Der Tierschutzverein Sulz bittet darum, allein sitzende kleine Hasen, Vögel und andere Waldbewohner nicht einzusammeln und beim Verein abzugeben.
Kaum hat der Frühling offiziell begonnen, werden schon die ersten Jungtiere aus gut gemeinter, aber übermotivierter Tierliebe eingesammelt. „Wir wollen nicht wieder unzählige Jungtiere sinnlos angeliefert bekommen“, appelliert Anne von Stromberg an die Waldspaziergänger rund um Sulz.
Falsch sei das Einsammeln junger Tiere deshalb, weil viele Jungvögel bereits ihr Nest verlassen, bevor ihr Gefieder vollständig ausgebildet ist. Obwohl sie dann recht hilflos wirkten, seien sie nicht so verloren und verlassen, wie es den Anschein habe, erläutert die Tierärztin, die auch im Tierschutzverein Sulz aktiv ist. Die kleinen Piepmätze würden weiterhin von den Elterntieren beobachtet, bewacht und versorgt – selbst wenn die sich nicht in nächster Umgebung aufhalten.
Einfach ins Nest setzen
Da das kräftezehrende Fliegen nicht gleich gelingt, sind „Bruchpiloten“ am Boden bei den ersten Ausflügen keine Seltenheit. Die Jungvögel müssen sich zwischen den einzelnen Flugetappen schlichtweg erst wieder erholen und fliegen nicht gleich weg, wenn sich Menschen nähern.
Stefan Hitzler, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes, stellt klar: „Werden Jungvögel gefunden, die teilweise noch nackt oder offensichtlich nicht flugfähig sind, sollten sie am besten einfach wieder ins Nest zurückgesetzt werden.“
Die Eltern helfen
Das Nest befinde meistens ganz in der Nähe, und die Eltern nähmen das Junge problemlos wieder auf. Hat der Vogel dagegen schon fast sein volles Gefieder, handelt es sich vermutlich um einen „Fluganfänger“. Notfalls bringt man ihn aus der Gefahrenzone von Fahrzeugen, Katzen und Fußgängern. Hierzu eignet sich ein nahes gelegenes Gebüsch.
Menschen sollten sich dann entfernen, damit Jung- und Elterntiere zueinander finden. Der Kleine wird seine Vogeleltern lautstark auf sich aufmerksam machen und von ihnen auch weiter versorgt. Im Gegensatz zu Säugern stören sich Vogeleltern nicht am menschlichen Geruch, der beim Anfassen der jungen Vögel hinterlassen wird.
„Still sitzen“ heißt die Parole
Grundsätzlich wird von den Experten empfohlen, scheinbar hilflose Jungtiere – sofern sie nicht offensichtlich verletzt sind – erst einige Zeit zu beobachten. Denn manche Jungtiere werden von ihren Müttern ganz gezielt über viele Stunden alleine gelassen. Gerade Rehe oder Feldhasen suchen ihre neugeborenen Jungen nur kurz zum Säugen auf.
Danach lassen sie die Kleinen im hohen Gras oder in der Ackermulde zurück und verlassen sich ganz auf deren gute Tarnung. Die Überlebensstrategie heißt hier nicht „flüchten“, sondern „reglos sitzen bleiben und nicht auffallen“. Zufällig entdeckte kleine Feldhasen oder Rehkitze sind also noch lange keine Waisenkinder. Hat man sie trotzdem angefasst, und sie riechen nach Mensch, werden sie vom Muttertier oft nicht mehr angenommen. Deshalb: „Finger weg!“ – und Hunde abhalten.
Menschliche Hilfe ist Ausnahme
Um alle Wildarten möglichst wenig bei der Aufzucht zu stören, ist es gerade jetzt im Frühjahr wichtig, die Wald- und Wiesenwege nicht zu verlassen und in der Nähe von Brutgebieten Hunde zur Sicherheit an die Leine zu nehmen.
„Nur bei offensichtlich geschwächten, kranken, ausgehungerten, unterkühlten oder völlig durchnässten Jungtieren, oder,wenn sich tatsächlich kein Elterntier um die Kleinen kümmert, ist es sinnvoll, die Tiere aufzunehmen“, betont Hitzler.