Änderungen an der Spitze des Tierschutzvereins Horb: Die Vorsitzende Beatrice Buchmann (links) und die neugewählte zweite Vorsitzende Julia Fingerlin nahmen zum Ende der Versammlung Frank Klobas in ihre Mitte. Foto: Morlok

Der Horber Tierschutzverein konnte seine Mitglieder in diesem Jahr wieder zu einer Hauptversammlung einladen. Die Generalversammlung 2019 musste coronabedingt ausfallen, wie Vorsitzende Beatrice "Bea" Buchmann gleich zu Beginn der Sitzung, die im "Steiglehof" stattfand, bedauerte.

Horb - Buchmann durfte 19 der insgesamt 133 Vereinsmitglieder an diesem Abend begrüßen. "Trotz Corona und Stadtfest ist dies eine ganz ordentliche Besucherzahl", so ihr erstes Resümee.

Organisationsarbeiten

Obwohl man das Geschäftsjahr 2019 nicht satzungsgemäß beenden konnte, war auch dieses Jahr geprägt von zahlreichen Einsätzen, die das Tierwohl betrafen, doch gab es auch viel Organisatorisches zu erledigen. Allem voran stand die Überlegung, die geplante Anmietung der Parzelle auf dem Gelände der Kleintierzüchteranlage zu verschieben. Dort wollte der Tierschutzverein ein Gehege für Hasen, Hamster und andere Kleintiere einrichten.

Schlange entwischt

Die Personaldecke, die man für dieses Projekt gebraucht hätte, war aufgrund der Pandemie nicht gesichert, mit ein Grund für diesen Rückzieher. "Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben", stellte die Vorsitzende pragmatisch fest. 27 Katzen wurden 2019 kastriert sowie ein Wanderfalke und ein Mäusebussard zu Armin Klumpp in die Wildvogelstation nach Baiersbronn gebracht. Das Highlight 2019 war ein Königspython, der seinem Besitzer entwischt war. "Das habe ich in den 35 Jahren, die ich jetzt beim Tierschutz bin, noch nicht erlebt", stellte Buchmann fest. Ansonsten habe man 2019 vieles telefonisch erledigt. Jugendwartin Petra Steiger konnte noch von Besuchen in der Hundeschule, beim Imker und bei der Igelexpertin Conny Zeitz berichten.

Das Vereinsjahr 2020 war ähnlich strukturiert. Der Vorstand hat sich sechsmal mit dem gesamten Tierschutzteam getroffen. Coronabedingt weniger als in den Vorjahren. Das Treffen des ganzen Tierschutzteams findet normalerweise einmal im Monat vor dem öffentlichen Teil des Monatsstammtisches statt. Dabei werden alle geplanten Aktionen besprochen sowie die Einsätze der vergangen vier Wochen nochmals durchgegangen und protokolliert.

Viele Aktivitäten

Mitglieder des Vereins waren 2020 beim Jahresempfanges der Stadt Horb in der Hohenberghalle, besuchten die Jahresempfänge des Landkreises und der Kreissparkasse Freudenstadt, trafen sich mit dem Wildtierbeauftragten Peter Daiker und besserten ihre Kasse am Weihnachtsstand vor dem Dehner-Markt in Horb durch den Verkauf der restlichen Vogelfutterbestände und Kerzen aus der Bastelaktion der Jugendlichen auf.

Schriftführerin Renate Lutz nahm bei der Demo in Tübingen, die unter dem Motto "wir haben es satt" für eine bäuerliche und tiergerechte Landwirtschaft warb, teil. Und die Jugendleiterinnen des Vereins besuchten eine Jugendleiterschulung des Landesverbandes Baden-Württemberg.

Dreh- und Angelpunkt des Vereines ist jedoch das Tierschutztelefon, bei dem ein Anrufbeantworter geschaltet ist, der mittels Fernabfrage täglich mehrmals vom Aktiven-Team abgehört wird und von denen die Nachrichten dann bearbeitet werden.

Ein Schwerpunkt: Katzen

"Es waren wieder viele, viele Anrufe, E-Mails und Meldungen auch über Facebook mit Hinweisen, denen nachgegangen wurde", so die Bilanz 2020. Einige Meerschweinchen und Kaninchen hat der Verein direkt vermittelt und auch 27 Katzen vorbeugend kastrieren lassen.

Rund 50 Katzen werden von den Ehrenamtlichen des Vereins an verschiedenen Futterstellen im gesamten Horber Stadtgebiet sowie den Gemeinden Empfingen und Eutingen betreuen. Dadurch fielen weitere Tierarztkosten außer der Kastration an. Unter anderem wurden 12 Katzenwelpen behandelt und 33 weitere, notwendige tierärztliche Behandlungen von Streunerkatzen übernommen.

