Der DQTower am Neckar sieht schon von außen spannend aus. Foto: Katja Wickert

Von Rottweil aus in alle Welt: Tobias Sichert revolutioniert mit seinem Tiny-House-Tower modernes Wohnen. Was er jetzt plant, und was die Landesgartenschau damit zu tun hat.

39 Quadratmeter auf drei Stockwerke verteilt: Sieht so das Wohnen der Zukunft aus? Wir wollen es genau wissen und treffen uns mit dem Rottweiler Tiny-Tower-Entwickler Tobias Sichert. Der gewährt uns einen Einblick in den Pionierbau am Neckar, seine Pläne und die Hürden, die es auf dem Weg zur Skalierung zu nehmen gilt.

 

Umweltbewusster Minimalismus statt Leben im Überfluss auf großem Fuß: Die Tiny-House-Bewegung, die ursprünglich aus den USA kommt, rückt in Zeiten, in denen das Thema Bodenversiegelung landauf landab kritisch diskutiert wird, immer wieder in den Fokus. Tatsächlich konsequent gelebt wird sie in Deutschland nur von ganz Wenigen, was auch mit den bestehenden Bebauungsplänen zu tun hat.

So kam die Idee

Tobias Sichert hat das Tiny House neu gedacht. Die Idee dazu kam dem Immobilienentwickler, der inzwischen in Zimmern wohnt, in der Corona-Zeit. Er hatte sich ein Grundstück in der Tuttlinger Straße, direkt am Neckar, gekauft – eigentlich, um den dortigen Schuppen auszubauen und auf Zeit zu vermieten.

Handwerker waren zu dieser Zeit jedoch Mangelware. Um die Kosten für den Grundstückskauf wieder reinzuholen, entschied sich Sichert dazu, den knappen Platz neben dem Schuppen zumindest für ein Tiny House nutzen.

Doch die Suche nach einem passenden Modell gestaltete sich schwierig. Nachdem er lange Zeit nicht fündig wurde, traf der 50-Jährige eine folgenreiche Entscheidung. Er entwickelte mit dem Zimmerner Architekten Dominik Burkard und einem Hersteller aus Kroatien ein dreistöckiges Tiny House. Entscheidend bei der Planung: Der Modulbau musste die Maße, die beim Transport auf deutschen Autobahnen erlaubt sind, einhalten.

Blick in den DQ Tower

So entstand 2023 der 8,60 Meter hohe, dreistöckige DQTower mit einer Grundfläche von 4,20 mal vier Metern. Von außen wirkt der Bau wie ein Container im Designeranzug.

Betritt man den Tower, steht man quasi schon mitten in der Küche beziehungsweise im Wohn- und Essbereich. Rechts gibt es eine kurze Küchenzeile, links einen Tisch mit Stühlen, dazu ein Sofa. Hinter einer Tür verbirgt sich ein kleines Badezimmer.

„In diesem DQTower haben wir zwei Bäder drin, es lässt sich aber auch eine größere Küche oder ein größeres Wohnzimmer stattdessen umsetzen.“

Der erste Eindruck, wenn man ein Haus in Normalgröße gewöhnt ist: Stauraum gibt’s nicht allzu viel, eingeengt fühlt man sich dank der 2,50 Meter hohen Decken aber auch nicht. „Leute, die mit dem Camper unterwegs sind, finden es hier immer recht großzügig“, sagt Sichert schmunzelnd und führt uns ein Stockwerk höher. Auch dort findet neben einem Schlafzimmer noch ein Bad Platz.

Das fünfte Zimmer des 39-Quadratmeter-Hauses – und das Highlight – befindet sich im obersten Stock: ein Schlafzimmer, von dessen Bett aus man direkt auf den Neckar blickt.

Millionenaufrufe auf TikTok

Der DQTower zieht die Blicke auf sich – auch online. Auf der Plattform TikTok haben manche Videos mehr als eine Million Aufrufe. Aber warum geht der Rottweiler Tiny-House-Tower in den sozialen Netzwerken so durch die Decke?

„Wir lösen mit ihm viele Probleme“, meint Tobias Sichert dazu. Etwa das der Bodenversiegelung: Der Tower hat eine kleine Grundfläche, weswegen er auch als Tiny House läuft.

