Immer mehr Menschen beobachten Vögel – auf dem Land und in der Stadt. Was „Bird-Watching“-Trend ausmacht, erklärt Nabu-Experte Bernd Franz – und hat Tipps parat.
Mittlerweile gibt es für fast jede Beschäftigung oder jedes Hobby einen englischen Begriff: Wer viele Episoden einer Serie am Stück schaut, betreibt „Binge-Watching“. Menschen, die Flugzeuge beobachten, widmen sich dem „Plane-Watching“. Aktuell im Trend: Vögel beobachten.
„Unter Bird-Watching verstehe ich die Tätigkeit von Menschen, sich mit der Beobachtung, Erforschung und Bestimmung von Vögeln zu beschäftigen“, meint Bernd Franz, Vorsitzender beim Naturschutzbund (Nabu) in Rottweil. Laut ihm zeichnet sich derzeit ab, dass insbesondere jüngere Menschen das „Vogel-Anschauen“ für sich entdecken.
So sei auf der Online-Plattform „Ornitho“ der Trend zu erkennen, dass sich immer jüngere Vogelbegeisterte untereinander austauschen. „Besonders in der Gruppe oder bei speziellen Birder-Camps für junge Menschen kommt hierbei auch der Spaßfaktor nicht zu kurz“, ergänzt der 58-Jährige aus Hausen.
Eine klare Altersgruppe der „Bird-Watcher“ gebe es laut Franz jedoch nicht. „Bird-Watching“ sei vor allem unter Naturschützern und Forschern verbreitet, da sich Vogelarten und ihre Verhaltensmuster so besonders gut erforschen lassen.
Ein Fernglas kann helfen
Ob Vogel-Experte oder „Bird-Watch“-Anfänger – einen Tipp hat Franz für alle: „Oberstes Gebot ist es, die Tiere nicht zu stören oder zu beeinträchtigen. Dies gelingt in der Regel dadurch, dass ein entsprechender Abstand zu den Vögeln oder zu Brutstätten eingehalten wird“. Nicht zu vergessen sei laut Franz zudem, dass in Schutzgebieten die vorgeschriebenen Wege nicht verlassen werden dürfen.
Wer Vögel aus größerer Distanz beobachten möchte, sollte ein Fernglas oder Spektiv griffbereit haben. „Generell sind Orte zu suchen, an denen sich Vögel gerne aufhalten“, so Franz.
Das können Gewässer wie kleine Seen oder Flüsse sein, an denen sich etwa Wasservögel oder ziehende Arten während ihrer Durchreise aufhalten. Etwa der Linsenbergweiher bei Göllsdorf oder die Gegend zwischen der Mündung der Prim unweit des Rottweiler Bahnhofs und der König-Karl-Brücke. „Auch unbewaldete Höhen oder Bergkuppen mit freier Sicht bieten sich an, um im Frühjahr oder im Herbst Zugvögel oder kreisende Greifvögel zu beobachten. Es gibt auch Futterstellen, wo sich besonders in der Winterzeit Vögel aus näherer Distanz gut beobachten lassen“, ergänzt Franz.
„Bird-Watching“ auf dem Friedhof
Im Winter empfiehlt der Experte das Schwenninger Moos oder den Schlosspark in Donaueschingen, vor allem, da dort „von Besuchern oft Vogelfutter ausgelegt wird und die Vögel diese Futterstellen kennen“.
Wer sich also am „Bird-Watching“ versuchen möchte, muss dafür nicht einmal besonders entlegene Orte aufsuchen. In Parks oder auf Friedhöfen sei es laut Franz nämlich ebenfalls möglich, die fliegenden Tiere aus der Nähe zu beobachten. „Vögel sind dort an die Nähe des Menschen gewöhnt und verhalten sich meist weniger scheu als in der freien Natur“, berichtet er. Es gibt für Vogelliebhaber also keine Grund, mit dem „Bird-Watching“ zu warten. Außer vielleicht das derzeitige Wetter, das viele Vögel in den Süden vertrieben hat.