"Bei der Versorgung unserer Futterstellen sind wir immer sehr dankbar, dass unsere Futterboxen von lieben Spendern so gut gefüllt werden und auch die Spenden über unsere Amazon-Wunschliste steigen. So können wir das Geld, welches wir so an Futterkosten einsparen können, in die tierärztliche Versorgung der Tiere investieren", machte Bea Buchmann klar.

Viele Tierarztbesuche

"Bei weiteren tierärztlichen Maßnahmen mussten vermehrt Kaninchen behandelt werden, aber auch Meerschweinchen, ein Schwan, Marder, Siebenschläfer, Mauersegler, und weitere Wildvögel sowie wie schon in den Vorjahren Enten. Und natürlich Igel, Igel und nochmals Igel sowie viele Tauben", so die Vorsitzende.

Zum Thema "Fundtiere", zu denen im vergangenen Jahr auch eine Schildkröte und eine entflogene Amazone zählten, machte die Vorsitzende darauf aufmerksam, dass Tierhalter ihre Tiere chippen oder tätowieren lassen und dann auch zwingend bei Tasso oder Findefix, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, registrieren lassen sollen.

Probleme mit Wildtieren

Ein großes Kapitel der Vereinsarbeit nahm im Rückblick auf 2020 auch das Thema Wildtiere ein. Dazu zählen auch Stadttauben. Diese zählen eigentlich nicht zu den Wildtieren, sondern zu den verwildert lebenden Haustieren. "Durch ein großes Taubensterben im September letzten Jahres hat sich auch bei der Stadtverwaltung in Horb eine andere Sichtweise auf die Tauben – die bislang nur als die ›Ratten der Lüfte‹ bezeichnet wurden – entwickelt", machte Buchmann auf einen hieraus resultierenden Aspekt aufmerksam.

Buchmann wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass es bei allen Wildtierarten wichtig ist, dass sie so gehalten und gepflegt werden, dass sie nach ihrer Genesung wieder in die wilde Freiheit entlassen werden können und dort zurechtkommen. "Leider gibt es für die Behandlung von Wildtieren keinerlei finanzielle Unterstützung durch Behörden – die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge", schlug die Vorsitzende einen Bogen zu den Finanzen, ohne die ein Verein mit dieser Aufgabenstellung nun einmal nicht existieren kann. "Wir finanzieren uns durch unsere Mitgliedsbeiträge und Spenden und da Spenden reine freiwillige Leistungen sind, sind die Mitgliedsbeiträge, die einzige planbare Summe für die wirtschaftliche Planung" so Buchmann.

In den beiden zurückliegend Jahren konnte der Tierschutzverein seine Bilanz positiv abschließen. Zwar sind es nur kleine Überschüsse, die erzielt wurden, doch besser als Verluste allemal, so die einhellige Meinung der Anwesenden.

Die Vereinsmitglieder entlasteten ihre Vorstandschaft nach Rechenschaftsbericht und Kassenlage einstimmig und die frühere Kassiererin Sieglinde Müller durfte als Wahlleiterin zu den turnusgemäßen Neuwahlen aufrufen.

Frank Klobas, ehemaliger Vorsitzender und seit 2014 als zweiter Vorsitzender in Dauerwarteschleife auf Ablöse im Amt, durfte an diesem Abend endlich seinen Posten abgeben. Julia Fingerlin heißt die neue, zweite Vorsitzende, die Frank Klobas ablöste.

Ansonsten wurden alle Ämter weiter mit den Amtsinhabern besetzt. Bea Buchmann bleibt erste Vorsitzende, Manuela Heine kümmert sich weiterhin um die Kasse, Jasmin Wills und Klaus-Peter Amberger fungieren als Kassenprüfer und Renate Lutz bleibt Schriftführerin.

"Du warst ein toller Vorstand und Stellvertreter", lobte Buchmann ihren langjährigen Wegbegleiter, und auch Frank Klobas erinnerte sich an gute und weniger gute Zeiten, die er zum Wohl der Tiere verbrachte. "Ich bin jetzt aber froh, dass es jemand anders macht, denn ich bin nicht mehr so ganz bei der Sache gewesen, wie es eigentlich notwendig wäre", gab der Mann, der als "Mister Tierschutzverein" in die Annalen der Horber Tierschützer eingehen wird, am Ende der Sitzung zu.