Straßenkatzen werden häufig ausgemergelt von Tierschutzgruppen aufgefunden. Hechingen hat daher nun eine Katzenschutzverordnung erlassen. (Symbolfoto) Foto: Pixabay

Die Population an Straßenkatzen wächst ungebremst – auch in Hechingen. Um der Lage Herr zu werden, hat der Gemeinderat eine Katzenschutzverordnung erlassen. Unsere Redaktion erklärt, was das für Katzenhalter bedeutet.

Kristina Stalder von der Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen schlug in der jüngsten Gemeinderatsitzung Alarm: „Wenn wir nicht zügig handeln, drohen uns Zustände wie früher in Griechenland oder Rumänien.“ Die Ehrenamtliche sprach damit das derzeit unkontrollierte Wachstum der Population an Straßenkatzen in Hechingen an.

 

Erst im diesem Jahr habe die Tierschutzgruppe im Stadtteil Stetten mehrere Mutterkatzen mit Nachwuchs eingefangen und kastriert, seit dem Ende der Corona-Beschränkungen habe das Problem mit Straßenkatzen sukzessive zugenommen. Stalder vermutet, dass viele in der Pandemie angeschafften Tiere nach dem Wegfall der Restriktionen und der neuen Gebührenordnung für Tierärzte 2022 nicht mehr gewünscht waren und ausgesetzt wurden. So seien nicht nur „wilde“, sondern auch „zahme“ Katzen im Stadtgebiet auf der Suche nach Futter – oft vergebens.

Auch Rangendingen hat eine solche Verordnung

Um das Leiden der teils ausgemergelten und kranken Tiere zu mindern, führen immer mehr Kommunen eine sogenannte Katzenschutzverordnung ein. Am Dienstagabend hat nun das Hechinger Gremium bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen eine solche Satzung erlassen. Hechingen bildet keine Ausnahme. Auch die Nachbarkommune Rangendingen und Schömberg im Zollernalbkreis haben eine Katzenschutzverordnung – laut Landestierschutzverband Baden-Württemberg sind es im Südwesten mittlerweile 109 Kommunen.

Was bedeutet das für Hechinger Katzenhalter? Mit Inkrafttreten der Verordnung in sechs Monaten müssen alle Katzen – sprich Straßen- als auch Halterkatzen – spätestens im Alter von sechs Monaten kastriert werden. Ordnungsamtsleiter Patrick Loll betont: „Das ist die einzig sinnvolle Methode, um die Population an Straßenkatzen einzudämmen.“ Denn: Auch unkastrierte Halterkatzen könnten zum Katzenelend beitragen, würden diese doch unkastriert problemlos einen Paarungspartner unter den freilaufenden Katzen finden.

Mit Mikrochip oder Tätowierung registrieren

Sind die Katzen kastriert, müssen diese zudem mittels eines Mikrochips oder einer Ohrentätowierung registriert werden. Dabei wird der Katzenhalter mit Namen und Anschrift in das kostenfreie Haustierregister von Tasso oder des deutschen Tierschutzbundes („Findefix“) eingetragen. Um die Kastration der Straßenkatzen kümmern sich weiter die Tierschutzvereine, die aber zunehmend an ihre Grenzen stoßen.

Und das hätte auch Folgen für die Stadtkasse, wie Loll weiter erklärte. Denn: Können die Ehrenamtlichen die Tiere nicht mehr versorgen, fallen bei Fundtieren beispielsweise Tierarztkosten auf die Kommune zurück.

Katzenschutz ist auch Vogelschutz

Wer sich wundert, dass ihm selbst noch keine streunenden Katzen in Hechingen aufgefallen sind, muss sich nicht wundern. „Die Tiere sind extrem scheu, kommen meist erst in der Dämmerung raus“, weiß eine Tierärztin, die bei der Sitzung Rede und Antwort stand. Ein Hotspot in Hechingen soll das Gewerbegebiet Lotzenäcker sein. Dort seien von Unternehmen im vergangenen Jahr vermehrt Straßenkatzen gemeldet worden, acht Mutterkatzen mit Nachwuchs hat die Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen dort versorgt.

In den Fraktionen herrschte größtenteils Einsicht, dass eine solche Verordnung unumgänglich ist. Matthias Linckersdorff von der FDP-Gruppe betonte, dass mit dem Eindämmen der Katzenpopulation auch heimische Vögel geschützt werden, die auf dem Speiseplan der Katzen stünden. Almut Petersen, Fraktionssprecherin der Bunten Liste, sah die Notwendigkeit ein, aber merkte an: „Es ist schon hart, dass keine Katze mehr eine Wurf Junge bekommen darf.“

Jeder Wurf kostet Katze Lebenszeit

Freie-Wähler-Stadträtin Ursula Bailer wollte daher wissen, welche Ausnahmen es denn gebe, von denen explizit in der Verordnung geschrieben steht. „Da geht es um Zuchtkatzen und reine Hauskatzen.“ Stalder fügte abschließend an, dass jeder Wurf eine Katze auch an Lebenszeit koste, die Katzenhalter im Normalfall ja möglichst ausdehnen möchten.