Hinten brennt beim 1. FC Heidenheim traditionell wenig an, in dieser Saison kommt die Effizienz in der Offensive hinzu. Der entscheidende Mann dabei ist Zweitliga-Toptorjäger Tim Kleindienst. Glaubt der 27-Jährige vor dem Topspiel gegen Spitzenreiter Darmstadt 98 an den Aufstieg?
Ausflüchte in Sachen Aufstieg sind doch spätestens jetzt eigentlich nicht mehr möglich. Der 1. FC Heidenheim fährt nun auch sogenannte dreckige Arbeitssiege ein. Und das auch noch auswärts. Beim jüngsten 1:0 bei Arminia Bielefeld war der Fußball-Zweitligist nicht die bessere Mannschaft. Aber eine gelungene Offensivaktion reichte, um die drei Punkte mit auf die Ostalb zu nehmen. Dass Trainer Frank Schmidt mit einem glücklichen Händchen den Siegtorschützen Stefan Schimmer einwechselte, passte ins Bild. Das ist genau der Stil, der Spitzenmannschaften bisweilen ausmacht. „Wenn’s drauf ankommt, gewinnen wir die Spiele. Auf dieser Welle wollen wir weiter reiten“, stellt Tim Kleindienst vor dem Topspiel gegen Tabellenführer SV Darmstadt 98 am Samstag (20.30 Uhr/Voith-Arena) klar.
Viererpack als Premiere
Der Stürmer beackerte auf der Alm jeden Grashalm, stellte sich in den Dienst der Mannschaft, ein Tor gelang ihm diesmal nicht. Anders als eine Woche zuvor, als er beim 5:0 gegen den 1. FC Nürnberg einen Toreviererpack schnürte. Erstmals in seiner Karriere ist ihm das gelungen. Noch nicht einmal drei Treffer in einem Match waren ihm bis dahin vergönnt. Kein Wunder, dass der gebürtige Brandenburger den Spielball mit nach Hause nahm. Wo der jetzt lagert? „Ich habe zu Hause einen eigenen Raum mit diversen Fußballutensilien, da liegt er ordentlich im Regal“, erzählt Kleindienst.
Ob da am Saisonende vielleicht noch etwas Spezielles dazukommt? Ein Aufstiegstrikot zum Beispiel? Der 27-Jährige lässt sich nicht aus der Reserve locken. „Den Druck haben andere, wenn wir den Sprung nach oben verpassen, ist das nicht so schlimm“, versucht er glaubhaft zu versichern. Obwohl die Ausgangsposition sogar besser ist als in der Saison 2019/20, als die Heidenheimer in den Relegationsspielen an Werder Bremen (0:0 und 2:2) gescheitert sind.
Kleines Polster auf Platz vier
Auch aktuell rangiert der FCH auf Relegationsplatz drei – mit nur zwei Punkten Rückstand auf den zweitplatzierten Hamburger SV und – immerhin – einem kleinen Vier-Punkte-Polster auf den Vierten SC Paderborn. „Klar werden wir in den letzten zwölf Saisonspielen Vollgas geben und angreifen. Aber es wäre Quatsch, jetzt zu sagen, wir müssen aufsteigen. Dafür geht es im Fußball viel zu schnell.“ Wie beim 3:3 am 11. Februar gegen den HSV. Als der FCH bis zur 73. Minute begeisternd aufspielte, den 3:0-Vorsprung dann aber innerhalb von 16 Minuten verspielte.
Solch eine Enttäuschung kann ein Team lähmen. Heidenheim antwortete mit dem 5:0 gegen den Club. Das spricht für die Mentalität, die immer schon der Trumpf war. „In dieser Saison sind wir in der Offensive aber sehr effizient, in diesem Bereich haben wir den größten Entwicklungsschritt gemacht“, sagt Kleindienst. Er selbst hat daran den größten Anteil. Mit 15 Treffern führt er die Zweitliga-Torjägerliste an. „Tim macht immer weiter, gibt nie auf, schaltet nie in den Verwaltungsmodus – weder als Fußballer noch als Mensch“, lobt Trainer Frank Schmidt die Einstellung seines Topspielers.
Kontrastprogramm in Gent
Er war im Januar 2021 nach seinem halbjährigen Gastspiel beim KAA Gent auf die Ostalb zurückgekehrt. Beim belgischen Topclub sammelte er Erfahrungen in der Qualifikation zur Champions League und in der Europa League, glücklich war er beim belgischen Topclub allerdings nicht geworden: „Ich habe viele negative, aber dadurch auch wertvolle Erfahrungen gesammelt in den sechs Monaten, in denen ich vier Trainerwechsel in dem Verein miterlebte“, erinnert sich Kleindienst.
Es war das volle Kontrastprogramm zum FCH, wo Frank Schmidt seit 2007 tätig ist. Und es war das volle Kontrastprogramm zum SC Freiburg, wo er nach seiner Zeit bei Energie Cottbus von 2015 bis 2019 spielte – unterbrochen von der Leihe nach Heidenheim 2016/17. „Wir sind hier in Heidenheim schon so etwas wie der SC Freiburg der zweiten Liga“, sagt Kleindienst und liefert die Begründung hinterher: „Die Tatsache, dass mit wenig Mitteln sehr viel erreicht wird und die Trainer großes Vertrauen genießen, sind die wichtigsten Parallelen.“ Zur Besonnenheit gehöre auch, dass beim Sport-Club nach Abstiegen erfolgreich weitergearbeitet wurde.
Vertrag bis 2025
Ein Fakt, der auch für den FCH ein Aspekt sein könnte. Denn immer wieder gibt es Meinungen, die vor den negativen Folgen eines möglichen Bundesliga-Aufstiegs warnen. Kleindienst sieht das anders: „Wenn wir es mal packen sollten, würde hier keiner durchdrehen. Man könnte die Bundesliga als Erfahrung mitnehmen, und ich bin sicher, dass bei einem eventuellen Abstieg nichts auseinanderbrechen würde.“ Zumindest die nackten Vertragslaufzeiten von den wichtigsten Männern sprechen dafür: Trainer Schmidt ist bis 2027 gebunden, Torjäger Kleindienst bis 2025.