An dieser Stelle soll das Parkdeck des Tipidorfs entstehen. Dort stellten (von links) Justiziar Michael Thoma, Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare und Tobias Decoux, Bauleitung des Europa-Parks, die weiteren Pläne vor. Foto: Göpfert

Der Europa-Park und die Gemeinde Rust investieren in die Erweiterung des Tipidorfs und die Umgestaltung der Rheinstraße. Doch dabei soll es nicht bleiben: Um die Ausweichparkplätze loszuwerden, ist eine Erweiterung Richtung Osten geplant.

Seit 2017 wird in Rust am Masterplan Verkehr gefeilt, doch Corona sorgte für Verzögerungen. Nach der Pandemie gingen die Verantwortlichen mit Hochdruck an die Umsetzung. Die bauliche Umsetzung begann dann nach der Öffentlichkeitsbeteiligung im November 2023. Den aktuellen Stand haben Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare, Tobias Decoux, Bauleitung Europa-Park, und Michael Thoma, Justiziar des Europa-Parks, nun bei einem Presserundgang der Öffentlichkeit vorgestellt. Weitere Informationen gibt es am Montag, 2. Dezember, ab 18 Uhr vor der Ruster Gemeinderatssitzung im Alten Rathaus.

 

Was ist bislang passiert?

Im Frühjahr 2024 wurde die neue Umfahrung in Betrieb genommen. Dadurch wurden Fern- und Reisebusse aus dem Ort herausgelenkt und der Verkehr Richtung Tipidorf bereits vor dem Großparkplatz umgelenkt. Dadurch, dass unter der Achterbahn „Silver Star“ aufgrund der Einbahnstraßenregelung kein Kreuzungsverkehr mehr möglich ist, gibt es weniger Rückstau auf die Kreisstraße. Zudem rentiert es sich nicht mehr, durch das Dorf Rust zu fahren, um schneller zum Europa-Park zu gelangen, da auch dieser Verkehr nun umgelenkt wird. Auch werden die Überlaufparkplätze nicht mehr über die Feldwege angefahren. Zudem wurden Rad- und Fußgängerwege entlang des Rheinwegs neu angelegt und verbreitert, was die Verkehrssicherheit ebenfalls erhöht. Auch die Zufahrt zum Tipidorf wurde neu organisiert.

Wie zufrieden sind dieVerantwortlichen mit denbisherigen Maßnahmen?

Sehr. „Bereits jetzt zahlt sich die intensive Arbeit der letzten Jahre und die schrittweise und umsichtige Umsetzung des Masterplans Verkehr aus. Der Europa-Park setzt gemeinsam mit den Gemeinden auf eine Infrastrukturentwicklung, die optimale Voraussetzungen für Gäste und Bürger liefert“, erklärt Park-Chef Roland Mack dazu. Das bestätigt auch Thoma: „Es ist eine tolle Lösung, die sowohl für unsere Gäste perfekt ist als auch für die Bevölkerung, der es ein Anliegen war, dass der Verkehrsdruck im Ort zurückgeht, als auch für die Kinder und Jugendlichen, die nun sicherer mit dem Rad oder zu Fuß in Richtung Sportplatz unterwegs sind.“ „Wir haben bereits unglaublich viel erreicht“, betont Bürgermeister Klare. Man habe 2024 nur mit wenig Überlastung der Verkehrssituation zu kämpfen gehabt – und das obwohl der Park auf dem Weg zu einer rekordverdächtigen Saison sei, wie bei der Presserunde zu erfahren ist. „Wir haben geliefert, was zugesagt war“, betont Klare – dennoch stehe noch viel Arbeit an. Er betont zudem die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Europa-Park, die sich auch bei der aktuellen Umsetzung wieder zeige.

Parkdeck soll bis Mai 2025 fertig sein

Was passiert aktuell in Sachen Verkehr?

„Wir sind mittendrin in der zweiten Phase des Masterplan Verkehrs“, erklärt Bürgermeister Klare. Aktuell wird der Rheinweg für Fußgänger und Radfahrer komplett umgebaut. Das Tempo wird dort auf 20 Stundenkilometer begrenzt, Fernbusse dürfen dort nicht mehr halten – wohl aber der ÖPNV. „Diejenigen, die mit dem Nahverkehr anreisen – und somit etwas ökologisch Sinnvolles tun – , sollen einen Premiumzugang zum Park erhalten“, so Klare. Im Zuge des Umbaus des Rheinwegs wird auch das komplette Abwassernetz dort umstrukturiert: Der Europa-Park erhält einen eigenen Schmutzwasserkanal. „Damit wird die Abwasserleitung des Dorfs entlastet und der Europa-Park kann seine Kapazitätsgrenzen erweitern“, so Klare. Fertigstellungstermin soll – trotz der komplexen Tiefbauarbeiten – bis zum Saisonstart des Europa-Parks Ende März sein. Auch die Arbeiten am neuen Parkplatz „alter Festplatz“ (180 Stellplätze) haben bereits begonnen. Er soll ein Parkplatz mit Zwei-Stunden-Regelung werden – ausgenommen die Parkplätze für den Sportverein und das Naturzentrum. Der neue Festplatz wird ab Mitte Januar 2025 umgebaut und soll bis Mai fertig sein. „Schließlich feiern wir 2025 ja nicht nur 50 Jahre Europa-Park, sondern auch 50 Jahre Straßenfest“, betont Klare. Zeitgleich wird die neue Radwegeverbindung vom neuen Festplatz entlang der ehemaligen Deponie zur Zuckerbrücke errichtet, der Radfahrer zukünftig fern des Autoverkehrs eine sichere Route in die Natur bietet.