Außerdem sei der Modulbau schnell aufgebaut und angeschlossen. Geliefert wird der Tower liegend und mithilfe eines Krans aufgestellt. Leitungen und Co. sind schon drin. Diese müssen lediglich vor Ort angeschlossen werden. Und es braucht ein Fundament.

Die Anwendungsmöglichkeiten

Dauernutzer, wie die klassische Familie mit Kindern, seien dabei weniger seine Zielgruppe – abgesehen vielleicht von „Digitalnomaden“, die ortsunabhängig arbeiten, erklärt Sichert. Seine Kunden sind vor allem Investoren und Vermieter, die bereits Grundstückbesitzer sind und oftmals ganze Siedlungen oder Campus bauen wollen, beispielsweise in Ferienregionen.

@dqtower Der DQTower überzeugt nicht nur mit seinem Design, sondern auch mit seiner Effizienz: �� Lieferzeit: Nur wenige Monate nach der Bestellung steht euer Tiny House bereit. �� Lieferung: Der DQTower wird schlüsselfertig geliefert und innerhalb weniger Stunden aufgestellt. ���� Was macht den Tower so besonders? - 3 Stockwerke voller Komfort auf minimaler Fläche �� - Zimmeraufteilung: Küche und Wohnzimmer ��️ im Eingangsbereich, 2 Schlafzimmer ��️, 2 Badezimmer �� und das Treppenhaus. - Platzsparend und modern: Ideal für kleine Grundstücke und nachhaltiges Wohnen. Ob als Ferienhaus, Zweitwohnsitz oder Home Office – der DQTower passt sich euren Bedürfnissen an. �� Habt ihr Fragen zur Bestellung oder zum Ablauf? Schreibt uns gerne! �� #dqtower #tinyhouse #modernliving #nachhaltigbauen #schlüsselfertig #minimalismus #smartliving #hausbau #traumhaus #effizientleben ♬ Originalton - DQTower

Ein Tower steht bereits in Kitzbühel, einer in Sulz, der zum Probewohnen und als kurzzeitige Unterkunft genutzt wird, weitere sind in der Ortenau nahe des Europa-Parks angedacht, in Stuttgart und am Bodensee. Da soll aber nicht Halt gemacht werden. Sichert möchte sich mit dem DQTower von Süddeutschland aus europaweit ausbreiten. Neben Projekten in Österreich und der Schweiz soll es in Portugal weitergehen.

Wohnen auf Zeit sei aber ebenso denkbar, sagt Sichert. In Situationen wie nach einer Trennung, in Versicherungsfällen oder in der Probezeit brauche man manchmal für wenige Wochen oder Monate eine Unterkunft – zu lange für ein Hotel, zu kurz für eine eigene Wohnung oder ein Haus. Ein möblierter DQTower sei da als „eigenes Reich“ praktisch und biete ohne Zimmernachbarn auf der anderen Seite der Wand auch einen Hauch Exklusivität.

Ein weiterer Markt sind Büros. Fünf Büros könnten so auf der Fläche von zwei Parkplätzen entstehen, zeigt der Zimmerner auf. Solche Office-Tower könnten bald nahe Frankfurt errichtet werden.

Eine große Hürde

Die große Hürde: Auch wenn das kleine Hochhaus wenig Fläche verbraucht, so wird trotzdem eine Baugenehmigung benötigt. Die Bebauungspläne – oftmals mehrere Jahrzehnte alt – sehen so kleine Grundstücke aber gar nicht vor. Auf manche Baugenehmigung musste Sichert schon ein Jahr warten.

Grundsätzlich könne sich jeder bei ihm melden, der ein geeignetes Grundstück habe, sagt der 50-Jährige. Er habe einen Projektplaner an seiner Seite, mit dem das Vorhaben dann angegangen werde. Ein Schnäppchen ist der Tiny-House-Tower nicht. Preislich geht es bei 150 000 Euro netto los.

Bei aller Skalierung vergisst er aber auch seine Heimat nicht und verrät uns: „Ich stehe mit der Stadt Rottweil wegen eines Projekts im Zuge der Landesgartenschau in Kontakt.“