Der Abschied fällt ihm nicht leicht: Pfarrer Timo Stahl im Grünen zwischen dem Pfarrhaus und der Kirche. Foto: Günther

Man kennt, achtet und schätzt Pfarrer Timo Stahl – und das nicht nur in seiner Kirchengemeinde. Nun hat er seinen Abschied von Dornstetten angekündigt.

Seit 2016 ist der 51-Jährige geschäftsführender Pfarrer in Dornstetten und für den Kirchenbezirk Dornstetten-Süd und die Kirchengemeinde Aach zuständig. Außerdem leitet er die Psychosoziale Notfallversorgung und die Notfallseelsorge im Kreis.

 

Wie Stahl berichtet, wechselt er jetzt aus zwei Gründen die Stelle. Einerseits, weil es ihm ein Bedürfnis ist, näher bei seiner allein lebenden, hochbetagten Mutter zu sein.

Andererseits, weil nun in Dornstetten viele kirchliche Veränderungsprozesse abgeschlossen oder auf einem guten Weg sind, wie die Bildung der Verbundkirchengemeinde und die Umsetzung des Pfarrplans. Da sich durch die Verwaltungsreform zudem neue Strukturen ergeben haben, sei jetzt, so Stahl, „die richtige Zeit, dass in diesen neuen Strukturen jemand neu anfängt“.

„Eine ganz reiche Zeit in Dornstetten“

Stahl betont, dass es für seinen Wechsel keinerlei persönliche Gründe gibt, im Gegenteil: „Bei uns in Dornstetten gibt es keine Spannungen, wir sind alle sehr gut miteinander ausgekommen. Ich hatte hier ein schönes Dasein.“ Strahlend fügt er hinzu: „Es war für mich eine ganz reiche Zeit in Dornstetten. Vermutlich werde ich später einmal urteilen, dass es die schönste Zeit in meinem Leben war. Dabei war es mir immer wichtig, meinen Glauben authentisch zu leben und diesen weiterzugeben.“

Dass seine Dornstetter sein Wirken überaus positiv beurteilen, ist kein Geheimnis. Sowohl kirchlich engagierte als auch kirchenferne Einwohner betonen, dass „unser Timo“ sich stets tatkräftig und sensibel für seine Mitmenschen einsetze. Stahl sei „einmalig“, sagt etwa eine der ältesten Dornstetter Bürgerinnen der Stadt. An ihrem Geburtstag habe er sie sogar besucht, „obwohl er vorher eine Konfirmation hatte“. Gelobt werden auch seine Predigten, seine Freundlichkeit und Zugewandtheit. Auch vom ehemaligen Kirchengemeinderatsvorsitzenden: „An Timo gibt es nichts, was zu kritisieren wäre. Der ist einfach klasse.“

Keine Gemeindeflucht

Im Gespräch mit unserer Redaktion betont Stahl auch, dass sein Abschied in keiner Weise eine Gemeindeflucht sei; für ihn sei Gemeinde in ihrer Vielfalt nicht Last, sondern Lust.

Natürlich gab es auch Dinge, die ihm zugesetzt haben, unter anderem, dass er angesichts der Fülle seiner unteilbaren Aufgaben keinen Konfirmandenunterricht mehr geben konnte. Gerade dieser habe ihm stets große Freude bereitet.

Pflegepraktikum und neue Ausbildung auf dem Plan

Reizvoll an seiner neuen Stelle sei für ihn nun, sich voll und ganz auf ein Arbeitsfeld konzentrieren zu können. Seinen Dienst als Krankenhausseelsorger am Klinikum Sindelfingen-Böblingen tritt er im Januar an. Dort ist er sowohl für die Patienten und deren Angehörige als auch für die Mitarbeiter der großen Klinik da.

Stahl wäre nicht Stahl, hätte er sich nicht einen besonderen Einstieg in sein neues Amt erbeten: Da er wissen will, mit welchen Herausforderungen Mitarbeiter in der Pflege zu kämpfen haben, absolviert er vorab ein vierwöchiges Pflegepraktikum. Zudem beginnt er im neuen Jahr eine Ausbildung zum Traumatherapeuten. Auch in der Notfallseelsorge wird er sich weiterhin einbringen.

Mehr Zeit für Hobbys

Privat hofft er darauf, an der neuen Stelle Zeit für seine Hobbys zu finden: in Ruhe schöne Musik – von der Oper bis zum Rock – zu hören, Konzerte zu besuchen, zu wandern, sich mit Freunden zu treffen und auch genügend Zeit zu haben, um sich um seine Mutter zu kümmern. In sein Elternhaus wird er aber nicht ziehen, sondern in ein leerstehendes Sindelfinger Pfarrhaus.

Was ihm noch wichtig ist: „Ich bin noch nicht weg. Ich bin noch bis zum 1. Januar 2026 mit voller Kraft vor Ort. Alles läuft weiter wie gewohnt, auch die Weihnachts- und Neujahrsgottesdienste übernehme ich.“