Erste Kiebitz-Brut seit 30 Jahren: Was in Ammerbuch gelingt, hat sein Vorbild auf der Baar. Die Büffelweide zeigt, wie Artenschutz landesweit funktionieren kann.
Ammerbuch jubelt: Die erste Kiebitz-Brut seit 30 Jahren ist dort im Sommer entdeckt worden. Zwar sind die Vögel jetzt auf und davon und werden erst im Februar wieder zurück erwartet, doch den Erfolg feiert man zu Recht.
Schließlich ist der Kiebitz-Bestand im Land seit 1992 laut Naturschutzbund Deutschland, Kurz: Nabu, um alarmierende 92 Prozent eingebrochen.
Und während man in Ammerbuch die ersten Erfolge feiert, blickt man auch auf der Baar zufrieden drein – auch wenn die Kurstadt zwar ein Kiebitzland ist, obwohl sie nicht offizieller Teil des gleichnamigen Projektgebiets des Nabus ist.
Das gleiche passiert nun andernorts
Lars Stoltze, der das Projekt beim Nabu begleitet und auch Projektleiter „Kiebitzfreundliche Agrarlandschaft“ beim Nabu ist, weiß um die Baaremer Kiebitze und freut sich um die hiesigen Flächen, „auf denen Kiebitze vorkommen“, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
In gewisser Weise also könnten die Baaremer Erfolge die Blaupause für die Artenschutzoffensive zugunsten des Wiesenvogels sein, die nun in drei Kerngebieten im Land läuft – neben Ammerbuch im Landkreis Tübingen sind dies Dunningen im Landkreis Rottweil und Sauldorf bei Sigmaringen. Denn: Was hier, allen anderen voran in Bad Dürrheim, bereits seit dem Jahr 2016 praktiziert wird, passiert nun an vielen weiteren Stellen im „Kiebitz-Land“ Baden-Württemberg: Gehölze werden entfernt, flache Tümpel ausgebaggert – so wie dies vor fast genau zehn Jahren auch in Bad Dürrheim bei der Büffelweide passiert ist.
Unverhofftes Wiedersehen
Als ab 2016 karpatische Wasserbüffel bei Bad Dürrheim neben der Kurgärtnerei weideten und immer mehr Wasserstellen geschaffen worden sind, entdeckte man wieder die ersten Exemplare des auffälligen Wiesenvogels mit dem grünlich-schwarz schillernden Gefieder und der markanten Federhaube auf dem Hinterkopf.
2021 dann waren wieder viele Baggerarbeiten in diesem Bereich zu beobachten gewesen. Eigentlich ging es damals um die Krickente, die mit 35 bis 36 Zentimetern Länge kleinste Entenart Europas, und das „Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt des Landes Baden-Württemberg“. „Wir legen dort sozusagen einen Schweizer Käse an. Damit schaffen wir die Voraussetzungen, damit die Krickente sich wohl fühlt“, erklärte damals Malte Bickel vom Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums Freiburg, während ein großer Bagger auf der Büffelweide fast schon martialisch anmutend wütete und Tümpel für die Krickente grub.
Flache Tümpel und lichtes Gehölz
Doch passiert ist so viel mehr, das zeigt, dass die getroffenen Maßnahmen – flache Tümpel, Gehölzentfernung, Elektrozäune und extensives Weidemanagement – funktionieren und den Vögeln helfen, wieder erfolgreich Nachwuchs großzuziehen: Die Büffelweide mauserte sich noch mehr zum Naturparadies für viele Arten, nicht nur die Krickente, die tatsächlich dort ihren Lebensraum fand. Auch immer mehr Kiebitze wurden dort seither gesichtet – die seltene Art hat hier zwischenzeitlich als Brutvogel eine feste Heimat gefunden.
Die so genannte Ornithologische Arbeitsgemeinschaft der Baar hat sich in der Vergangenheit für den Kiebitz bei Bad Dürrheim enorm stark gemacht. Die Gruppe trägt zur Erstellung von Managementplänen für die Vogelschutzgebiete Baar und Wutach-Baaralb bei.
Aus einem werden mehr als 15
Das Ergebnis der Bad Dürrheimer Bemühungen kann sich sehen lassen – auf dem Areal, wo 2016 nur noch ein einziges Brutpaar existiert haben soll, sind schon mehr als 15 Brutpaare gesichtet worden.
Die Büffelweide ist zum „optimalen Lebensraum“ für den Kiebitz geworden, wie er nun, so Stoltze, auch in den drei Kerngebieten geschaffen worden ist – in der Hoffnung, dass das charakteristische Kie-witt, Kie-witt bald noch an viel mehr Orten verheißungsvoll ertönt.