Veterinäramt und eine Schutzorganisation schritten auf einem Grundstück in Burladingen ein. Etliche Katzen lebten dort unter elenden Zuständen.
Erbarmungswürdige Zustände herrschten im Anwesen eines Burladinger Stadtteils. Das Veterinäramt des Zollernalbkreises und der von der Stadt Burladingen beauftragte Tierschutzverein „Pfotenengel“ trafen dort auf eine erschütternd große Zahl verwahrloster Katzen: 53 Stück, teils trächtig. Auch tote Tiere sollen herumgelegen haben, wie berichtet wird.
Die abgemagerten und kranken Vierbeiner wurden tierärztlich behandelt, fünf von den 53 brachte man ins Tierheim des Tierschutzvereins Zollernalbkreis nach Tailfingen, 48 haben in Pflegestellen und in der Station der „Pfotenengel“ (Hausen/Zollernalbkreis) eine vorläufige Unterkunft und Betreuung gefunden. Für die inzwischen gesunden und nicht trächtigen Katzen sucht man jetzt neue, „liebe- und verantwortungsvolle“ Halter.
Eine Tierliebe mit krankhaften Zügen
Der Katzenbesitzer wurde wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt und hat entsprechende Schritte zu erwarten. Sandra Topler, Vorsitzende der „Pfotenengel“, will sein Verhalten in keiner Weise entschuldigen, merkt aber an, der Halter habe nicht in grundsätzlich böser Absicht gehandelt. „Er mochte seine Katzen, er hatte ihnen sogar Namen gegeben und hat sie gefüttert – halt in vollkommen unzureichender Weise.“ Es handle sich, so Topler, um einen leider typischen Fall von „animal hoarding“, zu Deutsch: Tiersammelsucht. „Das trägt krankhafte Züge und kommt oft – aber nicht nur – bei alten und vereinsamten Menschen vor. Die meinen es gut, aber das genaue Gegenteil kommt dabei heraus.“
Wie ihr der Mann selbst erzählte, habe er vor längerer Zeit drei Katzen geschenkt bekommen und anfangs, den raschen Nachwuchs der unkastrierten Tiere an andere verschenkt. Doch es seien immer mehr geworden. Offenbar war er, als die Tierschützer vor etwa drei Wochen eingriffen, selbst über die große Zahl erstaunt, die auf seinem Anwesen und ringsum leben. „Er hatte absolut die Kontrolle verloren, das ist ihm über den Kopf gewachsen.“
Katzenmütter, die selbst noch halbe Babys sind
Die Zustände, die sich Topler bei dem Einsatz zeigten, müssen verheerend gewesen sein: Unter den trächtigen Katzen befanden sich auch Jungtiere im Alter von gerade einmal sieben Monaten. „Das sind selbst noch Babys. Die wissen gar nicht, wie sie mit ihrem Nachwuchs umgehen sollen.“ Das war dann wohl einer der Gründe, weshalb man tote und mutterlose Kleinkatzen fand. Eine weitere Todesursache könnte neben Krankheiten die Inzucht gewesen sein, die in dem Rudel grassierte. Die Jungen waren von vornherein nicht lebensfähig. 26 Tiere wurden inzwischen kastriert und registriert, andere müssen noch mit der Saugflasche aufgezogen werden. Eingefangen sind längst nicht alle, die zu dem Anwesen gehören. „Da werden noch einige Nachzügler dazukommen“, vermutet die Vorsitzende. Das wird sie und ihre Vereinsmitglieder noch einige Zeit und Arbeit kosten.
Um solche Missstände künftig zu verhindern, erließ der Burladinger Gemeinderat in seiner Sitzung im Mai eine für die Gesamtstadt gültige Katzenschutzverordnung. Sie tritt, darauf macht jetzt nochmals Ordnungsamtsleiter Martin Paulus aufmerksam, in sechs Monaten in Kraft. Bis dahin müssen Besitzer freilaufender Katzen ihre Vierbeiner kastrieren und registrieren lassen. Anschließend hat die Stadt die Berechtigung, entsprechende Verdachtsfälle einzufangen und sterilisieren zu lassen. Die Aufgabe vor Ort übernehmen die „Pfotenengel“ und die Tierschutzgruppe Bodelshausen-Hechingen. Die Kosten müssen die Besitzer tragen – sofern sie feststellbar sind. Andernfalls bleibt die Rechnung für den Veterinär und die zeitweise Unterbringung der Stadtkasse überlassen. Und damit der Allgemeinheit.
Aufruf des Ordnungsamtes an die Bevölkerung
Paulus ruft Katzenhalter auf, bis zum Inkrafttreten der Verordnung die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Zum einen im Sinne von Mitbürgern, die durch Hinterlassenschaften der Streuner Unannehmlichkeiten haben, in allererster Linie jedoch im Sinne des Tierwohls – um Leid und Krankheiten zu vermeiden.
Wer möchte eine der Katzen aufnehmen?
Kontakt
Wer einer der Katzen ein neues Heim geben möchte, kann sich beim Veterinäramt des Zollernalbkreises melden. Telefonnummer: 07433 / 92 1901. Schutzverordnung Die vom Gemeinderat für das Stadtgebiet erlassene Katzenschutzverordnung tritt Ende des Jahres in Kraft. Besitzer freilaufender Katzen haben bis dahin Zeit, ihre Tiere sterilisieren und registrieren zu lassen.