Katze in der Lebendfalle Foto: Tierschutzgruppe Bodelshausen Hechingen

Finanziell, personell und platztechnisch stoßen Tierschutzvereine an ihre Grenzen. Die Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen schlägt Alarm.

„Ich könnte auf die Schnelle sicherlich mindestens 120 Katzenkinder von verschiedenen Meldern und Pflegestellen der regionalen Tierschutzvereine vermitteln“, sagt Kristina Stalder von der Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen und Umgebung. Sie ist mittlerweile in ständigem, engen Austausch mit anderen Vereinen in der Region und darüber hinaus.

 

Kitten werden häufig auf Höfen gesichtet. Foto: Tierschutzgruppe Bodelshausen Hechingen

„Das geht gar nicht mehr anders, es sind so viele Tiere und keiner hat mehr Platz.“ Derzeit können keine Tiere mehr aufgenommen werden. „Wenn uns im Moment jemand Fundtiere meldet, müssen wir denjenigen darum bitten, sich um die Versorgung der Tiere zu kümmern. Wir versuchen dann die Kastration zu organisieren.“

Im Zollernalbkreis gebe es gleich mehrere Hotspots erzählt die Tierschützerin, unter anderem im Killertal, in Ringingen, in Truchtelfingen, in Balingen und im Raum Hechingen. „In Albstadt gibt es ein Gebiet auf dem vermutlich zwanzig bis dreißig Katzen leben.“

Katzenpopulation wächst explosionsartig

Doch wie konnte es so weit kommen? Stalder erzählt, dass die Katzenpopulation in Deutschland seit Corona explosionsartig wächst. „Viele haben sich während der Pandemie Katzen angeschafft und sie später wieder ausgesetzt. Weil viele dieser Tiere nicht kastriert waren, haben die sich schnell vermehrt“, erklärt Stalder die rasante Entwicklung. „Bereits nach sechs Monaten kann eine Katze trächtig werden und zwei bis vier Kitten werfen“, weiß sie. „Und das zwei bis dreimal im Jahr.“

Dadurch entsteht immer mehr Tierleid: „Die teilweise zahmen Katzen können sich nicht immer alleine versorgen und verhungern, werden Opfer von Mardern und Füchsen oder erkranken“, sagt Stalder. „Weil viele Menschen Katzen aus dem Internet gekauft haben, breitet sich seit Corona unter anderem die Katzenseuche wieder bei uns aus.“ Diese galt zuvor als fast ausgemerzt.

Kastrationsverordnung gewünscht

Die Lösung sehen Tierschützer in einer Kastrationsverordnung. „Eigentlich fällt jedes Fundtier in die Zuständigkeit der jeweiligen Gemeinde“, weiß Stalder und beklagt die Untätigkeit vieler Kommunalpolitiker. „Mit einer entsprechenden Verordnung wäre es uns möglich, streunende Katzen zeitnah einzufangen, zu kastrieren und wenigstens die wilden Katzen wieder am Fundort freizulassen.“

Doch daran haben viele Kommunen bisher wenig Interesse, berichtet die Tierschützerin. „Letztlich ist es eine Kostenfrage“, meint Stalder. „Bisher wurde der Tierschutz zu wenig finanziert, und es wurde zu lange zugeschaut. Jetzt haben wir ein Dilemma.“

Und auch in der Bevölkerung gefällt die Lösung durch Kastration nicht jedem. „Teilweise werden wir bei Einfangaktionen beschimpft und bedroht“, erzählt die Tierschützerin. „Ich wurde sogar schon mit Steinen beworfen.“