Für Hunde- oder Katzenbesitzer werden Inflation und steigende Tierarztkosten oftmals zum Problem. Auch Horber Tierschützer und das Kreistierheim in Freudenstadt spüren die Not der Tierhalter.
Sparen, wo man kann: Auch im Tierheim Freudenstadt merkt man, dass die Menschen sparsamer werden. Neben den Strom- und Gasrechnungen wird auch der Besuch beim Tierarzt teurer. Deshalb kommt es immer öfters vor, dass sich Haustierbesitzer gezwungen sehen, ihre Tiere abzugeben.
Das Problem dabei ist allerdings, dass viele Tierheime voll sind. „Wir haben so gut wie keine Kapazitäten mehr“, sagt Julia Stotz, Tierpflegerin im Tierheim Freudenstadt. „Unsere Quarantäne für Katzen ist voll. Deshalb können zurzeit nur noch komplett tierärztlich durchgecheckte Katzen aufgenommen werden.“
Die Gefahr steigt, dass Tiere ausgesetzt werden
Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, sein Haustier abzugeben, besteht die Gefahr, dass die Tiere von ihren Besitzern ausgesetzt werden. Dafür müssen sich die Tierheime ihre Kapazitäten sparen, denn Fundtiere müssen aufgenommen werden. „Wir nehmen deshalb abgegebene Tiere nur noch dann auf, wenn wir ausreichend Kapazität dafür haben. Und nur solange wir den Tieren gerecht werden können.“
„Wir bekommen gerade sehr viele Anrufe wegen Abgabetieren.“ Die Nachfrage ist hoch, besonders das Kleintierzimmer ist überfüllt. Zum Teil liegt dieser Trend bestimmt auch an Corona, vermutet Julia Stotz. Viele hätten sich während der Pandemie ein Haustier angeschafft, ohne sich der damit verbundenen Verantwortung bewusst zu sein. Nun werden sie wieder zurück ins Tierheim gebracht.
Auch die Tierschützer bekommen die Not der Menschen mit. „Wir haben sehr viele Anfragen von Tierhaltern, ob wir sie bei Tierarztrechnungen und Futterkosten unterstützen können“, berichtet die Horber Tierschützerin Jaqueline Dießner. Doch die Tierschutzvereine sind oft selbst knapp bei Kasse. „Wir können keine finanzielle Unterstützung geben“, so Dießner.
Tierhalterin versucht es in der Not mit Spendenaufruf
Sie selbst teilte vor Kurzem einen Aufruf einer jungen alleinerziehenden Mutter in Ausbildung, die in ihrer Not einen Spendenaufruf startete, weil sie die 3500 Euro teure Operation des Katers nicht mehr leisten konnte, nachdem es schon vorher eine Rechnung von 2000 Euro gab. „Es darf nicht sein , dass er deshalb seine Familie verlassen muss“, schrieb Dießner.
Viele Menschen schnallen den eigenen Gürtel enger, um ihr Tier nicht aufgeben zu müssen. „Die Leute sind insgesamt einfach sparsamer. Aber es gibt immer noch einige, die gar nicht mehr ohne Haustier können“, sagt Tierpflegerin Julia Stolz. Dementsprechend läuft die Vermittlung im Kreistierheim Freudenstadt weiter, wenn auch nicht übermäßig gut. Gerade ältere Tiere warten oft lange darauf, ein neues Zuhause zu finden.
Tipps für Tierhalter
Die Tierschutzorganisation Tasso, die auch das Haustierzentralregister für die Bundesrepublik Deutschland betreibt, warnt davor, an der medizinischen Versorgung zu sparen. Deshalb solle man sich gut überlegen, ob man sich ein Tier halten könne. „Liebe alleine reicht nicht für eine gute Tierhaltung“, so Heike Weber, Leiterin Tierschutz von Tasso.
Lohnt sich eine Tierkrankenversicherung?
Weber mahnt zur Vorsicht und genauen Kostenprüfung. Dennoch können Tierkrankenversicherungen eine Absicherung für den Notfall sein, wenn Tierhalter sonst keine finanziellen Rücklagen haben.
„Dabei sollten sie jedoch ganz genau hinschauen, welche Leistungen versichert werden, welche Bedingungen gelten, wie die jährliche Höchstleistung ist und ob die Beiträge im Alter des Tieres unverhältnismäßig ansteigen. Hier können leider oft versteckte Kosten entstehen.“
Wichtig: Notgroschen anlegen
Auch wenn das Geld knapp ist, rät Weber dazu, jeden Monat einen Betrag zur Seite zu legen. Eine gute Grundlage kann sein, monatlich einen bestimmten Betrag beiseite zu legen. Am besten wird das Geld auf ein Tagesgeldkonto gezahlt, damit es wirklich für Notfälle bleibt.
Doch wie hoch sollte dieser Betrag sein? „Hier muss jeder für sich einen Spagat machen zwischen dem, was sinnvoll ist und dem, was geleistet werden kann.“ Um eine Größenordnung des monatlichen Sparbetrags abzuschätzen, könnten Tierhalter beispielsweise über einen Vergleichsrechner schauen, welche Summe bei einer Tierkrankenversicherung im Monat anfallen würde.
Dies könnte dann – wenn sie sich gegen den Abschluss einer Versicherung entscheiden – der Betrag sein, der aufs Sparkonto eingezahlt wird.