Der Filmkomponist Danny Elfman kehrt als der Post-Punk-Avantgardist von einst zurück mit dem extrem komplexen Album „Big Mess“. Zu diesem Anlass präsentieren wir 10 von Elfmans herausragenden Werken.
Stuttgart - Danny Elfman (68) hat Film-Soundtracks für Tim Burton komponiert und die Titelmusiken für Serien wie „Die Simpsons“ und „Desperate Housewives“. Zunächst war er ein Post-Punk-Avantgardist, und als solcher kehrt er nun zurück mit seiner ins Sonore gereiften Joker-Stimme und dem extrem dicht arrangierten Solo-Album „Big Mess“.
Als Filmkomponist ist Elfman beeinflusst von Bernard Herman und Philip Glass, und das schlägt nun auch auf sein Pop-Schaffen durch. „True“ ist eine in Musik gegossene Dystopie, in der starke Pop-Melodien aufscheinen, „In Time“ klingt bowiesk mit Streichern wie für ein Kung Fu-Drama. „Choose your Side“ hinterfragt die Spaltung der US-Gesellschaft, „Native Intelligence“ ist astreiner Prog-Metal, komplex orchestral inszeniert.
„Better“ Times erinnert an Elfmans Band Oingo Boingo, in den frühen 80ern in L.A. eine Größe – genau wie die Punkrocker Bad Religion und deren Gitarrist Brett Gurewitz, auf dessen Label Epitaph „Big Mess“ erscheint. Das Album hätte es nie gegeben ohne die Pandemie, sagt Elfman, der seit der Auflösung von Oingo Boingo 1995 mit dem Popzirkus eigentlich abgeschlossen hatte.
Zur Veröffentlichung von „Big Mess“ erinnern wir an zehn denkwürdige Elfman-Kompositionen.
1. Batman: Title Suite (1989)
Das heutige Superheldenkino ist kaum denkbar ohne den Schwung, den Tim Burton ihm Ende der 80er verlieh mit seiner für damalige Verhältnisse sehr spektakulären „Batman“-Inszenierung. Burton zeigte einen zögerlichen Helden in einer düsteren, vor Kriminalität strotzenden Metropole, und Elfmans Soundtrack unterstrich die dystopische Grundstimmung. Dramatische Klänge spiegeln die stetig drohende Gefahr und den Charakter des irren Jokers (Jack Nicholson), sanftes Piano und Streicher untermalen die wenigen romantischen Momente mit sanftem Klavier und Streichern.
2. Oingo Boingo: Little Girls (1981)
Mit einem Paukenschlag erschien Danny Elfman 1981 auf der Bildfläche mit „Only a Lad“, dem Debütalbum seiner Band Oingo Boingo. Er komponierte alle Songs im Alleingang bis auf ein Kinks-Cover („You really got me“) und benutzte aufgekratzten New Wave-Sound nur als Grundierung: In den satirischen, provokanten Nummern schwingt der Geist des kalifornischen Skatepunks ebenso mit wie die Bläser-getriebenen Offbeats des Ska – und die Komplexität des mit großer Geste arrangierten Materials trägt bereits Züge von Filmmusik. Oft bleibt Raum für Interpretationen. In „Little Girls“ erzählt Elfman entweder aus der Sicht eines Pädophilen oder aus derjenigen vermögender älterer Herren, die sich junge Begleiterinnen leisten. Schwierig wird es, wenn sich die Girls als „too little“ erweisen.
3. Beetlejuice: Main Title (1988)
Gespenstisch und doch erfüllt von komödiantischem Überschwang und dunkler Lebenslust ist Elfmans Sound – er trifft exakt den Ton von Tim Burtons Film. Elfman hat hier seine Handschrift als Filmkomponist gefunden, alle charakteristischen Elemente sind schon da.
4. The Simpsons: Main Title (1989)
Angeblich soll Elfman nur zweit Tage gebraucht haben, um die Titelmusik für eine der erfolgreichsten Animationsserien aller Zeiten zu erschaffen. Sie trägt eindeutig seine Handschrift und taucht auch in Filmmusikprogrammen klassischer Orchester auf.
5. Oingo Boingo: Weird Science (1985)
Den Titelsong für einen Coming-of-Age-Film des aufstrebenden Regisseurs John Hughes („Breakfast Club“, „Kevin – Allein zu Haus“), beisteuern zu können, war für Elfman und seine Band ein Glücksfall. Der maschinelle Post-New-Wave-Sound passt gut zur Geschichte zweier unpopulärer Schüler, die mangels weiblicher Bekanntschaften im Computer eine Art Frankenstein-Model (Kelly LeBrock) erschaffen, das sie aus ihrer Not befreien soll. „Weird Science“ (deutscher Verleihtitel: „L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“) kam Anfang August 1985 in die Kinos – nur eine Woche vor Tim Burtons Filmdebüt „Pee-wee’s Big Adventure“, zu dem Elfman seinen ersten Soundtrack schrieb.
6. The Nightmare Before Christmas (Henry Selick, 1994): Jack’s Lament
Tim Burton produzierte den Animationsfilm „The Nightmare Before Christmas“, bei dem der Stop-Motion-Meister Henry Selick Regie führte. Danny Elfman komponierte dafür nicht nur die Musik, sondern lieh seine Stimme auch der Hauptfigur Jack Skellington, dem mondänen König von Halloween Town. Der würde gerne auch mal eine positive Rolle spielen, versucht sich als Weihnachtsmann und macht alles kaputt. Elfmans leicht entrückter Gesang kommt in dieser Musical-Nummer auf sehr besondere Weise zur Geltung.
7. Oingo Boingo: Private Life (1982)
Dieser Song vom zweiten Oingo Boingo-Album „Nothing to fear“ über einen von der Welt entkoppelten Eremiten ist ein typisches Beispiel für die fröhliche Paranoia, die Elfman zu entfesseln versteht.
8. Edward Scissorhands (Tim Burton, 1990): Main Title
Mitgefühl und Grusel gehen eine wunderbare Verbindung ein in Danny Elfmans mächtiger Orchestermusik, die einen gewichtigen Teil dazu beiträgt, dass aus Tim Burtons Frankenstein-Geschichte keine Farce geworden ist.
9. Oingo Boingo: Who do you want to be (1983)
Die geballte Punkrock- und Ska-Energie von Elfmans Band steckt in diesem rasanten Titel, der sich um die Folgen exzessiven Medienkonsums dreht und mit knackigen Bläsersätzen aufwartet. Die vorliegende Version stammt von einem der zwei Oingo Boingo-Abschiedskonzerte im Universal Amphitheatre in Los Angeles im Jahr 1995.
10. Men in Black: Main Title (1997)
Die ganze komödiantische Unverfrorenheit von Barry Sonnenfelds Alien-Farce spiegelt sich in Elfmans Soundtrack, der in all seiner Opulenz klingt wie ein Augenzwinkern.