Eine Pistolenspritze mit einem Impfserumbehälter hält ein Veterinär in der Hand, bevor er ein Rind gegen die Blauzungenkrankheit impft. Foto: dpa/A2882 Holger Hollemann

Eine neue Variante des Blauzungen-Virus’ breitet sich rasant aus. Das Zeug zur „explosionsartigen“ Verbreitung wird ihr nachgesagt. Jetzt ist sie auch im Schwarzwald-Baar-Kreis angekommen. Was heißt das für Landwirte in der Region um Villingen-Schwenningen?

Schon seit dem vergangenen Jahr 2023 kämpft man in Deutschland gegen die Ausbreitung des Virus’, das vornehmlich Wiederkäuer wie Rinder, Schafe, Ziegen oder diverse Wildwiederkäuer heimsucht.

 

Nachdem im September 2023 drei Fälle in den Niederlanden bestätigt worden waren von der Krankheit, die ursprünglich vorwiegend auf italienischen Inseln und in Tunesien sowie Israel vorzukommen schien, ging es rasch weiter. Sukzessive rückte die Tierseuche weiter vor – bis sie nun auch die Region erreichte.

Der Ausbruch

Zwischen Amsterdam und Utrecht gab es Meldungen über kranke Tiere, im Oktober schließlich in Belgien den ersten Ausbruch der Variante Serotyp 3, auch BTV3 genannt – insgesamt soll es mindestens 24 solcher Serotypen geben. Und am 8. August dieses Jahres wurde in Baden-Württemberg, im Rems-Murr-Kreis, zum ersten Mal in einem Schafbestand die Blauzungenkrankheit dieses Typs festgestellt.

Plötzlich ging alles ganz schnell: Um den Ausbruchsbetrieb wurde ein Restriktionsgebiet mit einem Mindestradius von 150 Kilometern eingerichtet – deshalb ist jetzt „das gesamte Land Baden-Württemberg zum BTV-Restriktionsgebiet für Rinder, Schafe, Ziegen und gehaltene Wildwiederkäuer erklärt“, so das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Und jetzt heißt es: beobachten, kontrollieren, maßvoll und vor allem vorausschauend agieren. Monitoring-Untersuchungen sollen zwei Jahre lang belegen, wie lange das BTV-Virus zirkuliert. Erst danach kann dem Land nach entsprechendem Antrag wieder die BTVB-Freiheit von der EU bestätigt werden.

Zunächst kam eine Meldung über einen Fall mit BTV3 aus dem Nachbarlandkreis Rottweil. Der erste Fall in einem Betrieb in Rottweil ist bestätigt, weitere Verdachtsfälle werden noch untersucht. Und zwischenzeitlich hat das Virus auch den Schwarzwald-Baar-Kreis erreicht – mit allen Konsequenzen – so gibt es Vermarktungsregelungen, die nun beachtet werden müssen, und empfängliche Tierarten wie Rind, Schaf oder Ziege, dürfen nur unter Auflagen in BTV-freie Gebiete transportiert werden.

Immer weiter gen Süden

Auf einer Landkarte eingetragen, lässt sich die Ausbreitung des Virus’ schon fast wie in einer Bilderbuchgeschichte verfolgen. Immer weiter gen Süden wanderte das BTV3, bis es den Schwarzwald-Baar-Kreis erreichte.

Die Tierseuche ist anzeigepflichtig und muss innerhalb von Europa gemeldet werden.

Das sind die Symptome

Doch wie äußert sich die Blauzungenkrankheit überhaupt? Eine blaue Zunge gab der Krankheit zwar einst ihren Namen, kommt aber laut Experten nur selten vor. Stattdessen: hohes Fieber mit bis zu 42 Grad, eine geschwollene Zunge und keine Lust zu fressen, eine starke Speichelbildung bis hin zum Schäumen und Verletzungen an der Zunge sollen typisch sein. Die Krankheit kann tödlich enden. Stark ausgebildet sollen die Symptome vor allem bei Schafen und Rindern sein.

Ein Rind streckt beim Auftakt einer Impfaktion bei Rindern gegen die Blauzungenkrankheit die Zunge heraus. Foto: dpa/Marijan Murat

Impfung kann die Rettung sein

Weil es eine Möglichkeit gibt, die Tiere durch eine Impfung zu schützen, werden vielerorts in Deutschland Landwirte mittlerweile dazu aufgefordert, ihre Tiere zu impfen. Auch die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt dieses Vorgehen bereits und rät Landwirten eindringlich zur Impfung. Drei Impfstoffe seien verfügbar – der zunächst nicht in Europa zugelassene Impfstoff, der gegen den BTV Serotyp 3 wirken soll, darf nun auch in Deutschland angewendet werden.

Das Landratsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis weist darauf hin, dass die Impfung gegen BTV zwar freiwillig ist, „jedoch die Erfolg versprechendste Maßnahme, um die Tiere vor Infektionen zu schützen“. Pressesprecherin Heike Frank ergänzt: „Landwirte sollten natürlich grundsätzlich auf den Gesundheitsstatus ihrer Tiere achten und bei klassischen Symptomen eine Untersuchung veranlassen.“

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Krux allerdings: Selbst wenn noch gesunde Tiere jetzt geimpft werden, ist von einem vollständigen Impfschutz und damit einer wirksamen Vorbeugung vor schweren Verläufen, so heißt es in Fachkreisen, erst nach etwa drei Wochen auszugehen.

Der Typ dieses Virus’ verbreitet sich rasant. Ähnlich schnell wie der Serotyp 8 in den Jahren 2006 bis 2009. Dieser hatte sich am Ende deutschlandweit sehr schnell flächendeckend ausgebreitet und zu großen Tierverlusten geführt. Erst eine Impfung konnte diese Entwicklung stoppen.

Übertragen wird die Blauzungenkrankheit laut Tierseuchen-Info durch Insekten. Kleine Mücken, ein bis drei Millimeter lang, sollen dafür verantwortlich und lebenslang Überträger sein.

Der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, appelliert an alle viehhaltenden Landwirtschaftsbetriebe im Land, das Impfangebot zu nutzen und ihre Rinder, Schafe und Ziegen gegen alle Blauzungenvirusvarianten zu impfen. Das Land und die Tierseuchenkasse Baden-Württemberg unterstützen finanziell die BT-Schutzimpfungen mit Zuschüssen zu den Impfstoffkosten.

Die gute Nachricht für Menschen

Wer jetzt Sorge hinsichtlich des Kontakts zu Tieren oder Vorbehalte gegen den Fleischverzehr hat, den dürfte eine Aussage von Pressesprecherin Heike Frank beruhigen: „Wichtig ist, dass dieses Virus für den Menschen nicht gefährlich ist. Fleisch- und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.“

Und auch das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg schlägt beruhigende Töne an: „Für den Menschen ist das Virus nicht gefährlich.“ Und betont wird ferner: „Fleisch- und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.“ Auch Angst vor einer Ansteckung müssen Menschen demnach nicht haben.