Was passiert aktuell beim Tipidorf?

Der Europa-Park arbeitet sowohl am Bau des neuen Restaurants als auch an dem Bau des neuen Parkdecks. Beides soll bis Ende April oder Mai 2025 fertig sein. Das Parkdeck war die Bedingung der Gemeinde Rust für den noch bevorstehenden Bau des Gästehauses. Es entsteht im hinteren Bereich des Camp-Areals und wird 580 Stellplätze auf sieben Ebenen in vier Geschossen umfassen. Seine Fassade wird an drei Seiten mit Baumstämmen gestaltet, eine Seite wird begrünt werden. Das Parkdeck ist komplett überdacht und wird eine vollflächige Photovoltaikanlage von 130 mal 30 Metern mit einer Leistung von 500 Kilowattpeak erhalten. Auch der Parkplatz des Europa-Parks soll auf einem Hektar mit einer Photovoltaikanlage überdacht werden, schildert Decoux. Das Restaurant selbst soll im Stil eines Westernbahnhofs gehalten werden. Der Bauantrag für das Gästehaus soll im Frühjahr gestellt werden.

So soll sich die Parksituation rund um den Europa-Park zukünftig gestalten. Foto: Europa-Park /Gemeinde Rust

Sind weitereParkdecks geplant?

Ja – und zwar an Orten, wo der Verkehr nicht wie beim Großparkplatz innerhalb weniger Stunden auf einmal, sondern verteilter ankommt. „Wir wollen vermehrt Parkdecks bauen, um flächenschonend zu arbeiten“, betont Thoma. Damit dies aber gelingt, sollen mit dem bestehenden Parkdeck erst einmal Erfahrungswerte gesammelt werden. So könnten demnächst auf dem Mitarbeiterparkplatz, bei Rulantica oder bei Santa Isabell weitere Parkdecks entstehen.

Wie geht es mit den Ausweichparkplätzen weiter?

Da durch den Bau beim Tipidorf Caravan-Parkplätze wegfallen, werden bei der Deponie weitere Ausweichparkplätze (P8) für Caravan-Parkplätze entstehen. Dafür werden aber beim Entstehen des Parkdecks neue Parkplätze frei. Von den 580 entstehenden Parkplätzen werden nur etwa 250 für das Tipidorf benötigt. Der Rest soll zunächst zur Entlastung der Ausweichparkplätze verwendet werden. Das ist aber nicht der einzige Plan zur Beseitigung der Ausweichparkplätze

Was soll noch langfristig passieren?

Eine Erweiterung Richtung Osten soll die Ausweichparkplätze P4 bis P7 überflüssig machen, Gemeinde und Europa-Park beginnen noch in diesem Jahr mit der dritten Phase des Masterplans: der weiteren Diversifizierung des Parkraums für Tagescamper und Autos in Richtung Osten entlang der K 5349 bis zum westlichen Bereich des ZVT-Ostareals. Dort hatte der ZVT in seinem Grundsatzbeschluss bereits eine Planungsoption für den Bereich Verkehr und Parken vorgesehen. Als Verwirklichungszeitraum sind „fünf Jahre plus“ angedacht. Zudem sollen in den nächsten vier bis fünf Jahren weitere Parkplätze beim Europa-Park-Hotel Santa Isabell entstehen. „Mit der Betrachtung des ZVT-Ostareals werden erstmals Flächen auf Ringsheimer Gemarkung in den Planungsprozess mit einbezogen. Die Möglichkeit, verkehrliche Infrastruktur auszubauen, hat die Verbandsversammlung in ihrem Grundsatzbeschluss explizit vorgesehen“, erklärt Bürgermeister Pascal Weber. Angeschlossen werden soll das ZVT-Ostareal mit Busverkehr. „Wir werden beim ZVT-Ostareal weiter Schritt für Schritt vorgehen, damit haben wir die besten Erfahrungen gemacht“, so Thoma.

Hochbahn

Die Trasse für die Hochbahn zwischen Rulantica und dem Europa-Park ist theoretisch geplant – samt Aufstellungsbeschluss. Jedoch scheut man sich aktuell die Hochbahn weiter zu planen. Der Grund: Der Bau einer solchen Hochbahn wäre komplex. Man will daher erst Erfahrungswerte sammeln, an welchen Orten innerhalb und außerhalb Rusts, in welcher Taktung Transportmöglichkeiten gebraucht werden, bevor man dann mit dem Bau beginnt, damit dieser dann auch exakt auf die Bedürfnisse der Parkbesucher abgestimmt ist, erklären Thoma und Klare.