Sportklub ist Bayern-Verfolger Nummer eins - Wahnsinn oder? Den zweiten Platz werden die Breisgauer nicht halten können, auch wenn in diesem Winter kein Leistungsträger den SC verlassen hat. Jedoch gelingt am Ende die Sensation und Freiburg schnappt sich den letzten Champions-League-Platz. Der SC wird Vierter.

Pascal Kopf: Die Breisgauer spielen eine hervorragende Saison und haben meiner Ansicht nach auch eine Mannschaft, die nach Europa gehört. Für die erstmalige Teilnahme an der Champions League wird es aber knapp nicht reichen. Ich sehe Freiburg hinter den Leipzigern, Frankfurtern und Dortmundern auf Platz fünf.

Lorenzo Ligresti: So sehr Christian Streich und seiner Truppe ein Auftritt in der Champions League auch zu wünschen wäre, müssen sie sich wohl eher nach unten orientieren. Erster Bayern-Verfolger zu bleiben, scheint utopisch. Teams wie Leipzig, Dortmund und Frankfurt haben mehr Qualität im Kader und werden die Breisgauer vermutlich überholen. Aber ums europäische Geschäft werden sie weiterhin mitspielen. Platz 5 oder 6 sollte möglich sein.

Welche Teams steigen ab?

Hendrik Erb: Platz 18 ist bereits zementiert: Schalke ist der sicherste Absteiger. Danach erfüllt die Hertha aus Berlin mir den Wunschtraum. Den Relegationsplatz wird sich der VfL Bochum mit einer starken Rückrunde sichern.

Pascal Kopf: Auch wenn es schade für das Ruhrgebiet wäre: Ich tippe darauf, dass Bochum und Schalke direkt absteigen. Der Kampf um den Relegationsplatz kann sehr eng werden, hier tippe ich auf den FC Augsburg.

Lorenzo Ligresti: Bochum und Schalke. Auch Hertha, Augsburg und der VfB werden wohl lange zittern müssen, doch rein qualitativ sind die beiden Ruhrpott-Klubs – im negativen Sinne – eine Klasse für sich. Beim VfL bin ich zumindest noch ein bisschen optimistischer. Unter Neu-Coach Thomas Letsch schlug man vor der WM-Pause Gladbach und Augsburg.

Wer wird Torschützenkönig?

Hendrik Erb: Das Rennen um die Torjägerkanone ist so offen wie lange nicht mehr. Eigentlich würde meine Wahl dabei auf Leipzigs Christopher Nkunku fallen. Aufgrund der Veletzung muss ich jedoch umschwenken. Wegen des Bayern-Vorteils gehe ich mit Jamal Musiala.

Pascal Kopf: Hier könnte ich mir Marcus Thuram vorstellen. Beflügelt durch eine gute WM schält er in der Rückrunde noch einen Gang hoch und empfiehlt sich weiter für europäische Top-Clubs, zumal ich den Gladbachern generell eine gute Rückrunde zutraue.

Lorenzo Ligresti: Gladbachs Marcus Thuram ist aktuell vielleicht der beste Stürmer in Deutschland, hat bereits zehn Saisontore auf dem Konto und führt die Liga bei den Expected Goals an (9.4). Dennoch tippe ich auf Christopher Nkunku. Er ist abschlussstark und das Leipziger System ist perfekt auf ihn und seine Kreativität zugeschnitten. Außerdem ist er bei RB – im Gegensatz zu Thuram in Gladbach – der Mann für Elfmeter, was im Rennen um die Torjägerkanone immer hilfreich ist.

Auf was/welchen Spieler freut man sich in der Rückrunde am meisten?

Pascal Kopf: Hier steht Sebastian Haller eigentlich außer Konkurrenz. Davon abgesehen freue ich mich aber sehr auf Florian Wirtz. Zu gerne hätte ich den Leverkusener Youngster schon bei der WM gesehen. Bereits in den ersten Testspielen hat der 19-Jährige sofort wieder seine Fähigkeiten gezeigt - einfach ein grandioser Fußballer.

Hendrik Erb: Da gibt es einiges. Ich freue mich zum einen auf Hoffenheims Kasper Dolberg, der neu aus Nizza gekommen ist. Der Däne wird in der Rückrunde mindestens zehn Tore erzielen. Zudem freue ich mich auf die Leverkusener mit Rückkehrer Florian Wirtz als auch den FC Augsburg, der meiner Meinung nach eine starke Rückrunde spielen wird.

Lorenzo Ligresti: Sébastien Hallers Bundesliga-Debüt im BVB-Trikot wird ein ganz besonderer Moment – nicht nur für BVB-Fans. Dass ein Comeback nach Hallers Krebserkrankung überhaupt so früh möglich ist, grenzt an ein Wunder. Dass er sich dann auch noch mit einem Hattrick binnen sieben Minuten im Testspiel gegen den FC Basel zurückmeldete, ist unglaublich. Ansonsten freue ich mich generell auf BVB-Spiele: Jude Bellingham beim Fußballspielen zuzuschauen, ist immer wieder aufs Neue ein Highlight.