Steigende Fundtierkosten beschäftigen das Tierheim Tailfingen. Warum viele Tiere nicht zurück zu ihren Besitzern finden – und welche Folgen ein fehlender Tierarzt haben könnte.
In der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Kreistags stand am Montag unter anderem die Fundtierkostenpauschale auf der Tagesordnung. Gabriele Wagner, Leiterin des Dezernats Gesundheit und Lebensraum, stellte den aktuellen Bericht dazu vor und wies auf gestiegene Ausgaben hin.
Wie Wagner erklärte, sei die Zahl der Fundtiere nach einem Anstieg während der Corona-Jahre inzwischen wieder stabil. Dennoch würden die Kosten für die Versorgung der gefundenen Tiere steigen. Beispielsweise verursachten trächtige Katzen einen erheblichen Mehraufwand für das Tierheim. Immer häufiger würden solche Tiere gefunden, was die Betreuungskosten weiter in die Höhe treibe.
Tierarzt hört auf – Nachfolge ungewiss
Ein drängendes Problem betrifft jedoch nicht nur die Zahl der Tiere, sondern auch deren medizinische Versorgung: Der langjährige Tierarzt Günter Wiebusch, der die Fundtiere des Tierheim Tailfingens bisher betreut, wird sich altersbedingt in den Ruhestand verabschieden. Eine Nachfolge wurde bislang nicht gefunden. Falls sich kein Ersatz findet, müssten die Tiere künftig in regulären Tierarztpraxen versorgt werden, so Wagner. Das würde zu deutlich höheren Kosten führen, da die Behandlungen von den Tierärzten dann nach der üblichen Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet werden müsste. Das würde für den Landkreis teuer werden, warnte Wagner.
Hunde werden schneller abgeholt als Katzen
Kreisrat Hans Peter Hörner (AfD) stellte in der Diskussion die Frage, warum so viele Tiere nicht wieder abgeholt würden – obwohl viele gechipt oder tätowiert seien. Wagner erklärte dazu, dass ein Chip oder Tattoo allein nicht ausreiche. Die Tiere müssten zusätzlich in Datenbanken wie Tasso oder Findefix registriert sein. Nur dann könnten Halter kontaktiert werden – eine Abholung sei aber stets freiwillig.
Wiebusch ergänzte, dass der Tierschutzverband grundsätzlich einen Hundeführerschein befürworte. Dies könnte verhindern, dass Menschen sich einen Hund anschaffen und dann feststellen, dass sie mit diesem nicht umgehen können. Für Katzen sei ein solches Modell jedoch kaum umsetzbar. Generell würden Hunde deutlich schneller als vermisst gemeldet und von ihren Besitzern meist umgehend aus dem Tierheim abgeholt – bei Katzen sei das seltener der Fall. Zudem würden Hunde oft vorschnell als „entlaufen“ eingeschätzt und eingefangen, obwohl sie möglicherweise nur ohne Leine unterwegs und die Besitzer nicht weit weg seien.
Landrat setzt auf Eigenverantwortung
Landrat Günther-Martin Pauli äußerte sich jedoch skeptisch gegenüber der Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins: Ein solches Modell würde mit erheblichem Verwaltungsaufwand und Bürokratie einhergehen. „Der Staat und die öffentliche Hand können nicht alles regeln“, so Pauli. Stattdessen appellierte er an mehr Zivilcourage: Freunde und Familienangehörige sollten aktiv werden, wenn sie merkten, dass jemand mit seinem Tier überfordert sei.
Der Ausschuss nahm den Bericht zur Fundtierkostenpauschale zur Kenntnis.