Birgit Bantle (links) und Andrea Kienöl sind seit 50 Jahren im Tierschutz ehrenamtlich tätig. Foto: Reinhardt

Die neue Verordnung verpflichtet Halter zur Kastration und Registrierung ihrer Katzen. Tierschützer hoffen so auf weniger Streuner und mehr Tierwohl.

Seit 15. Juli gilt in Deisslingen die verabschiedete Katzenschutzverordnung. Diese Verordnung dient dem Schutz freilebender Katzen vor erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden.

 

Die Verordnung wird von engagierten Tierschützerinnen wie Andrea Kienöl und Birgit Bantle voll und ganz unterstützt. Seit ihrer Kindheit engagieren sich Kienöl und Bantle, die ehrenamtlich für den Tierschutzverein Rottweil im gesamten Kreis tätig sind, für den Tierschutz. Kienöl erinnert sich, wie sie als Kind eine Katze beerdigen musste, die umgebracht wurde, was sie seither dem Tierschutz verbunden sein lässt. In den letzten zehn Jahren haben sie allein in Deißlingen etwa 300 Streunerkatzen gefangen, die dann über das Tierheim kastriert, betreut, sozialisiert und in ein Zuhause vermittelt wurden, nicht vermittelbare Katzen wurden an einem betreuten Futterplatz freigelassen.

Streunerkatzen vermehren sich unkontrolliert

Die Notwendigkeit der neuen Verordnung wird durch die täglichen Erfahrungen der Tierschützerinnen deutlich. Viele Streunerkatzen sind weder gechippt noch kastriert und vermehren sich unkontrolliert. Dies führt zu großem Leid: Viele Katzenbabys kommen blind zur Welt, leiden früher oder später an Katzenschnupfen, verlieren dadurch zum Teil ihr Augenlicht, durch Inzucht kommt es auch immer wieder vor, dass die Augen gar nicht ausgebildet sind.

Viele Kätzchen sterben auch durch einen starken Befall von Zecken, Flöhen und Milben. Es gibt sogar Fälle von geistig behinderten Katzen. Jedes Jahr werden allein in Deißlingen etwa 30 Fundkatzen eingefangen. Die neuen Regelungen der Katzenschutzverordnung sehen eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für freilaufende Hauskatzen vor. Andrea Kienöl und Birgit Bantle sehen dies als wichtigen rechtlichen Hintergrund, um Katzenhalter zur Kastration und Kennzeichnung ihrer Freigänger zu verpflichten. Die Registrierung bei Tasso oder Findefix ist kostenlos und dient zur Identifikation der Tiere.

Auch Wohnungskatzen sollten gechippt werden

Auch reine Wohnungskatzen sollten unbedingt gechippt und registriert sein, damit auch sie bei Verlust wieder ihren Haltern zugeordnet werden können. Die Zusammenarbeit mit dem Bauhof und Ordnungsamt funktioniert bereits gut – so melden Mitarbeiter den Tierschützerinnen beispielsweise, wenn tote Katzen gemeldet werden, die Kienöl dann birgt und auf Kennzeichnungen überprüft. Die Tierschützerinnen wünschen sich, dass es in Zukunft keine halterlosen Katzen oder Streuner mehr gibt.

Andrea Kienöl kritisiert zudem unseriöse Züchter scharf, die mit Rassetieren Geld verdienen, was sie als Betrug und Steuerhinterziehung ansieht und rät, in solchen Fällen das Zollamt zu informieren. Trotz der zusätzlichen Belastung bleibt das Engagement der beiden ungebrochen, sobald sie das Elend der Tiere sehen.

Auch diese drei jungen Kätzchen wurden krank gefangen. Foto: Kienöl

Ein Beispiel für ihren unermüdlichen Einsatz ist die Rettung von Katzenbabys und der Mutterkatze aus einer Scheune in Deißlingen. Nach 35 Stunden in brütender Hitze gelang es Andrea Kienöl, alle Tiere einzufangen und ins Tierheim zu bringen. Langfristig erhoffen sich Andrea Kienöl und Birgit Bantle durch die Katzenschutzverordnung deutlich weniger Tierleid. Sie wünschen sich von den Bürgern mehr Akzeptanz für die Verordnung. Sätze wie „Das regelt schon die Natur“ oder „Das ist doch nur eine Katze“ bringen die beiden auf die Palme. Auch wünschen sie sich mehr Aufklärung.

Bürger können den Katzenschutz aktiv unterstützen, indem sie rechtzeitig Meldungen machen. Es mangelt zudem an ehrenamtlichem Nachwuchs im Tierschutz, und Interessierte sind herzlich eingeladen sich zu melden.