Aufgrund gestiegener Betriebskosten soll die Fundtierpauschale pro Einwohner deutlich erhöht werden. In Schwanau wurde fehlende Transparenz zu den Zahlen bemängelt.
„Wer beispielsweise ein Fahrrad findet, gibt es hier bei uns bei der Verwaltung ab und wir stellen das so lange unter, bis der Besitzer gefunden ist – bei einem Tier läuft das etwas anders ab“, stieg Hauptamtsleiter Michael Fertig in den Tagesordnungspunkt „Fundtiervertrag mit dem Tierschutzverein Lahr und Umgebung e.V.“ ein. Mal eben irgendwo abstellen, geht natürlich nicht, „Tiere haben Bedürfnisse und müssen gegebenenfalls auch ärztlich versorgt werden.“
Die Gemeinde ist zwar verpflichtet, Fundtiere aufzunehmen und unterzubringen, die Vorraussetzungen dafür hat sie selbst aber nicht. Aus diesem Grund werden Fundtiere aus Schwanau nach Lahr ins Tierheim gebracht. „Schwanau hat den Tierschutzverein Lahr und Umgebung mit der Erfüllung dieser Aufgabe beauftragt“, so Fertig.
Der aktuelle Fundtiervertrag mit dem Tierschutzverein wurde zuletzt im Dezember 2018 verlängert und enthält eine Fundtierpauschale von 1,50 Euro je Einwohner und Jahr. „Der Verein hat uns – und auch anderen Gemeinden– auf Ende des Jahres diesen Vertrag gekündigt“, so Fertig. Grund dafür sei die Notwendigkeit, die Fundtierpauschale deutlich anzupassen. Ursprünglich angedacht waren, so Fertig, waren dafür drei bis vier Euro je Einwohner. Begründet wird diese Erhöhung auf einer „drastischen Veränderung der Rahmenbedingungen“. Neben der Zunahme aufgenommener Fundtiere, seien vor allen Dingen die Betriebskosten überdurchschnittlich angestiegen. In diesem Zusammenhang wird von Verein auf eine Unterdeckung der Betriebskosten von rund 50 000 Euro im Jahr 2023 und voraussichtlich auch im Jahr 2024 verwiesen.
Die Bürgermeister der beteiligten Kommunen haben sich in diversen Sprengelsitzungen mit dem Thema beschäftigt.
Genaue Zahlen zu Schwanau fehlten Räten
Mit dem Verein ausgehandelt wurde nun folgendes Ergebnis: Zwischen dem Tierschutzverein und den Kommunen wird ein Fundtiervertrag mit einer Laufzeit von drei Jahren vereinbart. Die Kostenpauschale staffelt sich, im Jahr 2026 wird es zwei Euro, im Jahr 2027 2,10 Euro und im Jahr 2028 dann 2,20 Euro je Einwohner der Gemeinden geben.
Einfach durchwinken wollte der Gemeinderat Schwanau dies aber nicht. Vielfach wurden lobende und anerkennende Worte aus dem Rat ausgesprochen, für die Arbeit und den Einsatz. Sowohl Ralf Herrenknecht (FWV), Markus Kenngott (FWV) als auch Patrick Fertig (FWV) bemängelten jedoch die fehlende Transparenz hinsichtlich der Zahlen. Man müsse sich dahingehend quasi auf den Verein verlassen. Auch fehlten dem ein oder anderen Rat die Zahlen zu Schwanau – wie viele Fundtiere aus der Gemeinde nach Lahr gebracht werden. „Vielleicht könnte das Tierheim eine Meldung an die Gemeinde schreiben, aus der das jeweilige Tier stammt“, brachte Kenngott ein. „Der Verein lässt uns sicher nicht in seine Kalkulation reinschauen“, sagte Bürgermeister Marco Gutmann und machte klar, dass lediglich dieser Vertrag zwischen Schwanau und dem Lahrer Verein bestehe, man aber beispielsweise kein Mitglied sei. Man könnte anfragen, ob man die Halbjahreszahlen vorgelegt bekomme. Aber für jedes einzelne Tier eine Meldung zu verfassen, halte Gutmann für unnötigen Bürokratie-Aufbau – und würde die Kosten vermutlich aufgrund des steigenden Personalaufwands nochmals erhöhen.
Vorsitzender des Vereins soll Fragen beantworten
Kuno Hamm (CDU) fragte nach einer Alternative zu Lahr. „Die Alternativen sind gering, wir drehen uns hier also im Kreis“, sagte Lutz Weide (SPD). Schwanau könne das auch zur kommunalen Aufgabe machen, so Bürgermeister Gutmann. Mit einer Fundtierstelle auf dem Bauhof, gab er als Beispiel an. „Die Aufgabenerfüllung obliegt uns.“ Allerdings sei zu Bedenken, wie viele Kosten dann auf Schwanau zukämen, denn eine Fundtierstelle müsse eine artgerechte Unterbringung darstellen.
Jonas Maurer (FDW) bat darum, den Vorsitzenden des Tierschutzvereins in eine Gemeinderatssitzung einzuladen, damit offene Fragen geklärt werden könnten. Diese Bitte nahm die Verwaltung mit, bevor der Gemeinderat einstimmig die Bereitschaft für einen neuen Fundtiervertrag mit dem Tierschutzverein Lahr signalisierte.
So geht’s weiter
Der neue Vertragsentwurf ist noch in Vorbereitung und wird, sobald dieser vorliege, dem Gemeinderat vorgelegt. Hauptamtsleiter Michael Fertig betonte, dass es eine Verpflichtung hinsichtlich der Unterbringung und Versorgung von Fundtieren gibt und es aus diesem Grund sinnvoll sei, weiter mit dem Tierschutzverein Lahr zusammenzuarbeiten.