Besonders in der Ferienzeit ist in Tierheimen Hochbetrieb. Das bekommt auch der Tierschutzverein Sulz zu spüren. Um Kaninchen, Katzen oder Meerschweinchen kurzfristig unterzubringen, ist man allerdings auf Privatpersonen angewiesen.
Ferienzeit ist Reisezeit. Viele Familien zieht es in die Ferne, um eine unbeschwerte Zeit miteinander zu verbringen.
Für manch ein Haustier bedeutet diese Zeit ebenfalls eine Reise, allerdings in ein Tierheim. Denn wenn sich niemand aus dem Verwandtenkreis oder der Nachbarschaft findet, der sich um Hund, Katze und Co. kümmert, ist die letzte Anlaufstelle eben die Auffangstation.
„Hauptsaison“ beginnt
Laut Angaben des Deutschen Tierschutzbunds haben mittlerweile rund ein Drittel der Einrichtungen einen Aufnahmestopp verhängt.
Anne von Stromberg, Tierärztin und Mitglied des Tierschutzvereins Sulz, kann den Trend bestätigen. „Gerade jetzt beginnt für uns die ,Hauptsaison’“, beschreib sie die Situation.
Katzen und Kaninchen
Deswegen sei der Verein auch auf neue Pflegestellen angewiesen. Denn: Die Tiere aus Sulz und Umgebung werden nicht in einem zentralen Tierheim untergebracht, sondern finden ihre Bleibe in Privathaushalten.
Momentan hat der Verein vier erwachsene Katzen und und vier Katzenbabys in Obhut, die es gilt, zu vermitteln. Außerdem suchen zwei Zwergkaninchen-Pärchen und zwei Meerschweinchen ein neues, dauerhaftes Zuhause.
Flöhe und Durchfall
Doch um die flauschigen Vierbeiner artgerecht zu versorgen, sind viele Dinge vonnöten. „Im Sommer brauchen wir am häufigsten Medikamente gegen Zecken und Flöhe, immer auch Wurmkuren“, gibt von Stromberg Einblicke in das Hintergrundgeschehen.
Im Winter seinen hingegen Erkältungskrankheiten häufig. Und etwas, an was die Tiere unabhängig von der Jahreszeit litten, sei Durchfall. „Das wird meist durch unpassende Nahrung verursacht“, erklärt die Tierärztin.
Kastration kostet
Im April hatte der Verein einen Spendenaufruf gestartet, um für die massiv gestiegenen Kosten aufkommen zu können. Der Hintergrund: Jeweils im Frühjahr und Herbst wird eine große Kater- und Katzenkastration organisiert, um die unkontrollierte Verbreitung von Jungtieren zu verhindern.
Bei einem einzigen Bauernhof sei man alleine auf 46 Katzen und Kater gestoßen. Und die Kastration sowie die medizinische Versorgung und das Futter gingen eben sehr ins Geld.
Neue Aktion im Herbst
„Der Spendenaufruf ergab eine überraschend große Resonanz und viele kleine, aber auch größere Spenden“, zeigt sich von Stromberg erfreut. Es sei der erste Versuch dieser Art gewesen und mit diesem Erfolg sogar ein sehr erfolgreicher.
Im Herbst stehen erneut wieder Kastrationsaktionen an. „Wir wissen nie, was auf uns zukommt“, beschreibt sie die Ungewissheit des Umfangs.
Katzenschutzverordnung wird Thema
Was helfen könne, ist eine Katzenschutzverordnung. Dies würde ermöglichen, unkastrierte Fundkatzen zu kennzeichnen und zu kastrieren, wenn sich innerhalb von 48 Stunden kein Besitzer ermitteln lasse.
„Wir werden das Thema noch dieses Jahr gemeinsam mit den Stadtverwaltungen und den Gemeinderäten besprechen“, gibt von Stromberg einen Ausblick auf die künftige Agenda.
Bedürfnisse des Tieres beachten
Und für Menschen, die die überlegen, sich ein Haustier anzuschaffen, hat sie mehrere Anregungen parat – um zu verhindern, dass das Tier nach kurzer Zeit im Heim landet.
„Vor der Anschaffung eines Tieres ist es wichtig zu überlegen, welche Tierart überhaupt in das Leben passt, denn Hund, Katze oder Kaninchen haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse.“
Dabei müsse man vor allem die Familiensituation, das Wohnumfeld sowie die persönlichen Arbeitsbedingungen miteinbeziehen. „Auch muss man mögliche Kosten überschlagen, denn ein Klinik-Aufenthalt mit OP kann ganz schön ins Geld gehen“, gibt die Tierärztin zu bedenken.