Ein drei Wochen altes Feldhasenbaby sitzt allein im Gras. Meist ist es nicht verloren, sondern wartet auf seine Mutter, die in regelmäßigen Abständen zurückkehrt, um es zu säugen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Feldhasenbabys haben nur eine Chance, wenn Menschen ihre Instinkte respektieren. Im Frühling gilt es, die Natur ihr Wunder vollbringen zu lassen.

Wer mit seinem Hund Gassi geht oder einen Spaziergang unternimmt, sieht sie im Frühjahr immer wieder: die kleinen Fellknäuel, die scheinbar verlassen oder verstoßen im Feld oder auf Wiesen liegen. Doch in der Regel wurden die Feldhasenbabys nicht vergessen, sondern ganz bewusst dort von der Hasenmama abgelegt. Diese kommt nur ein- bis zweimal am Tag zurück, um ihre Jungen zu säugen, meist in der Dämmerung oder nachts, und hält sich ansonsten in sicherem Abstand auf, um keine Fressfeinde anzulocken.​

 

Die Kleinen sind nahezu geruchslos und ducken sich mit ihrem wildfarbenen Fell regungslos auf den Boden – ein natürlicher Schutzmechanismus, der ihnen hilft, von Feinden wie Füchsen, Mardern oder Greifvögeln nicht entdeckt zu werden. Was auf den ersten Blick hilflos wirkt, ist also Teil einer ausgeklügelten Überlebensstrategie und erfordert in den meisten Fällen kein Eingreifen. Ganz im Gegenteil. Störungen durch Menschen können dazu führen, dass die Mutter ihre Jungen nicht mehr ausreichend versorgt. Oft stellt dies ein Todesurteil dar. Daher gilt es, die Babys besser nicht anzufassen und Abstand zu halten.​

Handaufzucht mit viel Aufwand ​

Solange ein Jungtier in seiner Mulde (Sasse) oder gut versteckt auf einer Grünfläche sitzt, benötigt es normalerweise keine menschliche Hilfe. Anders sieht es jedoch aus, wenn es auf Asphalt, im Straßengraben, auf Kinderspielplätzen oder auf dem Gehweg gefunden wird oder schreit, unterkühlt ist, blutet, von Maden befallen oder völlig durchnässt ist. In solchen Fällen sollte man das Jungtier tatsächlich aufnehmen, da es sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben würde.

​Doch wie geht man dabei vor? Das Tierbaby sollte vorsichtig mit einem Tuch aufgenommen und gewärmt werden. Vor der Mitnahme sollte jedoch eine fachkundige Person, etwa von einer Wildtierstation, dem Tierschutz oder ein Tierarzt, kontaktiert werden. Wer einen Hasenwaisen mit nach Hause nimmt, übernimmt eine große Verantwortung, denn die Tiere sind sehr empfindlich und auf die richtige Pflege angewiesen. Sie müssen alle vier bis acht Stunden mit spezieller Aufzuchtsmilch gefüttert werden, Kuhmilch ist ungeeignet und kann ihnen schaden. Wie oft und wie viel gefüttert wird, hängt vom Zustand des Tieres ab.

Fütterung in den ersten Tagen notwendig

Gerade in den ersten Tagen sind häufigere Fütterungen notwendig, später trinken die dämmerungs- und nachtaktiven Jungtiere vor allem abends und frühmorgens größere Mengen. Um die besten Überlebenschancen für die Langohren zu gewährleisten, sollte diese Pflege erfahrenen Experten überlassen werden.

​„Brutzeit ist Schutzzeit“, appelliert Uschi Rollmann vom Münsinger Tierschutzverein außerdem an die Landwirte. Da die Feldhasen bevorzugt im Acker leben, sollte bei der Arbeit dort Rücksicht genommen werden. Es gilt, den Lebensraum der Hasen zu bewahren, betont sie. „Zwischen den Reihen lebt mehr als nur Ertrag.“ ​

Auch bittet sie die Hundehalter um mehr Sensibilität: „Die Feldhasen haben Nachwuchs, führt eure Hunde bitte an der Leine und haltet sie von Wiesen und Feldern fern.“​

Die Entwicklung der Feldhasen in Baden-Württemberg​