Die Geislinger Stadtbücherei beteiligt sich am Welttag des Buches. Es geht darum, die Freude am Lesen weiterzugeben. Und so macht sie es.
Hinter den Mauern des Schlosses verbergen sich Heldensagen, Geschichten über feministische Vorreiterinnen, Märchen, Liebesabenteuer und Oden an die Freundschaft. Hier trifft Poesie auf Memoiren, Fantasie auf Realität, die Moderne auf Historie. Die Geislinger Stadtbücherei ist ein Ort, an dem Worte zu Welten werden – und der zum Welttag des Buches ganz besondere Einblicke bietet.
Ein alter Ofen bollert leise vor sich hin, aus dem angrenzenden Schlossgarten dringt Vogelgesang in die Räume. Hinter der Theke am Empfang sitzen Yvonne Müller und Bettina Acker. Immer wieder geht die Tür auf, Menschen kommen herein: Kleinkinder mit ihren Großeltern, Schulkinder, Erwachsene. Was sie alle verbindet, ist die Liebe zur Literatur. Zweimal pro Woche öffnet die Bibliothek im Schloss ihre Türen.
„Wir sind aktuell gut aufgestellt“
„Das Angebot wird gut angenommen. An manchen Nachmittagen haben wir hier mehr als 100 Besucher“, sagt Yvonne Müller. Ein Blick in die Regale zeigt, wie groß die Auswahl ist: Rund 6100 Medien umfasst der Bestand der Stadtbücherei. Etwa die Hälfte davon gehört zur Kinder- und Jugendbuchabteilung – mit Pappbilderbüchern für die Allerkleinsten, farbenfrohen Bilderbüchern und Geschichten für jedes Lesealter bis hin zu Sachbüchern aus den unterschiedlichsten Wissensgebieten. Die andere Hälfte richtet sich an erwachsene Leser. Knapp 1500 Titel aus der Belletristik laden zum Eintauchen ein – von Romanen über Erzählungen bis hin zu Gedichtsammlungen. Ergänzt wird das Angebot durch mehr als 1500 Sachbücher, die nach verschiedenen Interessen gegliedert sind und zum Entdecken, Nachschlagen und Vertiefen einladen. „Es wird nie langweilig“, bemerkt Müller mit Blick auf die vollen Bücherregale.
Freude am Lesen weitergeben
Das Bestreben der Mitarbeiterinnen: die Freude am Lesen weiterzugeben – und immer wieder neu zu entfachen. Denn Bücher sind hier mehr als nur Ausleihobjekte. Sie sind Begleiter durch den Alltag, öffnen neue Perspektiven und schaffen Verbindungen zwischen Generationen. Der Welttag des Buches erinnert daran, wie prägend Literatur sein kann – und wie wichtig Orte wie die Geislinger Stadtbücherei sind, die diese Begeisterung lebendig halten. Aus diesem Anlass hat das Team zwei besondere Aktionen geplant.
Seit 2014 organisieren sie in Zusammenarbeit mit dem örtlichen DRK, der Feuerwehr und der Polizei Veranstaltungen am Welttag des Buches (siehe Infobox). Dieses Jahr kommt das DRK in die Bücherei im Schloss. Das Angebot richtet sich an Kinder ab vier Jahren. „Ein DRK-Mitarbeiter liest aus einem Buch und die Kinder dürfen sich den Rettungswagen anschauen“, sagt Müller. Außerdem lernen die Besucher, wie man einen Verband anlegt und was man bei Erster Hilfe beachten sollte.
Acht Fragen
Für die Neun- bis Zwölfjährigen gibt es ein Bücherei-Quiz: Die Teilnehmer müssen acht Fragen beantworten, die sich um die Bücher und die Stadtbücherei drehen. Als Preise winken Bücher, Freibadkarten und Kinogutscheine. Neben den Veranstaltungen zeigt sich die Vielfalt der Bücherei aber vor allem auch im täglichen Ausleihbetrieb. Welche Geschichten gerade besonders gefragt sind, lässt sich an den aktuellen Ausleihzahlen gut ablesen: Bei den jüngsten Leserinnen und Lesern seien weiterhin die Tonies sehr beliebt, ebenso wie kindgerechte Sachbücher, die spielerisch Wissen vermitteln, so Bettina Acker.
Erwachsene greifen derweil vor allem zu unterhaltsamer, leicht zu lesender Belletristik und zu Thrillern – etwa zu Reihen wie „Die sieben Schwestern“ von Lucinda Riley und den Büchern von Gabriella Engelmann. Aber auch „Thirteen“ (deutscher Titel oft Dreizehn) von Steve Cavanagh, ein rasanter Justizthriller um den Anwalt Eddie Flynn, sei derzeit meistens ausgeliehen. „Am Anfang hatte kaum jemand Interesse und wir mussten es den Besuchern fast andrehen. Aber jeder, der es gelesen hat, ist begeistert“, bemerkt Müller.
Doch nicht jedes Buch findet dauerhaft sein Publikum. Titel, die über drei Jahre hinweg kaum ausgeliehen werden, nehmen die drei Mitarbeiterinnen aus dem Bestand, um Platz für neue Literatur zu machen.
„Kräuter der Provinz“
Was sind die Tipps der Bibliothekarinnen für den Sommer? „Ein Sommer voller Himbeereis“, lautet die prompte Antwort von Müller. Allerdings: „Wenn man das liest, muss man Eis zu Hause haben.“ Aber auch „Kräuter der Provinz“ von Petra Durst-Benning, ein Genuss-Roman, sei lesenswert. Bettina Acker empfiehlt die Föhr-Trilogie von Anke Petersen. Und: „Kill for me“ – jedenfalls für Thrillerfans, schiebt sie noch hinterher.